Alte Eichentruhe mit Flecken

Dieses Thema im Forum "Neuling fragt Profi" wurde erstellt von Samstag, 22. September 2008.

  1. Samstag

    Samstag ww-pappel

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    Korntal
    Ich möchte eine alte Eichentruhe, angeblich von 1630, aus massiver Eiche, ein wenig ansehnlicher machen. Die Oberfläche, insbesondere die Füllunge haben starke Wasserflecken. Die Füße sind ziemlich abgeschossen.
    Meine Frage wäre: womit geht man an diese Flecken ran? :rolleyes:
    Der Originalcharakter soll nicht allzusehr verändert werden, meine ich.

    Ich hoffe, die Fotos sind deutlich genug. Sende sie aber auch gerne zu.
     

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  2. babayaga

    babayaga ww-ahorn

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    Hallo,

    hmmm, ich traue mich mal, bin aber kein Experte in der Beziehung und hoffe,
    dass noch ein paar Meinungen kommen.

    Also ich würde erstmal ein kleines (unauffälliges) Stück anschleifen und schauen, was für ein Holzfarbton zu erwarten ist.
    Ich denke, bei Füssen und Deckel ist ausser Schleifem nicht mehr viel zu machen.
    Dann würde ich die 'saubere' Stelle mal ölen und schauen, was das wiederrum für einen Farbton ergibt.
    Wenn der Kontrast zu den dunkleren Einbauteilen zu stark ist, würde ich versuchen das Öl etwas einzufärben mit Pigmenten.
    Das gilt jetzt primär für den Deckel, bei den Seitenteilen würde ich versuchen ums Schleifen drumrumzukommen,
    den Charakter des Stückes zu bewahren.
    Die 'Intarsien' würde ich erst mal nur versuchen mit Renuwell zu reinigen.

    Dass die Truhe wieder wie 'aus einem Guss' wirkt und trotzdem das Charisma behält wird denke eine schwierige Sache.

    Beim Schleifen sollte gelten 'weniger ist mehr', also sachte und behutsam erstmal probieren,
    als erstes an den Wasserfleckenstellen, die erscheinen mir am schlimmsten.

    Mich irritiert etwas, die sehr hellen Flecken gegenüber dem Rest der Truhe irgendwie ...,
    pinsel die mal mit Terpentin ein und schau wie stark sie nachdunkeln, das wäre dann die Farbe wenn Öl drauf käme.

    Keine große Hilfe? ich weiss ... gehe behutsam vor :emoji_wink:

    Viel Spass,
    lg Nancy
     
  3. edelres

    edelres ww-robinie

    Eichentruhe

    Hallo Samstag,

    Die Truhe ist zwischen 1750-1850 entstanden und in gutem Zustand.

    Bitte stelle ein Bild der zwei Fuellungen zwischen den Pfeilen A , ebenso die Rueckseite von A. Sowie ein Bild vom Deckel zwischen den Pfeilen, ebenso von der Rueckseite. Die Bilder sollten in einer ca 1000-1200 Pixel Bildbreite sein.

    Mach vorerst nichts weiteres an der Truhe.

    mfg

    Ottmar
     

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  4. Samstag

    Samstag ww-pappel

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    Korntal
    Hallo Nancy,
    Vielen Dank für die ausführlichen Ratschläge. Ich möchte mich vorerst nicht mit Schleifen heranwagen. Vielleicht wenn sich sonst keine Lösung ergibt.
    Grüße
    Samstag
     
  5. babayaga

    babayaga ww-ahorn

    Beiträge:
    137
    Hallo,

    > Vielleicht wenn sich sonst keine Lösung ergibt.

    ... :emoji_wink:

    Etwas besseres als Ottmar edelres(taurator) an deiner Seite zu wissen, kann dir garnicht passieren.

    Mach die gekennzeichneten Detailfotos und du bekommst professionelle Lösungs- und Denkansätze :emoji_wink:

    Bis dann,
    Nancy
     
  6. Samstag

    Samstag ww-pappel

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    Korntal
    Mach vorerst nichts weiteres an der Truhe....


    Hallo Ottmar,

    diesen Ratschlag beherzige ich gerne. Allzuleicht macht man zuviel des Guten.
    Also, hier sind ein paar Detail-Fotos. Leider haben wir hier absolut kein Foto-Wetter. Deshalb konnte ich die Fotos nur bei Kunstlicht im Haus machen. Ich meine aber, der Farbeindruck ist nicht unecht.

