Gesunde Verdünnung

Dr.db

ww-birnbaum
Registriert
12. Dezember 2008
Beiträge
243
Hallo,


ich wollte nächste Woche meinen neuen Küchentisch ölen. Nun wollte ich das mit Walnussöl aus dem Supermarkt machen...
Damit die erste Grundierung tiefer in das Holz eindringen kann brauche ich jetzt noch eine Verdünnung, die allerdings absolut unbedenklich sein muss.
Also Nitro etc. ist mir nicht geheuer.... Spiritus weiss ich jetzt auch nicht...!? Ginge das überhaupt ?
Oder vielleicht Alkohol ?

Das Holz ist übrigens Santos Palisander(Morado) und Ebenholz....


Besten Dank vorab,

Olaf
 

WinfriedM

ww-robinie
Registriert
25. März 2008
Beiträge
25.512
Ort
Dortmund
Das Walnussöl gegenüber einem vernünftigen Holzöl kaum beanspruchbar ist und öfters nachgeölt werden muss, ist dir bewusst?

Verdünnung: Es gibt keine unbedenkliche Verdünnung. Naturfarbenhersteller nehmen heutzutage sehr oft Isoparaffine bzw. Isoaliphate, die sind noch am besten verträglich. Ein paar wenigen verwenden noch Orangenöl, was ich auch gut bekömmlich finde, aber es gibt wohl Leute, die da allergisch drauf reagieren. Alkohol geht nicht, das Öl löst sich zu schlecht darin.

Nach meiner Erfahrung kann man bei normalen Ölen, die nicht mit Harzen versetzt sind, auf jegliche Verdünnung verzichten. Die Öle ziehen auch ohne Verdünnung bestens ein. Wer will, kann die vor Auftrag auf 50-70 Grad erhitzen.

Viele Hersteller bieten heutzutage lösemittelfreie Holzöle an, die sich bestens verarbeiten lassen und auch sehr gut beanspruchbar sind. Für Arbeitsplatten freigegeben ist z.B. das lösemittelfreie Biofa Arbeitsplattenöl.
 

welaloba

ww-robinie
Registriert
26. August 2008
Beiträge
3.741
Ort
Hofheim / Taunus
Winfrieds Beitrag ist kaum noch was hinzuzufügen.
Das Walnussöl leicht erhitzt und ganz dünn aber mehrmals in Tagesabständen aufgetragen sollte deinen Edelhölzern gut tun.
(Spiritus und Alkohol kommen aus der gleichen Familie und sind als Verdünner für Öle ganz ausgeschlossen. Dito Nitro. Schriebst du nicht absolut unbedenklich? Dann denke nicht an Nitro, das ist für Lackfarben.
Gruß Werner
 

Dr.db

ww-birnbaum
Registriert
12. Dezember 2008
Beiträge
243
Hallo ihr beiden, schönen Dank für die informativen Antworten :emoji_slight_smile:


Das Walnuss-Öl bekomme ich also durch erhitzen dünnflüssig, hätte ich eigentlich auch selbst drauf kommen müssen....


Ist denn der Unterschied zu Biofa-Öl bei der Wiederstandsfähigkeit wirklich so groß ?
Also welche Nachteile hätte ich mit dem Walnuss-Öl ?
Dringen Flecken schneller ein ? Oder muss ich grob geschätzt alle 1-2 Monate nachölen ?
....das gilt dann aber auch nur für die stark beanspruchte Tischplatte, oder ist das Walnuss-Öl auch an wenig beanspruchten Stellen nicht lange haltbar ?



Schönen Sonntag wünsch ich euch noch,

Olaf
 

WinfriedM

ww-robinie
Registriert
25. März 2008
Beiträge
25.512
Ort
Dortmund
Der Unterschied ist schon recht groß. Für einen Tisch, der selten mal Flüssigkeit abbekommt und dann auch gleich wieder trocken gewischt wird, wäre es denkbar. Es dauert aber auch lange, bis das Öl trocken wird. 6-8 Wochen sind nicht untypisch für oberflächliche Trocknung. Das bedeutet, dass selbst nach 1 Jahr im Holz das Öl noch flüssig sein kann. Siehst du dann, wenn die Sonne scheint und die Öltröpfchen an die Oberfläche kommen.
 

