Alten wackligen "Biedermeier"-Stuhl zerlegen, um in neu zu verleimen

Tzurby

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Ich bekomme den ziemlich alten "Biedermeier"-Stuhl (sieht im Ganzen so aus) nicht zerlegt. Ich bin schon recht weit gekommen (mit Keilen in die sich öffnenden Schlitze, dann Gummihammer).

Ich befürchte aber, ich zerstöre ihn, wenn ich weiter mache.

Könnte es sein, dass die Zapfen von hinten konisch zulaufen? Es sieht an einer Stelle so aus:
IMG_5556.JPG

Dies würde bedeuten, dass man von hinten ein keilförmiges Stück eingebaut und mit der Querstrebe der Sitzfläche verleimt hat. Gibt es so etwas?

Falls ja, müsste ich mich wohl damit begnügen, an die bislang offenen Stellen Holzleim aufzubringen (vorher so gut es geht zu reinigen), alles wieder zusammenzudrücken, Schraubklemmen anbringen und zu hoffen, dass die Verbindung hält. Ist aber soweit ich weiß nicht so eine tolle Methode.
 

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flüsterholz

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Der Zapfen scheint verkeilt zu sein. Man kann zumindest einen Keil erkennen. Evtl auch zwei. Einfach von hinten keilförmig ausstemmen. Man könnte auch erst etwas Vorbohren im Bereich des Keiles. Dann müsste sich der Zapfen lösen.
 

Tzurby

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Dann lag ich also richtig. Ich glaube, das ist eine Nummer zu groß für mich... Abgesehen davon, ob ich sie rausbekomme - ich habe einfach nicht die Möglichkeiten, solche Keile fachgerecht herzustellen.

Also doch über die frei gewordenen Flächen neu verleimen. Ist sicher besser als vorher.
 

flüsterholz

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Da musst du aber Glück haben, dass da kein Leim mehr in der Verbindung vorhanden ist. Eher unwahrscheinlich. Die Verbindung wird sich, auch wenn sie im Moment fest erscheint, wieder in kurzer Zeit lösen. Tu dir das lieber nicht an.
Keile kann man bestimmt irgendwo kaufen und dann mit einem Stechbeitel aufs gewünschte Maß bringen. Viel Erfolg.
 

Tzurby

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Sollte ich mich tatsächlich daran machen, so frage ich mich, wie denn diese Keile mit den Zapfen der Querverstrebung verbunden sind. Einfach flächig verleimt oder nochmals verzapft oder verzahnt?
 

Holzsinn

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Als Restauratorin trau ich mich fast nicht, so von der historischen Vorgehensweise abweisende Tipps zu geben, aber ich tu´s trotzdem.
Also: wenn ich eine leicht lockere Verleimung an Stühlen nicht lösen kann, sie aber trotzdem wackeln, behelfe ich mir mit dem Sekundenkleber titebond wood adhesive in zwei unterschiedlichen Konsitenzen, nämlich flüssig und gelartig.https://www.sautershop.de/titebond-sekundenkleber-set-set-123-instant?gad_source=1&gad_campaignid=22922317833&gclid=CjwKCAjwyMnNBhBNEiwA-KcguxJWkBTnkQUdteDXcvr5XsCkr-DbvK0iMWI3SZ0jaLM4NrOM0NQH4xoCjSMQAvD_BwE
Den Flüssigen lasse ich von allen Seiten in die lockere Verbindung laufen, presse sie sofort zusammen und verschließe evtl. Lücken mit dem gelartigen Sekunden Kleber. Wichtig dabei ist vor allem, die Pressung vorher auszuprobieren und sie wirklich nur Sekunden nach dem Benetzten mit dem Sekundenkleber zusammenzupressen. Ich verwende dafür meistens Zurrgurte und keine Zwingen, weil die leichter abrutschen.
Ich wende die Methode nur an, wenn ein Öffnen der Verbindung mehr Schaden anrichten würde als diese doch etwas ungewöhnliche Verleimungsmethode.
Melanie
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flüsterholz

