Festool Domino: DF500 oder DF700?

brubu

ww-robinie
Registriert
5. April 2014
Beiträge
7.733
Ort
CH
Herzlichen Dank noch mal an alle für die hilfreichen Inputs! Ich habe mittlerweile eine Entscheidung getroffen, und diese ist zugunsten der DF500 gefallen. Vielleicht gibt es Mit- oder Nachleser, für die meine Beweggründe interessant sind:

Ich bin noch einige Zeit stark zwischen den beiden Modellen geschwankt und habe mir auch beide noch einmal in Ruhe in natura angesehen. An der DF700 waren mir der Griff, der Ein/Aus-Schalter und die Einstellung der Frästiefe bzw. das schnelle Umstellen zwischen zwei Voreinstellungen sympathisch, aber ansonsten bin ich mit dem wesentlich höheren Gewicht, der klobigeren Form und ein paar anderen Details einfach nicht warm geworden.

Den letzten Ausschlag haben dann aber folgende Aspekte im Zuge meiner weiteren Recherchen ergeben:

Ich habe gezielt recherchiert, welche DF einige der mir bekannten Tischler als auch Hobby-Tischler für den Möbelbau einsetzen, und da gab es eine ganz klare Mehrheit für die DF500. Weiters haben einige, die sogar beide Modelle besitzen, angegeben, dass sie überwiegend die kleinere Maschine einsetzen. Diese würden sie im Fall eines Defekts auch sicher ersetzen, bei der größeren wäre das nicht so eindeutig.

Weiters habe ich mich genauer mit den Verbindungen auseinander gesetzt, weil in meinen Augen der größte Vorteil der DF700 die große Frästiefe ist. Dabei habe ich festgestellt, dass die Wahrscheinlichkeit, dass ich diese große Frästiefe bei den von mir geplanten Projekten in einem vertretbaren Ausmaß ausnutzen kann, sehr gering bis nicht vorhanden ist. Selbst bei dem Bett, das ich als erstes bauen werde: Die Seitenteile werden voraussichtlich ca. 30mm dick sein, die Ecken irgendwas zwischen 40 und 50mm. Da bringen mir 70mm Frästiefe nichts, da kann ich genauso gut - wie von manchen von Euch vorgeschlagen - mehrere 10x50mm Dominos nehmen. Google-Gemini hat mir dazu folgende Daten geliefert:

„Übersicht: Ausziehwiderstand, Biegefestigkeit & Verdrehsicherheit

Anzahl DübelVerankerungstiefe pro SeiteAusziehwiderstand (Zug)Biegefestigkeit (Hebel/Biegung)Verdrehsicherheit (Torsion)
1 × (10×100 mm)50 mm100 % (Referenz)100 % (Referenz)Gering
2 × (10×50 mm)25 mmca. 75 % – 85 %ca. 60 % – 70 %Sehr hoch
3 × (10×50 mm)25 mmca. 110 % – 120 %ca. 85 % – 95 %Sehr hoch
4 × (10×50 mm)25 mmca. 140 % – 150 %ca. 110 % – 120 %Sehr hoch

Warum die Biegefestigkeit bei geringerer Tiefe langsamer steigt:
  1. Hebelarm im Holz: Die Biegefestigkeit hängt extrem stark vom Hebelgesetz ab. Der 100 mm lange Domino ragt 50 mm tief in das Bauteil hinein. Das ergibt einen doppelt so langen Hebelarm im Holzinneren, um Biegekräfte aufzunehmen, als die 25 mm Einstecktiefe des 50-mm-Dübels.
  2. Aushebel-Effekt: Kurze Dübel (25 mm Tiefe) neigen unter starker Biegung dazu, die vordere Holzkante/Fräskante wegzusprengen (Auspressen der Kante), da die Kraft sehr nah an der Fuge konzentriert ist.
  3. Ergebnis: Erst ab ca. 4 Stück (10×50 mm) erreichst du bei reiner Biegung dieselbe Festigkeit wie mit einem einzelnen 10×100 mm Domino.“

Und wenn ich wirklich mal für irgendwas unbedingt eine tiefere Verankerung benötige, kann ich auch noch auf Runddübel-Stangen plus Bohrschablonen zurückgreifen. Oder ich vertiefe die Domino-Fräsung mit einer Oberfräse plus Kopierfräser mit schaftseitigem Anlaufring.

Jedenfalls freue ich mich schon auf die Maschine und die ersten Projekte damit!
Danke für die Angaben. Ich frage mich jeweils ob der Effekt, dass sich das Werkstück an einer Ecke längs spalten kann wenn Verbindungsmittel zu wenig tief eingefräst sind, mitberücksichtigt wird.
Oder einfacher beschrieben, wenn Türbekleidungen oder Rahmen mit z.B. 60mm Breite mit einem Lamello Plättchen verbunden werden kann sich das Längsholz spalten. Die Verbindung hält aber der Teil der mit dem anderen Teil verbunden ist wird abgerissen.
Das gab es ab und zu beim Transport wenn bei Einzelstücken statt gedübelt mit Lamellos die Ecken verleimt wurden.
 