    Würde mich interessieren, was aus Deiner Sicht das Besondere an dieser Truhe ist? Die geschnitzten Felder in der Vorderwand sind wirklich wunderschön, nicht wahr?
    Die Holzverbindungen und einige aufgesprungene Fugen im Deckel sind von meinem Vater repariert worden; Wiederum nur Holzdübel als Verbinder! Das rechte Deckelscharnier, dessen obere Lasche im Holz eingelassen war (s. linkes Scharnier) war nicht zu retten. Deshalb der Nachbau, auf dem Bild ganz gut erkennbar.

    Der äußere Schild des Schlosses ist nachempfunden. War früher sicher aus Eisen, schwarz.

    Würde mich freuen, mehr von Dir zu hören.

    PS: die Fotos und noch weitere schicke ich Dir gerne als Zip-Datei direkt zu, wenn Du möchtest.

    Beste Grüße
    Ralf
     

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  7. edelres

    edelres ww-robinie

    Eichentruhe

    Hallo Ralf,

    Danke fuer die Bilder.

    Die Truhe, schaetze ich als in der ersten Haelfte 1700 entstanden.Mit diesen Schnitzereien(*) sind Truhen selten. Das Muster der Schnitzereien ist mir nicht bekannt, deshalb wollte ich diese etwas genauer sehen. Leider werden wirklich alte Truhen oft mit Schnitzereien "Aufgehuebscht" und in ihrem Wert vermindert. (nicht bei deiner Truhe) Die geschnitzten Fuellungen weisen die gleiche Tiefe zum Rahmen auf, als die glatten Fuellungen der Seite, dies zeigt dass die Schnitzereien nicht spaeter eingesetzt wurden.

    Die Deckelscharniere, welche aus zwei 90° versetzten Ringen bestehtehen kenne ich von Truhen aus Siebenbuergen, dem Banat, Ungarn, Rumaenien usw in welchen sich deutsche Siedler zur Zeit Maria Theresias niedergelassen hatten. In Unterfranken/Nordbayen, wurde dieser Scharniertyp nicht mehr verwendet. Bei Truhen welche nicht verschlossen wurden (Futtertruhen ohne Schloss) wurden diese Art Scharniere bis Mitte 1800 verwendet. Schon vor 1700 wurden bei Truhen verkroepfte Langbaender im fraenkischen Raum verwendet.

    Ich wuerde als erstes die Beine, verstaerken. Diees Verstaerkung fertige ich aus einem 4kant Klotz, welchen ich ca 1 cm laenger fertige und in die sich bei den Vorderbeinen befindliche Ecke leime. Dadurch werden die Fuesse entlastet.

    Als naechsten Schritt wuerde ich die Truhe nit Spuelischaum behandeln wie in folgendem Link beschrieben. Dieser Link ist nur für registrierte Mitglieder sichtbar. und nach dem Trocknen die naechsten Schritte entscheiden.

    Verwende auf keinen Fall Schleifpapier, mit einem Strich Schleifpapier sind 250 Jahre Patina/Originaloberflaeche unwiederbringlich verschwunden. Alles was an dieser Truhe angewendet wird sollte unter dem Aspekt gesehen werden dass es wieder rueckgaengig gemacht werden kann.

    Nachdem du dies ausgefuehrt hast, stelle neue Bilder ein, aus welchen die Verfaerbungen zum Originalfarbton zu sehen sind.

    Die Veraerbungen, wuerde ich mit gefaerbtem Wachs ausgleichen, dies ist eine kosmetische Loesung, welche jederzeit wieder entfernt werden kann.

    Der Zustand der Truhe ist bezogen auf das Alter sehr gut. Die Truhe laesst sich zu einem Schmuckstueck aufarbeiten.

    Z. B. Die Schnitzereien auf Truhen(Moebeln) dieser Zeit entprachen religioesen oder floralen Ornamenten. Truhen aus einer katholischen Gegend waren staerker verziert als aus lutherischen Gegenden. Die Schnitzereien aus dem weiteren Unterfranken sind mir gelaeufig, die Schnitzereien auf der Truhe sind mehr formal, vermutlich haben diese auch eine bestimmte Aussage. Dadurch dass ich diese nicht kenne soll dies nur im Zusammenhang von verlaesslichen Referenzstuecken gesehen werden.