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Also: wenn ich eine leicht lockere Verleimung an Stühlen nicht lösen kann, sie aber trotzdem wackeln, behelfe ich mir mit dem Sekundenkleber titebond wood adhesive in zwei unterschiedlichen Konsitenzen, nämlich flüssig und gelartig.https://www.sautershop.de/titebond-sekundenkleber-set-set-123-instant?gad_source=1&gad_campaignid=22922317833&gclid=CjwKCAjwyMnNBhBNEiwA-KcguxJWkBTnkQUdteDXcvr5XsCkr-DbvK0iMWI3SZ0jaLM4NrOM0NQH4xoCjSMQAvD_BwE
Den Flüssigen lasse ich von allen Seiten in die lockere Verbindung laufen, presse sie sofort zusammen und verschließe evtl. Lücken mit dem gelartigen Sekunden Kleber. Wichtig dabei ist vor allem, die Pressung vorher auszuprobieren und sie wirklich nur Sekunden nach dem Benetzten mit dem Sekundenkleber zusammenzupressen. Ich verwende dafür meistens Zurrgurte und keine Zwingen, weil die leichter abrutschen.
Ich wende die Methode nur an, wenn ein Öffnen der Verbindung mehr Schaden anrichten würde als diese doch etwas ungewöhnliche Verleimungsmethode.
Melanie
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Ich mag deine pragmatischen Ansätze :emoji_slight_smile:
 

Tzurby

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Als Restauratorin trau ich mich fast nicht, so von der historischen Vorgehensweise abweisende Tipps zu geben, aber ich tu´s trotzdem.
Also: wenn ich eine leicht lockere Verleimung an Stühlen nicht lösen kann, sie aber trotzdem wackeln, behelfe ich mir mit dem Sekundenkleber titebond wood adhesive in zwei unterschiedlichen Konsitenzen, nämlich flüssig und gelartig.https://www.sautershop.de/titebond-sekundenkleber-set-set-123-instant?gad_source=1&gad_campaignid=22922317833&gclid=CjwKCAjwyMnNBhBNEiwA-KcguxJWkBTnkQUdteDXcvr5XsCkr-DbvK0iMWI3SZ0jaLM4NrOM0NQH4xoCjSMQAvD_BwE
Den Flüssigen lasse ich von allen Seiten in die lockere Verbindung laufen, presse sie sofort zusammen und verschließe evtl. Lücken mit dem gelartigen Sekunden Kleber. Wichtig dabei ist vor allem, die Pressung vorher auszuprobieren und sie wirklich nur Sekunden nach dem Benetzten mit dem Sekundenkleber zusammenzupressen. Ich verwende dafür meistens Zurrgurte und keine Zwingen, weil die leichter abrutschen.
Ich wende die Methode nur an, wenn ein Öffnen der Verbindung mehr Schaden anrichten würde als diese doch etwas ungewöhnliche Verleimungsmethode.
Melanie
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Vielen Dank für den Tipp. Habe die beiden Kleber bestellt.

Ich würde so vorgehen: Erstmal das Holz an den offenen Stellen von altem Leim befreien. Dann wieder zusammenfügen, um zu sehen, wie leicht und schnell das geht. Das muss ja mit dem Sekundenkleber sehr schnell gehen. Danach wieder alles nach hinten schlagen, damit möglichst viel zu verklebende Flächen frei werden.

Ich befürchte etwas, dass die Zeit sehr knapp wird. Denn allein das Auftragen des Sekundenklebers dauert ja nicht nur Sekunden, sondern vermutlich so um eine Minute. Ich würde auch die hintere Querverbindung erneut mit der Sitzfläche verleimen.
IMG_5561.JPG

Ist das ein gangbarer Weg?
 

seschmi

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Wo möglich, verwende ich Fischleim. Der hält auch auf den historischen Glutinleimen (Knochenleim etc). Die offene Zeit ist sehr lang, damit hat man Zeit zum Zusammenbau, und der Leim ist flüssig bei Raumtemperatur, also gut zu verarbeiten.

Wichtig ist, dass die Verbindungen genau passen. Wenn da Luft ist, hält das auch kein Leim. Notfalls leime ich Furnierstreifen auf den Zapfen.

Das alles gilt für Verbindungen, die sich öffnen lassen. Die würde ich nie mit Sekundenkleber machen.

Für die, die man nicht aufkriegt, gibt es die Lösung, einen Profi machen zu lassen, die Lösung oben oder dünnflüssiges Epoxy, das auch überall reinläuft. Das hängt natürlich auch davon ab, wie historisch der Stuhl ist.

