Beschichtung bei Wendeplatten

Arkhan1806

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Moin moin,

ich hab mal wider ne Frage: :emoji_slight_smile:
Ich kaufe mir mittlerweile nahezu alle neuen Werkzeuge mit Wendeplatten, ist insgesamt deutlich günstiger. Soweit so gut.
Vor kurzem hab ich mir für die CNC einen Planfräser gekauft (Bayerwald NeoTwister 35mm). Mit dem Werkzeug bin ich super zufrieden, es tut genau das, was ich mir vorstelle. Jetzt sind da von Werk aus schön goldene, TiN-beschichtete Wendeplatten drauf. Die haben 10,5x10,5 mm (Ja, Bayerwald behauptet, die haben nur 10x10mm, das ist falsch), ich hab da also ne große Auswahl bei verschiedensten Herstellern.

So, jetzt die eigentliche Frage:
10 Platten mit Beschichtung von Bayerwald kosten 40€, 10 unbeschichtete Platten aus T04F gibt's für um die 30€.
Wie viel bringen diese Beschichtungen nun? Lohnen sich die 33% Aufpreis, hab ich also auch entsprechend mehr Standzeit?


Irgendwie rufen diese Beschichtungen bei mir immer so ein dumpfes Gefühl von "Schwurbel" hervor. Andererseits ist das ja schon ein großes Ding (v.A. in der Metallbearbeitung. Und wenn so eine Beschichtung z.B. Harzanhaftungen verringern würde, könnte das ja viel bringen.
 

Seanathair

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TiN Beschichtungen sind meines Wissens nur bei der Metallbearbeitung von Vorteil. Erhöhung der Verschleißfestigkeit und Verringerung der Reibung.
 

rafikus

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Hartmetallplatten werden, meines wissens nach, speziell für die Metallbearbeitung entwickelt. Dort geht es, bei definiertem Werkstoff, um größte Standzeit bei höchsten Bearbeitungsgeschwindigkeiten.
Bei Holz dürfte eher die eigentliche Schäfte der Schneide eine Rolle spielen, als die oberflächenbeschichtung.
 

Schamass

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Beschichtungen erhöhen durch ihre extreme Härte die Abriebsfestigkeit der Schneidflächen erheblich, ebenfalls verringern sie das Risiko von Anhaftungen. Allerdings nehmen sie einer Schneide auch das letzte Quäntchen an Schärfe, weil sich die Beschichtung auch um die Schneidkante "legt".
Wie bereits erwähnt, werden Beschichtungen sehr viel im Metallbereich eingesetzt - in wie weit gerade eine TiN Beschichtung im Holzbereich sinnvoll ist, kann ich nicht beurteilen. Es gibt ja noch etliche andere Beschichtungsarten (DLC, TiAlN,...) - vielleicht ist da was dabei, was speziell für Holz geeignet ist?
Müsste man mal eruieren...
 

wirdelprumpft

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Was wird hauptsächlich gefräst und wieviel Päckchen in der Woche werden verbraucht ?
Ein Päckchen sind 12 x "Fräserschärfen" also grob 3 Euro zu 2,25 Euro
Gefühlt bringen die Beschichtungen auf Fräsern ein bischen was, könnte das aber nicht in lfm beziffern.
Bei Massivholz wird das vermutlich kaum ein unterschied machen. Bei Plattenwerkstoff könnte es mehr bringen aber da nehm ich Dia-Fräser
 

Martin45

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Aus der Praxis finde ich den Unterschied zwischen billigen und hochwertigen HSS Bohrern größer als von unbeschichteten zu den Titan beschichteten.
Bei der Beschichtung dasselbe. Da gibt es richtig gute und Schrott.
Bei den WP habe ich leider zu wenig Erfahrung.

Probier es doch aus. Das Risiko ist doch deutlich unter 30 Euro.
 

SebastianThiel

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Hallo,

du brauchst für Holz polierte Wechselplatten, die speziell für die Aluminium Bearbeitung ausgewiesen sind (oft steht auch bei für Kunststoffe und NE Metalle)
Die sind wirklich scharf wie HSS aber halten sehr lange.
Ich habe damit beim Drechseln und auf der Drehbank die besten Ergebnisse gehabt.
Die Wechselplatten für Metall / Guss Bearbeitung haben im Prinzip keine Schärfe, da absichtlich nicht scharf geschliffen, damit es keine Ausbrüche gibt.