MTrp

ww-robinie
Registriert
5. Oktober 2018
Beiträge
1.178
Ort
Bezirk St. Pölten
Ich denke schon - Gemini geht darauf jedenfalls im Nachsatz zur Biegefestigkeit in Punkt 1 und 2 ein. Nach meinem laienhaften Verständnis ist das aber erst ein Thema, wenn sich die Verleimung bereits gelöst hat - oder?
 

brubu

ww-robinie
Registriert
5. April 2014
Beiträge
7.733
Ort
CH
Ich denke schon - Gemini geht darauf jedenfalls im Nachsatz zur Biegefestigkeit in Punkt 1 und 2 ein. Nach meinem laienhaften Verständnis ist das aber erst ein Thema, wenn sich die Verleimung bereits gelöst hat - oder?
Nein, es ist schwierig zu beschreiben. Die Verleimung kann sehr gut halten aber wenn das Verbindungsmittel, Dübel, Zapfen etc. zu wenig tief im Querholz verankert ist kann das Holz unmittelbar hinter dem wenig tief liegenden Dübelende reissen.
Das gilt für die Ecke am Längsfries, nicht für das Querfries.

Als Hilfe, stumpf verleimt könnte die Ecke nur rein theoretisch auch halten. Bei einem Bruch werden meist Holzfasern ausgerissen, also hat der Leim gehalten, das Holz daneben aber nicht.

Wir machen viele Reparaturen, an Rahmen von Massivholzmöbeln sind die Dübel oft sehr kurz. Da gibt es solche Brüche im Längsfries hinter dem Dübelloch immer wieder. Ein ähnlicher Fall sind Konterprofile bei Möbeltürchen, es gibt Holzverarbeiter die keine zusätzlichen Dübel einbohren.
Dann hält nur der sehr kurze Zapfen in der Füllungsnut, daneben reissen bei Beanspruchung die Nutwangen.

Ähnlich ist es mit gewissen Verleimprofilen, die grössere Leimfläche nützt nichts wenn das Holz, Sperrholz oder MDF daneben bricht.
 

Uranus

ww-esche
Registriert
13. Januar 2025
Beiträge
423
Ort
Weißblau
Ich würde auch das RQ-Set kaufen, die Anschlage wirst du früher oder später auf jeden Fall brauchen. Jetzt tuts ja eh schon weh...
 

MTrp

ww-robinie
Registriert
5. Oktober 2018
Beiträge
1.178
Ort
Bezirk St. Pölten
@brubu: Danke für Deine Erläuterung und Erfahrungswerte! Vielleicht kannst Du mir auch bei folgendem Sachverhalt weiterhelfen: Wenn ich bei einer Eckverbindung bei den beiden Teilen unterschiedlich viel Materialtiefe zum Einfräsen zur Verfügung habe, bringt es mir eigentlich nichts, wenn ich das bei dem einen Teil ausnutze, oder? Nach meine technischen Verständnis müsste hier das Prinzip „Eine Kette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied“ gelten? Soll heißen: Wenn diese Eckverbindung überbelastet wird, dann wird wohl die Seite mit der geringen Dübeltiefe/Leimfläche zuerst nachgeben - die andere Seite bringt dann erst recht nichts.
 

willyy

ww-robinie
Registriert
19. Oktober 2020
Beiträge
3.469
Ort
Pfaffenhofen (Ilm)
an der Stabilität wird es nichts bringen, da hast Du Recht, aber wenn Du sonst die Dominos kürzen müsstest, bringt es Arbeitsersparnis, wenn sie im ganzen reinpassen.
Außer Du hast eine Bandsäge, da geht auch kürzen schnell und sicher.
 

Holzfummler

ww-robinie
Registriert
16. Januar 2013
Beiträge
2.543
Ort
Berlin
Moin Mtrp,
viel Spaß mit der DF500.
Ansich wurde ja fast alles gesagt, aber nur fast.
Auch als Hobbyist ist die Zeit knapp und sollte gut genutzt werden, da macht Maschineneinsatz Sinn.
Was ich bei mir selbst bedauere, ist, daß ich fast garnicht mehr zum Fuchsschwanz, Japansäge oder Stemmeisen greife und auf traditionelle Art Holzverbindungen herstelle.
Vielleicht ist es aber eine Alternative zur DF700, Schlitz/Zapfen bei größeren Projekten per Hand herzustellen.
LG
Thomas
 

MTrp

ww-robinie
Registriert
5. Oktober 2018
Beiträge
1.178
Ort
Bezirk St. Pölten
Für alle, die gerne mal einen der beiden Entwickler der Festool-Domino sehen/hören möchten und was er so aus dem Nähkästchen zu erzählen hat:

 
Oben Unten