Einseitig Furnieren

lunateide

ww-robinie
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Hallo Woodworker,

wenn ich eine kleine Leimholzplatte einseitig furniere, verwirft sich das Holz.
Soweit klar.

Wenn ich aber z.B. auf Siebdruckplatten unterschiedlicher Größe doppelseitiges Klebeband vollflächig aufbringe , um Schleifleinen zu befestigen, passiert nichts.

Warum ist das so? Fragen, auf die ich keine Antwort finde.

1. Ist es die enseitige Feuchtigkeit durch den Leim (Weißleim)?

2. Wäre das Ergebnis anders, wenn einseitig Sprühkleber benutzt wird?

3. Was würde passieren, wenn eine Seite furniert, die andere Seite jedoch nur angefeuchtet wird?

4. Was passiert bei beidseitig furniertem Leimholz, wenn nach dem Pressen und langem Trocknen das Furnier auf einer Seite entfernt wird (hobeln, schleifen).

5. Gibt es überhaupt eine Möglichkeit einseitigen Furnierens?

Vielen Dank allen, die sich mit diesem Thema Antworten haben.

Gruß
Roland
 

Hamburger Jung

ww-robinie
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Da das Furnier ja auch Holz ist, Quillt und Schwindet es. Dadurch verzieht sich die Platte. Bei Schleifleinen ist das wahrscheinlich nicht so. Außerdem macht das doppelseitige Klebeband mit und wirkt wie ein Puffer.
Bei Sprühkleber wird es genau so sein.
Bei Furnier hast Du immer das Problem, das es bei einer Änderung der Klimatischen Bedingungen zu Dimensionsänderungen kommt. Dadurch wird eine einseitig furnierte Platte immer bauchig oder hohl. Ich Hoffests Dir mit der Antwort geholfen ist.
 

yoghurt

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Hallo,
ergänzend zu @Hamburger Jung :
Die Leimfuge, egal ob Weißleim oder Kondensationsharzleim (Kaurit) behindert die Feuchtigkeitsaufnahme auf der furnierten Seite des Werkstücks. Insofern nimmt das Werkstück von beiden Seiten unterschiedlich schnell Wasser auf oder gibt es ab. Das führt zu Verformungen, auch unabhängig vom Prozess des Furnierens.

Ausnahmen bzw. "machbares":
Die blinde Seite mit Gegenzugpapier beleimen.
Wenn das Werkstück eine kleine Fläche hat, gehalten wird und selbst sehr formstabil ist (hatt früher Kollegen, die haben 30mm MPX einseitig mit HPL beklebt.
Für Dich wahrscheinlich relevant: Kleine Schatullen kann man ebenso einseitig von außen furnieren wie Lautsprecher.
 

Keilzink

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In diesem Zusammenhang vielleicht auch interessant: Möbel aus dem Biedermeier zB und noch bis 1910 oder 20 wurden fast nie gegenfurniert - jedenfalls nicht aus konstruktiven Gründen. Da wurde das Furnier auf Tanne oder Fichte, manchmal auch Eiche (Vollholz) furniert und rein gar nichts ist passiert. Heutzutage sieht das anders aus. Nach der Ansicht von Experten hat das mit den unterschiedlichen Leimverfahren zu tun: damals Knochenleim, heute Weißleim. Beim Weißleim dringt der Leim oberflächlich in die Holzporen ein, gibt sein Wasser ans Holz ab und härtet dadurch aus. Dabei kann Verzug entstehen. Der Knochenleim gibt kaum Wasser ab, er geliert beim Erkalten. Innerhalb von ca 30 Minuten kann man schon auszwingen (aber die Fuge ist erst nach rund 12 Stunden voll belastbar). Und auch die Temperaturunterschiede sind dabei gering, denn das Holz wurde vor dem Furnieren annähernd auf dieselbe Temperatur gebracht wie der Leim (Stichwort: Leimofen). Anscheinend konnte so ein Verziehen zuverlässig verhindert werden.
 
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