Tipps zum Aufarbeiten, Flohmarktfund

flüsterholz

ww-robinie
Registriert
18. Juli 2022
Beiträge
4.590
Ort
südlicher Odenwald
Hatte im Urlaub seit langem mal wieder Zeit für einen Floh- und Trödelmarkt. Eigentlich nur mal schauen. Aber ein Stand hat mich dann doch magisch angezogen und ich hab mich in Unkosten gestürzt. Zwei Zieheisen, zwei Axtköpfe, zwei Rindenschäler und eine(n) Dexel für insgesamt 30€ waren die Ausbeute.

Jetzt würde ich die Werkzeuge gerne wieder aufarbeiten. Bei den meisten, außer dem Dexel und einem Rindenschäler müssten die Klingen/Schneiden erstmal wieder in Form gebracht werden, bevor ich sie schärfen kann. Ich hatte da an den Bandschleifer fürs Grobe gedacht. Oder habt ihr da noch andere Ideen, wie man das sinnvoll machen könnte? Evtl Feilen?

Dann würde ich die Werkzeuge gerne so herrichten, dass sie wieder etwas neuer aussehen und ich sie auch längere Zeit weglegen kann, ohne dass sie Rost ansetzen. Einölen, oder gibt es da noch andere Möglichkeiten? Insbesondere möchte ich die schwarze Zunderschicht, Schmiedehaut erhalten, aber trotzdem den Rost entfernen. Wie geht man da am besten vor?

Dann hätte ich noch eine Frage zu dem linken Rindenschäler. Ist das überhaupt ein Rindenschäler, oder hat der eine andere Funktion? Ich kannte bisher nur die rechte Variante.

Danke für eure Tipps

Gruß Michael
20261027_202328.jpg 20261027_202257.jpg
 

bast_ig

ww-robinie
Registriert
26. Januar 2025
Beiträge
696
Ort
München
Hallo Michael,

ich bin gespannt auf die Tipps. Sehr schöne Funde!

Letztens hatte ich das auch bei EINEM alten Zugeisen.

Da hat es dann tatsächlich leicht funktioniert, die Schneide mit einem sehr groben Diamantstein im Feinmecchanikschraubstock wieder in Form zu bringen. Das Eisen war weich genug, dass es richtig viel Abtrag gab. Das geschärfte Eisen hat trotzdem eine ganz vernünftige Standzeit.

Edit: das Eisen ist auch geschwungen. Ich habe gar nicht versucht, einen präzisen Winkel anzuschleifen. Das Ergebnis ist aber trotzdem akzeptabel.

Grüße
 

Urbexopa

ww-esche
Registriert
28. September 2025
Beiträge
457
Ort
47929
Irgendwann ist mir auch ein Zugeisen zugelaufen (schönes Wortspiel) das ich im Grunde genommen nur mit so einem ovalen Wetzstein schärfe wie man ihm auch für die Sense benutzt.
 

Martin45

ww-robinie
Registriert
10. März 2013
Beiträge
7.641
Ort
417xx
Erstmal. Schöner Fund.
1. Also du willst reinigen, aber später vor Rost schützen und Zunderschicht erhalten. Ich glaube das schließt sich aus. Schon reinigen und späterer Rostschutz ist schwer. Je sauberer desto weniger Rostschutz. Klar, ölen kann man, aber wie lange bleibt das aktiv, wenn du z.B. nasse Bäume entastest? Richtiger langfristiger Rostschutz wäre verchromen lassen o.ä.
Am besten gegen Rost ist doch so eine Patina wie du jetzt hast.
Was spricht funktionell gegen den Rost bei diesen eher groben Werkzeugen?

2. Für derartige gröbere Arbeitsmittel erscheinen mir die Klingen OK. Etwas nachschärfen und fertig. Das sind ja keine Stechbeitel oder Hobeleisen für eine Schlicht-/Endbearbeitung.

Fazit, ich verstehe feinen Wunsch, würde aber gerne in den Raum werfen, ob man es bei Nutzwerkzeug nicht pragmatisch sehen sollte.
 

flüsterholz

ww-robinie
Registriert
18. Juli 2022
Beiträge
4.590
Ort
südlicher Odenwald
Danke Martin
Ich hatte es schon fast befürchtet. Die Äxte und Rindenschäler wollte ich nicht für die normalen Forstarbeiten nutzen, dafür habe ich Werkzeug, bzw lasse durch die Hanglage auch viel in Lohnarbeit machen.
Ich hatte langfristig vor, mir eine kleine Kiste mit Werkzeug für Grünholzarbeiten zuzulegen. Ein paar besser erhaltene Werkzeuge habe ich jetzt schon, die Flohmarktfundstücke sollten das sinnvoll ergänzen. Der kleinere Axtkopf soll auch noch einen speziellen Anschliff bekommen. Spricht irgendwas gegen den Einsatz des Bandschleifers? Zwischendrin Kühlen wäre klar. Den größeren werde ich wahrscheinlich gar nicht nutzen, da könnte ich etwas rumexperimentieren.

