Alte Kommode: Bitte um Einschätzung (die erste)

NeuWäller

ww-ahorn
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Hallo zusammen,

meine Frage geht an diejenigen unter euch, die sich mit alten Möbeln auskennen.
Ein Bekannter hat 2 alte Möbelstücke geerbt, eine Kommode und eine Truhe. Hier soll es um die Kommode gehen, für die Truhe mache ich einen eigenen Faden auf.
Als vor langer Zeit mal gelernter Tischler wurde ich nun nach einer Einschätzung zu Alter und Wert gefragt - die kann ich aber nicht liefern. Ich sehe Eichenholz und Nadelholz, sehe Rahmen mit Füllungen, Schlitz und Zapfen mit Holznägeln, handgezinkte Schubkästen mit massiven Böden, und eine Bemalung. All das sagt mir, dass das Möbel durchaus älter sein muss, aber wie alt? Ist das wertvoll oder nachgemacht?
Könntet ihr euch die Fotos mal ansehen und eine Einschätzung zu Alter und Zustand abgeben? Es geht nicht um eine Aufarbeitung, eher um Behalten oder nicht. Wenn mein Bekannter keinen Platz dafür findet und die Kommode verkaufen möchte: Welchen Preis könnte er ansetzen?
Vielen Dank schonmal!

Gruß, Robert IMG-20200801-WA0001.jpg IMG-20200801-WA0002.jpg IMG-20200801-WA0004.jpg IMG-20200801-WA0005.jpg IMG-20200801-WA0006.jpg IMG-20200801-WA0010.jpg IMG-20200801-WA0013.jpg IMG-20200801-WA0017.jpg IMG-20200801-WA0020.jpg IMG-20200801-WA0022.jpg IMG-20200801-WA0023.jpg IMG-20200801-WA0028.jpg
 

Holzsinn

ww-robinie
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Diese Kommode ist deutlich älter als die andere (die Zweite), die gebeilte Rückwand und die Holznägel weisen darauf hin.
Wann sie bemalt wurde, kann ich nicht sagen und wieviel wert sie ist, genauso wenig. Grundsätzlich lassen sich solche Sachen nur an Liebhaber verkaufen und erzielen z.Zt. auch keinen besonders hohen Wert.

Melanie
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welaloba

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Das Möbel kommt auf den ersten Blick wie Louis Seize um 1790 daher, kann aber auch gefakt sein. Die Bemalung und die neuen Beschläge machen das Teil ziemlich wertlos.
Gruß Werner
 

marcus_n

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Hallo erstmal zusammen.
Willkommen zu meinem allerersten Beitrag. Ich bin mal so frei und frech: Sowohl die Truhe, als auch die Kommode sind meiner Meinung nach nicht echt. Einen zweiten Beitrag hätte man sich also sparen können.
Bei Bild fünf sieht man sehr schön, dass der senkrechte Rahmen mit den Holznägeln überhaupt nicht mit der Ziehrleiste und der waagrechten Deckplatte zusammen passt. Das ist nachträglich zusammengeschustert worden. Platte und Leiste sind abgenutzt, der Rahmen schön säuberlich mit der Tischkreissäge abgelängt. Perfekt rechtwinklig. Auf dem Bild davor: Kein Schreiner, noch so unbegabt, würde so lieblos einen Fuß überpinseln. Die Bemalung ist bewusst rustikal gehalten. In der Malerei würde man so etwas Art Brut nennen. So rauh und roh wie das ist. Das ist auf alt gemacht. Die Rückwand: Rückwände, noch dazu aus Kiefer, Fichte (?) hat man damals nicht noch extra in schwarzbraun gebeizt oder lasiert. Viel zuviel Arbeit. Da guckt ja keiner hin, weil es an der Wand steht. Die Beschläge sind frisch. Die Front passt optisch nicht zu den Seitenteilen und der Rückwand. Die Zinken sind bewusst unregelmässig gesetzt. Wäre das ein altes Möbel, hätte der Tischler die Holznägel geschnitzt. Dann sind die eher viereckig als rund.
Für mich sieht das aus wie siebziger, achtziger Jahre, als man aus kaputten Möbeln was Neues gebastelt hat. Holz alt, der Rest neu.