    Als Gedankenanstoss

    mfg

    Ottmar
     
  8. Samstag

    Samstag ww-pappel

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    Korntal
    Lieber Ottmar,

    Erst einmal vielen Dank für die umfangreiche Arbeit zu meiner "Truhe mit Wasserflecken". Das sind wirklich sehr wertvolle Informationen! Und ganz besonders freut mich Deine Einstellungen, alles zu unterlassen, was nicht reversibel ist.

    Die Füsse der Truhe habe ich als erstes überprüft. Ich glaube, dass sie ausreichend stabil sind. Eine Verstärkung scheint mir momentan nicht erforderlich. Abgelagertes Eichenholz hätte ich für diesen Zweck schon.

    Die Hauptarbeit der ersten Reinigung mit Spuelischaum nehme ich in Angriff, sobald ich Zeit dazu finde. Leider beginnt jetzt der Herbst und man kann nicht mehr gut im Freien arbeiten. Aber ich werde auf jeden Fall Bilder vom Spueli-Ergebnis machen und einstellen. (Frage: ist ein direkter Mailversand an Dich sinnvoll/ moeglich/ erwuenscht oder nicht?)

    Übrigens war mein Vater, ein engagierter Bastler, sehr fleissig gewesen und hat 1980 ein wunderbares Modell im Masstab angefertigt. Hiervon will ich extra fuer Dich ein paar Bilder hochladen.

    Mal sehen, wie es weitergeht :emoji_slight_smile:
    Grueße
    Ralf
     

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  9. derdad

    derdad Moderator

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    Hallo Ralf!
    Ein direkter Mailkontakt mit Ottmar ist sicher für dich hilfreich und lehrsam. Dadurch nimmst du uns restlichen Forums Usern aber die wunderbare Gelegenheit an Ottmars Ausführungen teilzuhaben und ebenfalls davon zu profitieren.
    Um mit Ottmars Worten zu sprechen: "Als Gedankenanstoss"

    lg
    gerhard
     
  10. toby250375

    toby250375 ww-esche

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    Ahlen
    Da kann ich Gerhard nur Beipflichten, lass den Thread wenn irgend Möglich bitte Öffentlich, denn neben mir und Gerhard haben Ottmars Postings hier eine sehr grosse Fangemeinde, und wie so oft bin ich auch diesmal absolut baff, was der Ottmar wieder alles an wissenswerten Details zu deiner wunderbaren Truhe und der Zeit in der sie entstand Preis gegeben hat! Und ich bin mir sehr sehr sicher, das auch die nächsten Antworten die Ottmar dir schreiben wird, für eine Menge Leute im Forum lesenswert und Lehrreich sein werden. Ich jedenfalls freue mich schon darauf sie zu lesen.
    Gruss,Toby
     
  11. Samstag

    Samstag ww-pappel

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    Korntal
    Dies ist ganz in meinem Sinne, was Gerhard und Toby sagen!
    Ralf
     
  12. edelres

    edelres ww-robinie

    Freimaurersymbol

    Hallo Ralf & Forumsfreunde,

    Ich wusste, dass ich das Muster von irgendwo her kenne. Die ineinander geschlungenen Dreiecke(*) sind ein Zeichen der Freundschaft in der Freimaurer Bruederschaft, die Zahl 7 hat auch eine Bedeutung in ihrer Mythologie, was aus den 7 runden Punkten auf den Feldern hervorgeht.

    Ich vermute, dass diese Truhe von oder fuer einen Freimaurer gefertigt wurde. Es koennte auch eine Truhe von einer Freimaurer Loge sein. Der Eindruck wird noch durch das Fehlen eines Faches mit Deckel an einer der Innenseiten der Truhe bestaetigt. Aussteuertruhen, kenne ich nur mit einem Fach meist ein Geheimfach enthatend gefertigt.

    Ich gratuliere Deinem Vater zu der gelungenen Kopie.

    Die Verstaerkung der Fuesse habe ich nur erwaehnt, da ich aus deinen Ausfuehrungen dies annahm. Normal ist Eichenholz sehr dauerhaft, jedoch verstockt es leicht, wenn es ueber laengere Zeit auf unbefestigtem Boden (Erde) steht.