Beschichtete Platten sind auch nicht schärfer.
 
Zuletzt bearbeitet:

Arkhan1806

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Cool, danke für die Antworten!
Was denn Verbrauch angeht, hält bei mir ne 10er-Packung fünf Jahre. :emoji_slight_smile:
Mir gibt's bei der Frage v.A. nicht darum, Geld zu sparen, sondern darum, was zu lernen und die Thematik besser zu verstehen.

Ich schließe für mich jetzt daraus, dass die Beschichtung im Holzbereich nicht soo relevant ist, der Schneidstoff einer Platte/eines Fräsers (HSS, T02, T04, etc ) dagegen ist durchaus relevant.
Also kaufe ich in Zukunft wohl weiterhin unbeschichtete Platten aus T04, die sind ganz gut für Massivholz und bezahlbar... :emoji_slight_smile:

Danke euch!
 

carsten

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Hallo

also ich hab als Schreiner in 30 Jahren weder beschichtet noch polierte Schneiden für Holz eingesetzt. Polierte mal für Plexiglas, da macht das Sinn. ABER als Schneiden in einem Planfräser also zum eher groben Vorarbeiten: Perlen vor die Säue.

Ob die Beschichtung gegen Harzanlagerungen hilft weiß ich nicht. Hab aber noch nie von einem Schärfdienst beschichtete Messer angeboten bekommen und auch bei Zimmereien die viel bzw fast nur harzhaltige Nadelhölzer verarbeiten noch nie sowas gesehen.

Was gegen Harz hilft sind Harzlöser, Backofenspray oder Aceton und ne alte Zahnbürste.
 

Uranus

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TiN Beschichtungen machen für WSP im Holzbereich absolut keinen Sinn, diese sind nur für Zugfestigkeiten ab 900N/mm² vorgesehen. WSP im Metallbereich haben erstens ganz andere Schnittgeometrien und die Zusammensetzung des gesinnterten Materials ist auch völlig anders. Bei WSP kommt es manchmal auch auf Bruchfestigkeit an, oder eben auf die Härte, v.a. wenn man unterbrochene Schnitte hat oder zähe Materialien.

Im Holzbereich werden typischerweise steile Schnittwinkel ohne Spanbrecher und Hinterschliffe verwendet. Polierte WSP setzt man nur für weiche NE-Metalle ein, also Alu, Kupfer usw. Das hat den Vorteil, dass zB Alu nicht an den WSP kleben bleibt, was die Schnittgüte sonst total ruiniert. Man kann sie durchaus im Holzbereich einsetzen, aber dafür sind sie halt zu teuer.

Typischerweise liegen WSP im Metallbereich bei mindestens Iso P 10 oder 20, im Holzbereich vielleicht Iso K. Das weiß ich aber nicht, weil das selten wie nie angegeben wird.
 

SebastianThiel

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Wendeschneidplatten, wie der Themenhersteller und ich sie meinen, werden nicht nach geschliffen bzw. geschärft - jedenfalls nicht von Dienstleistern.
Man kann diese allerdings selber nachschärfen.

Von was für Schneidplatten redest du denn? Ich schätze nicht von denen, die wir meinen.

Die von mir und dem Themenhersteller gemeinten, kommen aus der "CNC-Branche".

Einige dieser dort typischen Wechselplatten, finden immer häufiger Anwendung im Handwerk Holz.
Seien es als Bestückung in Hobelwellen, Planfräsern oder zb. auch in Drechselwerkzeugen.

Mit denen, die du seit xx Jahren in zb. Bündigfräsern kennst, reden wir nicht.


Ich benutze mind. 4 verschiedene WSP mit polierter Oberfläche und aggressiven Schnitt (für Aluminium / Kunststoffe bestimmt) für Holz.
Die halten sich extrem lange scharf und kosten nicht viel.
Man kann wirklich viele dieser WSP für Anwendungen für Holz benutzen.

Siehe moderne Hobelwellen von Abrichten / Dickenhobeln.
 
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