Die Truhe ist retro aufgearbeitet oder neu gemacht. So eine Rennaisance Truhe von XXL Lutz, so ungefähr. Diese Kreuzüberblattung ist untypisch. Die Front mit Maschinen hergestellt. Da hört man ja förmlich noch die Fräse. Und die Beschläge sind doch niegelnagelneu. Beim Blick von oben: die Nut und Federverbindung am Eck. Das ist nicht alt.
Sollte ich mich irren, bitte ich vielmals um Entschuldigung und verspreche auch in Zukunft fleissig dazuzulernen. Aber das hat mich jetzt dermassen in den Fingern gejuckt, dass ich mich dafür extra anmelden musste. Schönen Sonntag noch. Und nix für ungut.
Gruß Marcus
 

NeuWäller

ww-ahorn
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Sollte ich mich irren, bitte ich vielmals um Entschuldigung und verspreche auch in Zukunft fleissig dazuzulernen. Aber das hat mich jetzt dermassen in den Fingern gejuckt, dass ich mich dafür extra anmelden musste. Schönen Sonntag noch. Und nix für ungut.
Gruß Marcus
Hallo Marcus, alles gut, ich kann mit deiner Meinung gut leben, zumal du sie ausführlich begründest. Vielen Dank für deine Mühe. Die Möbel gehören mir ja nicht, ich will sie weder aufstellen noch veräußern; ob du dich irrst, können andere sicher besser beurteilen, für mich argumentierst du schlüssig. Darf ich fragen, ob du vom Fach bist und öfter mit wirklich alten Möbeln zu tun hast?

Gruß, Robert
 

marcus_n

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Hallo Robert, ich bin nicht vom Fach, aber ich habe eine zeitlang Stühle aufgearbeitet als Hobby, und Kunstgeschichte und Kommunikationsdesign studiert. Da bin ich ein klein wenig sensibilisiert. Und mir wurde früher schon öfter versucht so Originale anzudrehen. Deswegen bin ich da emotional ein wenig sensibel. Ich fände es aber sehr spannend, wenn Melanie oder Welaloba mir das Gegenteil aufzeigen könnten. Ich glaub aber trotzdem das die beiden Möbel irgendwann zwischen siebziger und neunziger entstanden sind. Es gab und gibt da eine riesen Industrie die lange schon davon lebt. In Deutschland speziell die Bauernmöbel. Da wurde mehr "Originale" auf dem Markt angeboten als es Bauernhöfe gab. Ich hab auch in Spanien und Rumänien Manufakturen gesehen. Die stellen sich ein Original in die Werkstatt und dann wird wöchentlich eine Kopie nachgebaut.
Nix für ungut. Marcus

P.S. Witzig bei Bild Fünf. Da sieht man sogar noch die Bleistiftstriche am Rahmen. Sowas hab ich bei einem alten Möbel aus Biedermeier, Barock, Art Deco o. Ä. noch nie gesehen.
 
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Hondo6566

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Hallo Marcus,
ich teile deine Ansicht nicht. Wir wissen ja gar nichts was die Geschichte des Möbels angeht. Aber die Beschläge und die regelmäßig geformten Holznägel sind für mich ein Indiz dass die Kommode irgendwann von einem Schreiner/Tischler renoviert wurde, und dabei auch Holzteile wohl ausgetauscht wurden. Das war warscheinlich auch der Zeitpunkt wo die m.E. scheussliche Bemalung auf das Möbel kam. Und dass bei nicht-Sichtteilen wie Schubladen innen etc. minderwertiges Holz oder andere Sorten verwendet wurden ist auch Zeittypisch.
Die Färbung der Rückwand könnte z.B. auch daher rühren dass das Möbel in einer Küche stand und Rauch abbekommen hat. Ich sehe hier keine Beize auf dem Holz.
Zeitlich würde ich es auf die frühe Biedermeier-Zeit einordnen.
Wenn die Farbe runter ist, die Griffbeschläge weg sind, kann das ein ganz ansehnliches Möbel sein das mir gefallen würde. Denn ich denke ursprünglich gab es wohl nur ein Schlüsselschild und die Schubladen wurden am Schlüssel aufgezogen. Was auch typisch für diese Zeit wäre.
 

marcus_n

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Danke für deine Meinung Hondo. Oder soll ich sagen John Wayne? :emoji_slight_smile: Ich muss ja noch viel lernen. Aber warum sollte ein Schreiner alle Holznägel austauschen bei einer Renovierung? Ein zwei Nägel o.k. Aber alle? Restaurierung war es ja wohl nicht. Beim Rahmen sind übrigens zwei verschiedene Hölzer verwendet worden. Komisch. Bei der Truhe ist der Boden übrigens quer ausgelegt. Das hat man früher längs gemacht. Und ich glaub das ist Baumarkt-Holz. Und die Schubladenleisten im Korpus sind neuer als die Schubladen. Da passt was nicht. Lieben Gruß Marcus.
 

