Dielen auf alten Dielen verlegen

hhmunich

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Hallo,

wir möchten Holzdielen auf einen vorhandenen Holzboden (Rauhspundbretter aus den 30er Jahren) verlegen. Der alte Boden ist direkt auf die Holzbalken genagelt. Wir haben den alten Boden bereits plan geschliffen und wollen die neuen Dielen, Pitchpine 22 mm Systemdielen mit umlaufender Nut und Feder, jetzt darauf verlegen. Es sind jetzt noch zwei Fragen offen die uns bisher noch keiner so richtig beantworten konnte.

1) Verlegt man die Dielen besser parallel zu den vorhandenen alten Dielen oder quer dazu? Da der alte Boden zwischenden Trägerbalken leicht schwingt, sind wir bisher davon ausgegangen ihn aus Stabilitätsgründen parallel zu verlegen, haben aber jetzt auch schon andere Meinungen gehört.

2) Verwendet man eine Unterlage auf dem alten Boden oder direkt darauf schrauben?

Nachdem wir jetzt am Wochenende die Dielen geliefert bekommen, wird der Bedarf nach Klärung dieser Fragen dringender und wir sind dankbar über fundierte Antworten.

HHmunich
 

Norbert

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Hallo HHmunich,

bevor Du Deinen neuen Boden verlegst, solltest Du durch Begehen feststellen, ob der Unterboden irgendwo knarrt. Dort solltest Du die alten Dielen nochmals fest an die Balken schrauben, und zwar so, daß die Bretter auch wirklich fest angezogen werden, d.h. entweder mit Vorbohren durch die Bretter oder mit Schrauben, deren glatter Schaft so lang ist, wie die Bretter dick sind. Am besten Beides.

Zur Verlegerichtung: ich würde sie quer zur alten Lage wählen. Begründung: bei Parallellage wirkt die Lastverteilung in Richtung der alten Bretter, was zwei aufeinander reibende Schichten verursacht. Bei Querverlegung verteilt sich die Last auf mehrere Unterbretter, wodurch die Durchbiegung erheblich reduziert wird. Denke einfach mal an Stühle, deren Sitzbespannung gleichgerichtet oder geflochten ist. Außerdem übertragen sich veränderliche Fugenbreiten des Unterbodens bei paralleler Ausrichtung leicht auf die Deckschicht.

Zur zweiten Frage: ich würde bei ebenem Unterboden allenfalls eine dünne Unterlage verwenden, damit eine gleichmäßigere Lastverteilung ermöglicht wird . Weil sich das Holz beim Arbeiten immer dem harten Schraubenschaft fügen muß, sehe ich aber auch kein Problem darin, die Bretter direkt aufeinander zu schrauben.

Zur Verschraubung des neuen Bodens siehe meine Skizze in einem Beitrag zum Strang https://www.woodworker.de/forum/schuppenwand-nut-feder-brettern-verkleiden-t13520.html

Gruß

Norbert
 

hhmunich

ww-pappel
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Entscheidungshilfe

Hallo Norbert,

vielen Dank für die ausführlichen Antworten und vor allem die plausiblen Begründungen. Wir werden die Dielen jetzt quer zur alten Richtung verlegen.

Da wir den alten Boden auch nicht 100%ig eben bekommen haben ist das sicherlich auch unter diesem Aspekt die bessere Variante.

Den alten Boden werden wir auch nochmal auf knarrende Dielen hin abklopfen!

Du warst uns eine wertvolle Entscheidungshilfe. Freuen uns schon aufs verlgen der Dielen.

Gruß,

HHmunich
 

toby250375

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also,das knarren durch schrauben abzustellen ist nicht eben einfach.
Wir haben es bei uns mit der Vorbohrlösung versucht,was auch eine Zeit lang geholfen hat,dann aber doch wieder nachliess.
Ich bin mir nicht sicher,glaube aber nach einiger zeit erkannt zu haben woher das Problem rührte:
Wir haben eine Fichten oder Tannediele als bodenbelag,auch aus den 30er Jahren,wenn man darauf läuft,kommt richtig bewegung in den Boden;temperaturschwankungen mit den Jahreszeiten tun ein Übriges.
Da Nadelholz sehr weich ist,denke ich es wird so sein,das das Arbeitende holz sich teilweis so strake gegen die schraubenköpfe bewegt hat,das der ins holz versenkte schraubenkopf das holz noch weiter gestucht hat,also nicht mehr fest aufliegt,sondern dem Holz Spielraum gibt.
Ich vermute das daher mein Boden nun doch wieder knarrt.
Allerdings ist mir bisher keine Lösung für dieses Problem eingefallen,ausser das Charmante Knarren hinzunehmen...irgendwo gehört das ja auch zu einem Holzboden dazu...
gruss,Toby
 

Simb05

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Hallo Toby.
Holz arbeitet nicht in Abhänigkeit von der Temperatur, sonder in Abhänigkeit von der Luftfeuchtigkeit.
Moin moin simb05
 

Tobsinn1

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Wenn es dein Höhe zulässt würd ich OSB-Platten verlegen und darauf die Dielen.
Damit hab ich bisher die beste Erfahrung gemacht. Das Problem ist halt das es manchmal nicht geht wegen der Höhe.

Frohes Schaffen!

Tobias
 

Unregistriert

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Hallo Simb05,
Holz arbeitet sehr wohl in Abhaengigkeit der Temperatur, denn die sich einstellende Holzausgleichsfeuchte (beim Schwind- Quellvorgang) ist abhaengig von sowohl Luftfeuchte als auch Temperatur.
 