Saittam01

ww-birke
Registriert
5. Dezember 2005
Beiträge
55
Ort
Illschwang in der Oberpfalz
Hallo,

ich benutze recht häufig Walnussöl, da es einen sehr schönen, warmen Ton entwickelt.

Allerdings benutze ich ein Sikativ, damit die Trocknung in einem vernünftigen Zeitfenster erfolgt.

Zunächst verdünne ich das Öl mit sog. Orangenterpentinöl (ca. 10%). Danach gebe ich etwas Sikativ dazu, auch max 10%.

Ich trage diese Mischung mit dem Ballen dünn auf, wische nach - dies meist zwei- bis dreimal.

Schließlich poliere ich die Oberfläche mit einer inzwischen relativ harten Lammfellscheibe, die Oberfläche muss deutlich warm werden. Danach noch eine Trockenzeit von ca. 1 Woche.

Beste Grüße,

Matthias
 

Dr.db

ww-birnbaum
Registriert
12. Dezember 2008
Beiträge
243
Ich habe mir grade folgenden Seite: reintechnisch.de - HolzOelenProdukte von WinfriedM mal gründlichst durchgelesen.
Das ist dermaßen informativ und umfassend sodass ich eine gute Stunde damit beschäftigt war :emoji_slight_smile:
Besten Dank für diesen ausführlichen Vergleich!!!!!!!


Nach langem hin und her gefällt mir das Kreidezeit PureSolid am besten.
Denn es dringt tief ins Holz ein, hat eine recht lange offene Zeit und ist für Kinderspielzeug zugelassen/geprüft.
Wie ist es bei diesem Öl mit dem Geruch ?
Schließlich ist ja auch Leinöl und Tungöl enthalten.....

Ich würde dieses Öl dann gerne noch verdünnen, sodass es noch besser in das Holz eindringen kann.
Mache ich das dann 1:1 ?
Welche Unterschiede gibt es da zwischen Kreidezeit Balsamterpentinöl und Orangenschalenöl ?
Wenn man die Produktbeschreibungen ließt klingt beides ziemlich unbedenklich ( Kreidezeit Naturfarben GmbH ).
Sind diese Lösungsmittel nur während des verarbeitens schädlich oder auch nach 1-2 Wochen noch ?
 

WinfriedM

ww-robinie
Registriert
25. März 2008
Beiträge
25.512
Ort
Dortmund
Wenn bei Balsamterpentinöl oder Orangenschalenöl gewisse Stoffe entfernt wurden (ich glaub bei Balsam-Terpentin war es Delta-3-Caren), gelten die als recht unkritisch, jedoch kann man auf beide allergen reagieren. Ansonsten ist es Geschmackssache - manchmal liebe in den echten Terpentingeruch (ähnlich wie Teebaumöl), manchmal den Orangenduft :emoji_wink:

Mehr als 30% würde ich nicht verdünnen. Da kannst du direkt mal bei Kreidezeit anrufen.

Nach 1-2 Tagen ist nahezu alles Lösemittel raus, dann geht es nur noch um Restmengen von wenigen %, die über die nächsten Wochen immer mehr abnehmend ausdünsten.

Der Geruch hält sich in Grenzen, es gibt wesentlich schlimmere Öle, was den Geruch angeht.
 

Dr.db

ww-birnbaum
Registriert
12. Dezember 2008
Beiträge
243
Hey,


besten Dank nochmal!!

Reagiert man nur beim Verarbeiten allergisch drauf oder auch nach 1-2 Wochen noch ?
 

WinfriedM

ww-robinie
Registriert
25. März 2008
Beiträge
25.512
Ort
Dortmund
Die Wahrscheinlichkeit, darauf noch zu reagieren, ist nach 1-2 Wochen sehr gering. Bei Allergien können aber auch geringste Konzentrationen schon Reaktionen auslösen.
 

Dr.db

ww-birnbaum
Registriert
12. Dezember 2008
Beiträge
243
Habe grad mit Kreidezeit telefoniert....
Ich hab den Schreck meines Lebens bekommen; für das PureSolid-Öl wird ein Endschliff von 120er Körnung vor dem ersten Ölen empfohlen.
Ich habe den gesammten Tisch bereits bis 400er Körnung geschliffen!
Angeblich nimmt das Holz nun zu wenig Öl auf, da zu stark verdichtet...