Hondo6566

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Die Schubladenleisten nennen sich Laufleisten, und bei einer Restaurierung werden die i.d.R. ausgetauscht da diese aus Weichholz normal sind und sich ablaufen sollen (und nicht das Holz der Schublade welches schwieriger zum Austauschen wäre).

Das hat man früher längs gemacht.
Bitte behaupte sowas nicht einfach wenn du es nicht belegen kannst. Ich kenne es eigentlich aus der Praxis nur quer.
 

marcus_n

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Entschuldige, ich wollte nicht vorpreschen, aber ich habe sicherlich dreissig Schränke und Kommoden aufgearbeitet. Da waren alle Böden längs. Und ich weiss wie man Laufleisten austauscht. Das passt trotzdem nicht. Aber ich bin zu übermütig und halte mich ab jetzt raus. Sorry. Alles gut.
 

Hondo6566

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OK hab das was falsch verstanden, ich dachte an den Boden der Schublade, nicht an den Boden des Möbels an sich. Von welcher Truhe redest du denn ständig? Ich sehe hier nur Bilder von einer Kommode.
 

NeuWäller

ww-ahorn
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OK hab das was falsch verstanden, ich dachte an den Boden der Schublade, nicht an den Boden des Möbels an sich. Von welcher Truhe redest du denn ständig? Ich sehe hier nur Bilder von einer Kommode.
Von der Truhe in dem anderen Faden. Um genau diese Verwechslungen zu vermeiden, habe ich für 2 Möbel 2 Themen aufgemacht.
 

marcus_n

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Entschuldige. Es gibt einen Beitrag über die Kommode und einen über eine schpanische Truhe. Ich hab aus Faulheit beides in einem vereint. Mea Culpa Maxima. Ich mag das ja auch nicht schlecht reden. Aber es gibt eben so Beispiele, die schreien einen förmlich an, und da hat man ein ganz komisches Gefühl. Da sind bei der Kommode so Stellen, die sind angepinselt und dann abgeschliffen oder mit der Drahtbürste abgeschruppt. Das ist wie aus dem Lehrbuch für Fälscher. Fast schon zu auffällig. Bei der Truhe, der Blick von oben. Mama mia. Ich kenne eine Schreinerei, die bauen so ihre Transportkisten. Aber wie gesagt, wenn ich falsch liege, lass ich mich gern überzeugen, weil keiner Alles weiss. Beste Grüße Marcus.
 

welaloba

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Moin, ehrlich gesagt könnte ich zu dieser Kommode was seriöses nur sagen, wenn ich sie vor mir auf dem Tisch habe. Alles andere ist doch Stochern im Kaffeesatz. Lasst es mal gut sein. Gruss Werner
 

Besserwisser

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Ich maße mir da kein Urteil an.
Klar ist aber, dass die Schlösser wirklich alt sind, 19.Jhd oder älter.
So Bemalung habe ich auch schon gesehen, ich glaube Alpenraum. Wurde in den 70er gern runter gebeizt.
 

derdad

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P.S. Witzig bei Bild Fünf. Da sieht man sogar noch die Bleistiftstriche am Rahmen. Sowas hab ich bei einem alten Möbel aus Biedermeier, Barock, Art Deco o. Ä. noch nie gesehen.
Gerade bei alten bis sehr alten Möbeln findet man häufig Striche und Schriftzeichen von irgendwelchem Schreibgerät. Es wurde nur an jenen Stellen gehobelt/geputzt, die später sichtbar waren. An den unsichtbaren machte man sich did Mühe nicht.
Bzgl Kunstgeschichte: hat mich immer interessiert und dann hab ich vor einigen Jahren ein paar Semester nebenbei studiert. Hab aber dann aufgehört. Es war für mich zu theoretisch. Und Möbel nur ein ganz kleiner Randbereich und Oberflächlich.
Ein studierter Kunstgeschichtler kann zwar wahrscheinlich ein equisites, höfisches Möbel "expertieren", Allerweltsmöbel sind nicht das Fach.
LG Gerhard
 

NeuWäller

ww-ahorn
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Okay, ich denke, über die Kommode und die Truhe aus dem anderen thread ist wahrscheinlich alles Wesentliche gesagt. Ich danke allen, die sich die Mühe gemacht haben, zu antworten, und werde die Erkenntnisse so weiterleiten. Der Eigentümer muss dann entscheiden, was er damit macht.
Gruß
Robert
 
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