    (*) Das Wappen/Zeichen der Freimaurer ist ein auf der Spitze stehender rechter Winkel mit einem darueber gelegten Zirkel. Ineinandergeschlungene Winkel sind ein Freundschaftszeichen unter Bruedern. Auf der Truhe, fielen diese durch die Groesse der Felder bedingt in einem anderen Winkel aus.

    Ich freue mich immer wieder, wenn ein ueber die Zeit gekommenes Stueck im Originalzustand erhalten wird.

    Eines der traurigsten Beispiele in meiner Laufbahn, ist eine italienische kleine Origina Renaissancetruhe, Enstehungszeit ca 1400, mit meisterlichen Einlegearbeiten.

    In der Mitter von 1800, entstand der Wahn, Gegenstaende aufzumotzen zu muessen. Mit miserablen Messingbeschlaegen wurde diese Truhe vergewaltigt. Meisterliche Einlegearbeiten wurden mit proportionslosem speiueblem Mist erschlagen. Leider konnte ich den Eigentuemer nicht davon ueberzeugen, dem Charakter der Truhe entsprechende, der Enstehungszeit nachempfundene Beschlaege zu verwenden. Nach meiner Auffassung, war das nichtrueckgaengigmachen falsch, geradezu ein Zeichen von einem Banausen.

    Ich fuehrte die sehr aufwaendigenRestaurierungs- Arbeiten an der Truhe nach bestem Wissen und Koennen aus. Damit trug ich bei die Substanz zu erhalten. Vielleicht hat der naechste Besitzer ein Einsehen. Ich haenge ein Bild an.

    @ Gerhard & Toby, ich selbst finde es wichtig einen Fragenkomplex zu vervollstaendigen. PN benutze ich nur wenn es sich um eine fuer das Forumsziel irrelative Sache handelt.
    mfg

    Ottmar

    PS: Ich versuche hier im Forum durch mitteilen von selbst gemachten Erfahrungen zu helfen, so dass diese fuer Forumsmitglieder verstaendlich sind. Ich kann dies nicht selbst feststellen ob das was ich schreibe diesem Ziel nahekommt. Da nur in seltenen Faellen jemand antwortet ob es hilfreich war oder nicht. Ich moechte es unbedingt vermeiden hier mit Selbsgespraechen zu langweilen.
     

    Anhänge:

  13. Samstag

    Samstag ww-pappel

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    Korntal
    Lieber Ottmar,

    Ich bin wirklich begeistert, dass ich hier von einem Menschen, der mich überhaupt nicht kennt, soviel wertvolle Hinweise und Informationen bekomme. Mit Sicherheit profitieren auch viele andere Forumsteilnehmer davon. Ich möchte auf jeden Fall einen herzlichen Dank sagen!
    Gruß
    Ralf
     
  14. toby250375

    toby250375 ww-esche

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    Ort:
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    Hallo Ottmar, ich für meinen Teil kann dir nur (wieder einmal) ein grosses Lob aussprechen, denn wie oben schon erwähnt, bin ich ein grosser Fan deiner Postings.
    Was dein Ziel angeht, umfassend und allgemeinverständlich zu informieren und weiter zu helfen. so kann ich nur sagen das du diesbezüglich zumindest von mir volle 100% "Zielerreichung" bestätigt bekommst. Ich hoffe, das du dem Forum immer Treu bleibst, denn es ist tatsächlich gerade für einen Laien immer wieder toll, nicht nur knapp eine Frage beantwortet zu bekommen, sondern auch etwas über den background zu erfahren , der zu der gegebenen Antwort führte.
    Absolut super. Gerade was den oft in deinen Postings enthaltenen "Geschichtsunterricht" und die erklärungen alter Handwerkstechniken angeht, kann ich nur sagen: danke, das du dir immer wieder die Zeit nimmst derart Umfassend und Ausführlich zu antworten. So was hat man selten und kann es gar nicht hoch genug schätzen!
    Gruss, Toby
     
  15. hemmi1953

    hemmi1953 ww-robinie

    Beiträge:
    841
    Hallo Ottmar,

    wir würden sogar deinen "Selbstgesprächen" stundenlang zuhören! :emoji_wink:

    Gruß Christof
     
  16. yoghurt

    yoghurt Moderator Mitarbeiter

    Beiträge:
    5.685
    Ort:
    Berlin
    Dito! (Aber das weißt Du ja!) Gruß Heiko
     
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