Ich würde in diesem Fall die geöffneten Verbindungen ordentlich mit Fischleim verleimen, da hat man Zeit zum Zusammenbauen. Die geschlossenen sind eh geschlossen, die kann man anschließend behandeln.
 

Holzsinn

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Bei der Verleimung von alten oder neuen Stühlen muss einem bewußt sein, dass sehr starke Kräfte auf die Verleimung einwirken. Die Rückenlehne ist immer starken Hebelkräften ausgesetzt. Deswegen halte Stühle auch länger, wenn sie an den Beinen unten auch noch Längs- und Querstreben haben. Das hält das Rechteck zwischen Sitzfläche und Stuhlbeinen stabil.
Ich arbeite auch mit Fischleim, wo immer es möglich ist. Aber manchmal bringt man nicht mal den in einen Spalt. Und ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass man weder für einen Neuverleimung mit Fischleim, aber auch für Sekundenkleber den alten Glutin/Knochenleim nicht entfernen muss. Das Entfernen des alten Leims kann manchmal kontraproduktiv sein, weil es die Spalten vergrößert.
Weißleim ist Kunsstoff und sollte vor einer Neuverleimung immer entfernt werden. Darauf hält kein neuer Weißleim, Fischleim auch nicht und Sekundenkleber nur, wenn man Glück hat.
Sekundenkleber verwende ich nur, wenn die lockere Verleimung wirklich keinen Spalt hat. Der Flüssige überbrückt nämlich nichts, aber der Gelartige schon ein klein wenig, damit verschließe ich am Schluß die Verklebung zu den Stuhlzargen hin.
Melanie
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Tzurby

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Ich habe mich für die Fischleimvariante entschieden. Dies vor allem, weil ich sehr skeptisch war bezüglich der Möglichkeit, den Stuhl mit aufgetragenem Kleber auf den offenen Stellen in Sekundenschnelle wieder zusammen zu bekommen. - Was sich später bestätigt hat.

Ich habe alle offenen Stellen vorsichtig (damit der Spalt nicht zu groß wird) von alten Leimresten (was immer es war) zu befreien.

IMG_5580.JPG
IMG_5581.JPG

Das Zusammenfügen war nur mit kräftigen Gummihammerschlägen zu erreichen. (Der extra gekaufte Bandspanner - wohl auch zu billig - erwies sich als ungeeignet.)

Nun ergeben sich noch einige Spalte zwischen Sitzfläche und Rückenlehne. Für die Stabilität dürfte es gut sein, diese zu schließen. Ich habe schon einige Buchenholzkeile geopfert. Ich frage mich, ob es Sinn macht, nach dem Austrocknen des Fischleims das Titebound Gel in diese Schlitze einzubringen.

IMG_5584.JPG
 

Holzsinn

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Das Vorgehen sieht gut vorbereitet und überlegt aus, Gratulation! Fischleim ist eine Gute Wahl, der gibt mehr Zeit zum Verleimen.
Der Spalt zwischen Sitzfläche und Rückenlehne entsteht konstruktionsbedingt, der hat nichts mit der Stabilität zu tun. Folglich muss er auch nicht geschlossen werden. Bei so einem Stuhl sorgen nur die Schlitz- und Zapfenverbindungen und die Verleimung der Sitzfläche auf dem Gestell für den Zusammenhalt des Stuhles. Beide Verleimungen sind am besten hintereinander auszuführen, d.h. zuerst das Gestell verleimen und gut spannen, anschließend die Sitzfläche und da auch mit min 2 Zwingen pro Seite den notwendigen Druck aufbauen.
Melanie
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Tzurby

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Vielen Dank. Hab mir auch viel Mühe gegen und vor allem Zeit genommen.

Ich hab's in einem Zug gemacht, vor allem, da ja nur so die Fläche für die Verleimung der Sitzfläche frei war. Das fühlt sich nun alles sehr stabil an. Bin gespannt, ob es dabei nach 24 Std. Aushärtung und Abnahme der Zwingen bleibt.

Beruhigend zu wissen, dass die Spalte keine Rolle spielen.

IMG_5583.JPG
 
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