Glismann

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Wo hast Du das denn her?
Feuchtigkeit ist klar.
aber Temperatur?
Klar ist die Luftfeuchte abhängig von der Tem.
Aber auf reine tem.Unterschiede reagiert Holz nicht
 

Calimero

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Hallo Glismann!

Die Ausgleichsfeuchte, die Holz bei bestimmten Bedingungen annimmt, ist sehr wohl abhängig von der Temperatur und der rel. Luftfeuchte!

Schon mal was von Keylwerth-Diagramm gehört? Wenn nicht, dann schau dir mal den Anhang an.
Beispiel: rel. Feuchte = 50%
Temperatur = 20°C => Holzausgleichsfeuchte von 9%

rel. Feuchte = 50%
Temperatur = 60°C => sich einstellende Holzfeuchte von 6,5%

Gruß, martin
 

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Simb05

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Hallo unregistriert und Calimero.
Glismann hat in der Schule besser aufgepasst. Wenn du die Temperatur änderst veränderst du die relative Luftfeuchtigkeit, hälst du die Luftfeuchtigkeit bei Temperaturerhöhung musst du Feuchtigkeit zuführen. Dann änders sich auch die Holzfeuchte aber doch durch Aufnahme oder Abgabe von Wasser und nicht durch Aufnahme oder Abgabe von Wärme. Relative Feuchte ist also deswegen relativ weil sie abhänig von der Temperatur ist .
Moin moin simb05
 

Calimero

ww-kastanie
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@ simb05

klar hängt die Luftfeuchte von der Temperatur ab. Richtig ausgedrückt, steigt bei Temperaturerhöhung der Sättigungsdampfdruck, sprich der maximal zu dieser Temperatur aufzunehmende Partialdruck. Daraus resultiert ein Abfall der rel. Luftfeuchte, da die sich prozentual auf den Sättigungsdampfdruck(der gestiegen ist) bezieht.

Auf die Aussage von Glismann zurückzukommen: "Aber auf reine tem.Unterschiede reagiert Holz nicht"
Das interpetiere ich doch so, dass die rel. Feuchte konstant bleibt und die temperatur geändert wird...

gruß
 

toby250375

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Öhem,ich hatte nur darauf hinweisen wollen ,das Holz eben arbeitet...wieso wird denn da auf einmal ein Kampf darum geführt ob es nun wegen feuchtigkeit oder temperatur arbeitet??
Das beides in engem Zusammenhang steht ist doch wohl klar,das ich mich als Laie Laienhaft ausgedrückt habe auch,und das Holz eben ein arbeitender Stoff ist,und in einer Holzdecke bei Belastung eh immer Bewegung ist ,ist bisher auch unumstritten,oder?
Wichtiger für den Fragensteller (und evtl auch mich) ist doch die frage,wie verhindert man die negativen Auswirkungen dieses Bewegungseffektes,ohne gleich den ganzen Boden abzubauen....oder muss man sich beim Holzboden einfach mit der knatscherei abfinden?
gruss,Toby
 

Calimero

ww-kastanie
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@toby

ja hast recht, doch die Rechtfertigung musste einfach sein.

Man wird das Knarren nie komplett vermeiden können, doch durch gewisse Maßnahmen das ganze etwas abschwächen.
1. vor Verlegen der Dielen, diese in den zu verlegenden Raum legen. Sollte die Dielen verpackt sein, dann gegebenenfalles die Verpackung öffnen und die Dielen vielleicht sogar etwas verteilen. Somit können sich die Dielen den im Raum verherrschenden Klima anpassen.
2. die rechte Seite(kernzugewandte Seite) nach oben. Aber genau da beißt sich die Katze in den Schwanz. Auf der rechten Seite können sich durch Alterung und Austrocknung die harten Jahrringe von den weichen an den auslaufenden Fladerspitzen lösen. Das Holz kann splittern und an der Oberfläche reißen.
Doch die rechte Seite hat den Vorteil, dass sich die Diele nicht schüsselt, somit auch keine Beanspruchung der Verschraubung/Vernagelung auf Ausziehen entsteht. Sollte die linke Seite oben sein, stehen die Dielen an der gespundeten Fuge auf, und bei Belastung der Fuge durch "gehen von Personen" kann es zum Knarren kommen.

Das sind rein meine Vermutungen, höre auch gerne Kritik dazu.

Gruß, marti
 

toby250375

ww-esche
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Hallo Marti....
deine Anleitung ist ja schön und gut...aber die Problematik ist kein zu verlegender Boden,sondern die Vorbereitung eines bereits verlegten Bodens....also eben diele auf diele,oder von mir aus auch Laminat auf diele....und hier liegt eben der Hase im Pfeffer...wen man den alten Dielenboden nicht knatschfrei machen kann,dann wird der darüber gelegte Boden auch immer knarren.....
Wie schon beschrieben,haben wir bei uns versucht den Boden zu verschrauben,was nur kurze Zeit half,hier aber bereits als Lösung des Problems vorgeschlagen wurde.....
gruss,Toby
P.s.:ich habe den thread ja nicht gestellt,ob der ursprüngliche Frager überhaupt noch mitliest,ist ja auch schon fraglich...und bei mir ist der Boden nur geschliffen und versiegelt worden,daher könnte ich gegen das Knarren noch was Unternehmen,wenn es ein vielversprechendes Patent gibt.Ist der alte Boden aber erst einmal unter dem neuen Verschwunden,wie bei hhmunich ja geplant, ist da ja nix mehr zu wollen....
 
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