@bast_ig welchen Diamantstein hast du dafür genutzt? Einen normalen Bankstein, oder hast du da eine spezielle Form?

@Urbexopa den habe ich auch immer dabei. Reicht auch in den meisten Fällen für eine brauchbare Schärfe.
 

Martin45

ww-robinie
Registriert
10. März 2013
Beiträge
7.641
Ort
417xx
das linke Schäleisen eignet sich besser zum Schälen seitlich am liegenden Stamm
Kannst du den Grund erklären?Hauptunterschied sehe ich ja an der Position des Stieles. Aber was/wieso hat das für eine Auswirkung? Eigentlich kann ich da doch nach meiner Vorstellung eher (minimal) schlechter Anpressdruck auf die Klinge ausüben bzw. kriege ein Drehmoment rein. Übersehe ich was?
 

fried.chycken

ww-robinie
Registriert
11. März 2022
Beiträge
1.190
Ort
Dresden
Ich kühle am Bandschleifer mit einigen wenigen sprühern verdünntem Glasreiniger, das geht sehr gut und ohne Wärmeeinwirkung. Allerdings macht es Sauerei, dafür keine Funken.

Du könntest die Sachen mit der Drahtbürste reinigen (für etwas mehr Abtrag eine große Runde in die Ständerbohrmaschine einspannen) und dann mit Leinölfirnis einreiben. Das gibt auf leichtem Rost eine schöne schwarze Oberfläche (grobe Schuppen und loses Material müssen natürlich weg sein), geht sogar besser als auf blankem Metall.
 

flüsterholz

ww-robinie
Registriert
18. Juli 2022
Beiträge
4.590
Ort
südlicher Odenwald
Ich kühle am Bandschleifer mit einigen wenigen sprühern verdünntem Glasreiniger, das geht sehr gut und ohne Wärmeeinwirkung. Allerdings macht es Sauerei, dafür keine Funken.

Du könntest die Sachen mit der Drahtbürste reinigen (für etwas mehr Abtrag eine große Runde in die Ständerbohrmaschine einspannen) und dann mit Leinölfirnis einreiben. Das gibt auf leichtem Rost eine schöne schwarze Oberfläche (grobe Schuppen und loses Material müssen natürlich weg sein), geht sogar besser als auf blankem Metall.
Danke, das mit dem Glasreiniger versuche ich mal. Bei der Drahtbürste habe ich ernsthafte Bedenken, dass die Zunderschicht da nicht leidet. Wenn abrassiv, dann hätte ich eine Messingbürste oder Schleifvlies genommen. Gehofft hatte ich aber eher auf eine passende Chemikalie, abseits von Säuren.

@Martin45 An deinem Einwand ist auch was dran, ich werde es einfach mal mit beiden Rindernschälern probieren, welcher wofür besser funktioniert.
 

bast_ig

ww-robinie
Registriert
26. Januar 2025
Beiträge
696
Ort
München
Ich habe zum Schärfen ganz normale Banksteine genutzt. Ich habe keine Formsteine leider, damit wärs besser. :emoji_slight_smile:

Das Eisen war zwar gebogen, aber auch auf der hohlen Seite (das war die Fase) gab es noch genug Auflagefläche. Geschärft dann nur bis 1000. Das hat für das Schnitzen von Hockerbeinen gut gereicht.

Grüße
 

Da bin ich

ww-robinie
Registriert
18. Januar 2021
Beiträge
1.583
Ort
Deutschland
Bei den Entrinder hätt e ich auf regionale Varianten getippt.
ich hab mir sowas zurecht gemacht um im Winter Eis und festgefahrenen Schnee vom Bürgersteig zu lösen.
zum herrichten der doch etwas gröberen Werkzeuge nehme ich nur eine HandDrahtbürste und Öle danach gut ein
und arbeiten damit hält die Teile auch rostfrei
spiegel und phase müssen natürlich blank und scharf sein
 

fried.chycken

ww-robinie
Registriert
11. März 2022
Beiträge
1.190
Ort
Dresden
Danke, das mit dem Glasreiniger versuche ich mal. Bei der Drahtbürste habe ich ernsthafte Bedenken, dass die Zunderschicht da nicht leidet. Wenn abrassiv, dann hätte ich eine Messingbürste oder Schleifvlies genommen. Gehofft hatte ich aber eher auf eine passende Chemikalie, abseits von Säuren.
Naja, die anpresskraft der Bürste kannst du ja bestimmen, sodass es nicht zu viel wird.

