Röntgenblick bei Holzbalkendecken?

yoghurt

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Geht aber meistens, wenn man weiß, was man macht. Baue zwar nicht regelmäßig Hochbetten, aber so 5-6 Stück sind in den letzten Jahren auch zusammen gekommen. Hab bislang fast alle nach oben abgehängt. Immer zunächst zur Verwunderung der Auftraggeber, die nach Fertigstellung in Begeisterung überging.
Wer die Bröseldecken in Altbauten kennt, wundert sich, dass gerade bei Balkendecken das Abhängen nach oben besonders elegant und einfach möglich ist. Aber wie gesagt: Man muss wissen was man tut und einen gewissen Röntgenblick haben.


Als gutes Beispiel gehe ich voran und lagere eine Frage aus einem anderen Thema aus - kostet übrigens nix!

@MarcBerlin
Wie machst Du das? Wenn man nicht gerade die Nagelreihe im Stockwerk darüber findet, finde ich es enorm schwierig einen Balken zu finden und sicher mittig - oder zumindest nicht zu weit am Rand - „anzuschrauben“.
 

MarcBerlin

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Freut mich, dass der Begriff "Röntgenblick" Anklang fand und Einen Thread erzeugt hat. :emoji_wink:

Zunächst testet man akustisch. Selbst bei einem Putzträger lässt sich mit Abklopfen in der Regel der Balken zumindest erahnen. Sicherer ist aber das hoch peilen vom Fußboden, sofern dort geschliffene Dielen liegen und die Nagelreihen sichtbar sind. Man staunt, wie konsequent die Zimmerleute damals die Balkenlagen exakt übereinander angeordnet haben.
Und dann braucht man natürlich schon ein paar Testbohrungen, denn man möchte, wie Du richtig anmerkst, schon annähernd mittig in den Balken. Dabei hilft noch das Wissen, dass zumindest im Berliner Altbau etwa 98,8% der Balken ziemlich genau 20cm breit (und 25 hoch) sind. Schließlich sollte natürlich noch der Balken so liegen, dass es mit dem gewünschten Eckpunkt der Hochetage einigermaßen passt. Ein leicht schräges Abhängen ist zwar statisch nicht problematisch, sieht aber kacke aus. Bei einem Projekt haben wir sogar einen Wechsel zwischen 2 Balken unter die Decke geschraubt. Daran wurde dann noch eine Strickleiter befestigt, wodurch es wieder ganz stimmig aussah. Bevor Ihr fragt: Ist sehr lang her und ich habe leider keine Fotos.

Also ganz per "Röntgen" geht es nicht: Am Ende müssen immer ein paar Testlöcher an der Decke geschlossen und mit etwas Alpina vermauschelt werden. Aber im Anbetracht des Gesamtaufwandes und des tollen Ergebnisses sind das ja Peanuts
 

yoghurt

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Hallo,
nur als kurzer Einwurf. Die Balkenlage oben lässt sich am Fußboden darüber bzw. dessen Nagelreihe ablesen. Das bedeutet aber NICHT, dass es in jedem Stockwerk gleich ist. Die Balken können auch 90 grad anders liegen.

Die paar Male die ich es probiert habe fand ich schwierig zwischen Stakung und Balken zu unterscheiden.
 

MarcBerlin

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Hast schon recht - man muss sich das Gebäude schon anschauen. Aber meistens klappt das schon. Kurze Korrektur zur Begrifflichkeit: die Stakung ist die Lage in der Mitte der Decke, auf der die Schüttung liegt. Die braucht man bei den Testbohrungen nicht zu erreichen. Der Aufbau unterhalb der Balken ist entweder
  1. eine durchgehende Schalung von ca 2,5cm und darauf Putzträger und Putz, oder
  2. eine Spar-Lattung aus Leisten von ca. 3/3 mit relativ großenm Abstand (20-30cm) und darauf Putz und Putzträger.
Bei Testbohrungen geht es also zunächst durch die ~2cm Putz und dann kommt entweder Holz (Fall 1 oder man hat zufällig eine Putzleiste getroffen bei Fall 2) oder Luft (Fall 2). Und dann, nach weiteren 2-3cm also spätestens 6cm ab UK Decke kommt entweder nix mehr und man ist neben dem Balken oder eben das Holz des Balkens (Und dann braucht man auch nicht weitere 10cm bis zur Stakung zu bohren, denn an die hängt man tunlichst gar nichts). Hat man den Balken getroffen, versetzt man noch einmal 10cm nach rechts und nach links und setzt seine Befestigung ungefähr mittig zwischen die beiden Bohrungen, mit denen man sicher im Balken war. Also 4 Bohrungen sind es in der Regel, von denen 3 wieder zu müssen. Der besonders detektivische Holzwurm schnuppert auch mal an den Bohrspänen und schaut sich ihre Farbe an.. Man riecht und sieht bei der Kiefer (hier bin ich wieder in Berlin - da ist es immer Kiefer) eigentlich sehr zuverlässig, ob man im Kern ist. Wenn man sich da sicher ist, kann die letzte Bohrung auch entfallen.
 

Daniboy

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Kann es für so Deckenuntersuchungen auch helfen mit einem Endoskop reinzuschauen?
Die Geräte sind ja jetzt schon recht günstig.
  • Um ca. 14 Euro gibt es halbstarre Kabelkameras mit Durchmesser 8 mm mit 2 Kameras (Am Ende zur Stirnseite und seitlich) und Beleuchtung zum Anschluss ans Handy - zB: https://amzn.eu/d/07hWKX1E
  • Um ca. 150 Euro gibt es welche mit Durchmesser 6,2 mm und steuerbarem beweglichen Ende und Bildschirm - siehe zB: https://amzn.eu/d/05ubI30v
 
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yoghurt

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Ja klar!

Ich alter weißer Mann habe diese „modernen Möglichkeiten“ einfach noch nicht so auf dem Schirm!
 

yoghurt

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Zum Endoskop noch eine Randbemerkung: Ich scheue mich ein wenig solche einmal benötigen Werkzeuge zu kaufen. Die Ressourcen…..

Bei mir wird noch dieses Jahr mal wieder ein Hochbett anstehen, ich denke ich mache daraus eine Projektvorstellung. Allerdings wird das im Rahmen einer Zimmer-Teilung sein, so dass ich meine Ständer nicht in den Raum, sondern in die Trockenbauwand stellen werde. Daher kein Bedarf etwas an der Decke anzuhängen.
 

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ww-buche
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Ich habe früher auch schon mal angerostete Baustütze, in Hochglanz lackiert, als "Industrial- Style" zu weiß lackiertem Hochbett als einzige Stütze im Raum verbaut . Kann man halt einfach in der Höhe einstellen...
War in der prä Handy Zeit, deswegen keine Bilder
 

Schreinersein

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Wenn es Plisterleisten hat, kann man ggf auch die Nägel der Plisterleisten erpiepsen mit einem Metallsuch bzw Ortungsgerät.
 
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