Was meinst du ?
 

WinfriedM

ww-robinie
Registriert
25. März 2008
Beiträge
25.512
Ort
Dortmund
Meiner Erfahrung entspricht das nicht, ich hatte da schonmal Versuche gemacht. Wenn du eine Feinwaage hast, kannst du einen Versuch machen. Probeplatte z.B. 10x10cm, vor dem Ölen wiegen, dann Öl 30 Minuten einziehen lassen und Überstand vollständig entfernen. Gewicht messen, damit weißt du, wievel Öl aufgenommen wurde. Das dann mal mit Schliff 120 und Schliff 400 ausprobieren.

Ich werde das bei Gelegenheit mal mit Buche testen, interessiert mich. Falls du Ergebnisse hast, lass es mich wissen.
 

Dr.db

ww-birnbaum
Registriert
12. Dezember 2008
Beiträge
243
Hey,


danke für deine vielen Antworten und rege Beteiligung :emoji_slight_smile:

Ich muss mal schaun ob ich von dem Holz überhaupt noch Abschnitte habe, oder ob die schon alle weg sind...
Ansonsten versuch ich es natürlich!


Bis zu welcher Körnung schleifst du denn in der Regel vor dem Ölen ?
 

WinfriedM

ww-robinie
Registriert
25. März 2008
Beiträge
25.512
Ort
Dortmund
Kommt auf die Oberflächengüte an, die man erreichen will. Minimum ist meist Korn 120, hochwertige Oberflächen mach ich bis Korn 320. Kommt auch auf das Holz drauf an, manche Hölzer muss man sehr fein schleifen, damit man keine Kratzer mehr sieht. Eine Buche-Arbeitsplatte würde ich wohl bis Korn 220 schleifen. Palisander hab ich noch nicht verarbeitet, Ebenholz braucht einen recht feinen Schliff, da sind deine Korn 400 durchaus sinnvoll.

Je feiner man schleift, um so mehr fallen übrigens auch Kratzer auf.
 

Dr.db

ww-birnbaum
Registriert
12. Dezember 2008
Beiträge
243
Alles klar.


Besten Dank nochmal !! :emoji_slight_smile:


Werde mir heute Nachmittag das Kreidezeit PureSolid kaufen....
 

Dr.db

ww-birnbaum
Registriert
12. Dezember 2008
Beiträge
243
So, habe mir letztendlich folgende Produkte gekauft;

Kreidezeit Grundieröl & Kreidezeit Hartöl

Das Grundieröl basiert auf Leinöl und etwa 50% Verdünnung.... Es dringt sehr gut in das Holz ein und lässt sich gut vertreiben. Es ist sehr dünnflüssig, quasi wie Wasser.
Man hat etwa 25-30min Zeit bis es anzieht.
Das Grundieröl hat sehr gute Kriecheigenschaften. Die Holzfarbe war nach 24std. wesentlich dunkler als nach 1-2std. nach dem Ölen.
Unbedingt eine Probe vorab machen, es dunkelt deutlich stärker nach als andere Öle.

Das Hartöl ist eher gelee-artig und ist ebenfalls mit Verdünnung angesetzt. Es zieht bereits nach 5-10min an, man muss hier also sehr schnell und gründlich arbeiten.
Inwieweit dieses Öl einzieht kann ich nicht sagen, da mein Holz ja bereits grundiert war (s.o.)...

Die Oberfläche war bis 400er Körnung vorgeschliffen und es haben sich auch keine Holzfasern aufgestellt. Bei kurzem Kontakt mit Wasser perlt dieses förmlich ab....
Der Geruch ist spezifisch aber nicht unangenehm.


Schönen Dank noch an die Beratenden,

Grüße Olaf
 

WinfriedM

ww-robinie
Registriert
25. März 2008
Beiträge
25.512
Ort
Dortmund
Das Hartöl Puresolid von Kreidezeit hat bei mir eine offene Zeit von mindestens 30 Minuten, eher 60 Minuten. Ist auch dickflüssig (etwas dicker als Motoröl), nicht geleeartig. Es ist auch lösemittelfrei. Das Grundieröl ist eigentlich nur im Zusammenhang mit Ölfarben und Öl-Lasuren nötig.
 
Oben Unten