Was soll die Chemikalie bewirken? Flugrost und dreck geht auch mit Scheuerschwamm und Seifenlauge ab, aber die Frage ist halt wie viel du bearbeiten willst und was dein Wunschergebnis ist.
 

flüsterholz

ww-robinie
Registriert
18. Juli 2022
Beiträge
4.590
Ort
südlicher Odenwald
Hier mal schneller Test mit Glasperlen gestrahlt.
Anhang anzeigen 223269
Bei Guss oder Flachstahl, etc hätte ich da auch keine Bedenken, aber ich befürchte, dass nach dem Strahlen nichts mehr von der Zunderschicht übrig bleibt. Evtl geht ein sehr weiches Material? Kirschkerne?
Bei Guss habe ich das auch schon vom Nachbarn machen lassen.
Hast du ein geschlossenes Gehäuse beim Strahlen, oder gehst du anders vor?
 

flüsterholz

ww-robinie
Registriert
18. Juli 2022
Beiträge
4.590
Ort
südlicher Odenwald
Naja, die anpresskraft der Bürste kannst du ja bestimmen, sodass es nicht zu viel wird.

Was soll die Chemikalie bewirken? Flugrost und dreck geht auch mit Scheuerschwamm und Seifenlauge ab, aber die Frage ist halt wie viel du bearbeiten willst und was dein Wunschergebnis ist.
Ich werde mich mal langsam hocharbeiten. Ich bin es halt gewohnt, immer möglichst vorsichtig anzufangen beim Restaurieren von Möbeln und möglichst nicht abrassiv. Mal schauen, ich habe ja jetzt schon einige Vorschläge, die ich alle mal ausprobieren kann.
 

Martin Graf

ww-robinie
Registriert
9. Juni 2011
Beiträge
773
Ort
30km östlich von München
Ich finde den Zustand der Eisen gar nicht so schlecht und würde nur wenig machen. Bei der kleinen Gartenbank, die ich dieses Jahr überarbeitet habe, habe ich mit einer Nylon-Rundbürste für die Bohrmaschine die Oberfläche gesäubert. (Was wir jetzt so machen #17810) Danach sah es schon ganz gut aus. Danach habe ich einen Rostumwandler drauf gestrichen, der zu einer schön gleichmäßigen schwarzen Oberfläche geführt hat. Aber auch nur mit Leinöl sieht es schon ganz gut aus.
Mit der Nylonbürste trägt man nicht viel ab, aber alles Lose lässt sich entfernen und auch der Flugrost.
Je nachdem, wie hart der Stahl ist, und wie viel Material abgetragen werden soll, mit Feile oder Banksteinen die Schneide formen und schärfen.
Mit dem Bandschleifer wäre ich vorsichtig. Wenn, dann nur relativ grobe Körnung und an der Schneide nicht bis zu Ende ausarbeiten. Der Stahl überhitzt schon recht schnell, insbesondere an der Vorderkante der Schneide und bei zu feinem Schleifpapier.
Im Zweifel macht man sich damit unnötig viel Zusatzarbeit.
Wahrscheinlich würde ich bei Deinen Werkzeugen erst einmal mit der groben Handbürste und Seifenlauge arbeiten.

Gruß Martin
 

wirdelprumpft

ww-robinie
Registriert
31. März 2013
Beiträge
4.538
Ort
Rems-Murr-Kreis
Hast du ein geschlossenes Gehäuse beim Strahlen,
die hier https://www.hbm-machines.com/de/p/hbm-strahlkabine-sbc-110
Ohne Gehäuse braucht man unmengen an Strahlmaterial und es ist ne riesige Sauerei.
Glasperlen sind nicht sonderlich aggresiv - Nussschalen hab ich nie probiert.
Wobei man mit Glasperlen dünnes Blech umformen kann, wenn man mit 8 bar drauf hält.
Aber alles was an schwarzer Beschichtung z.b. bei Fräser etc. so drauf ist geht bei Glasperlen weg.
Bild links ist komplett gestrahlt bis auf die Spanflächen und danach SurfaceShield seit ca. 2 Jahren ohne Rost
IMG_6167.jpeg
Hab noch ne Schublade voll aber das geht vermutlich irgendwann in den Schrottcontainer
IMG_6168.jpeg
 
Zuletzt bearbeitet:
Oben Unten