Leder auf Trägermaterial verleimen

Rob*

ww-pappel
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Hallo!
Für mein Gesellenstück möchte ich einen Schreibtisch aus Rüster bauen.
Die Platte bekommt außen einen massiven Schlitz Zapfen Rahmen und innen eine Lederfüllung.
Das Leder möchte ich auf eine Spanplatte verleimen.

Vor einiger Zeit habe ich den Pattex Kontaktkleber mit einer Andruck Walze gekauft. Nun bin ich mir aufgrund der extremen Anfangshaftung aber unsicher geworden, ob bei einer Fläche von 1300x750 das Leder auf einmal so gelegt werden kann, das es nirgends "knittert" staucht oder Luft eingeschlossen wird.

Gibt es andere passende Klebstoffe für eine Verbindung mit Holzwerkstoffen zu Leder, die eine etwas längere offene Zeit haben? Knochenleim?

Kann das Leder sich nach aufleimen evtl. noch zusammen ziehen oder ausdehnen?

Mich würde auch interessieren wie sich das Leder an der Tischfräse verhält, da ich noch eine 2x2 Schattenfuge Fräse um Höhenunterschiede vom Rahmen zur Füllung auszugleichen. Ansonsten probier ich's demnächst aus und berichte!

Ich würde mich freuen, wenn jemand Erfahrung in diesem Gebiet hat und sie mit mir teilt.

Vielen Dank im Voraus
Grüße Robin
 

654321

ww-buche
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Hallo Robin;

wir haben früher für große Pattexflächen Leimleisten verwendet (Film bei 06.47 min.)

Im Casebau wird heute viel Sprühkleber verwendet- praktische Erfahrungen kann ich Dir aber leider nicht mitteilen.
 

weissbuche

ww-robinie
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Die Leimleisten waren bei uns einfach Dübelstangen. Ich würde jeden Kleber vermeiden, der Feuchtigkeit in das Leder bringt. Was man für solche Aktionen auf jeden Fall braucht, sind viele Hände. Menschen die die Haut festhalten und strammziehen und so den zu frühen Kontakt vermeiden. Kleinere Flächen habe ich schon mit Pattex verklebt, hat immer gut funktioniert.
 

flüsterholz

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Hallo Robin
Kontaktkleber wird bei so einer großen Fläche, wenn du das alleine machst, nicht funktionieren. Ein kleiner Fehler und du hast verloren. Das Leder bekommt man nur noch mit Beschädigungen wieder los. Hinzu kommt, dass sich das Leder beim Andrücken immer noch etwas ausdehnt und dann wirst du bei einer so großen Fläche schnell Falten bekommen. Für kleinere Flächen, so bis etwa DIN A4 funktioniert Kontaktkleber, auch als Sprühkleber, ganz gut. Zumindest meine Erfahrung im Hobbybereich.
Im Restaurationsbereich habe ich verschiedene Techniken kennengelernt, aber nicht selber ausgeführt. Zum einen mit einem speziellen Lederleim, einem modifizierten Glutinleim. Ich kenne aber weder seine genaue Zusammensetzung noch die Art der Aufbringung, da diese Arbeiten in einem anderen Werkstattbereich stattfand. Knochenleim halte ich für ungeeignet. Zum einen nicht flexibel, der trocknet auch richtig spröde auf. Und für eine längere offene Zeit müsstest du die Materialien vorher Erwärmen.
Weiterhin habe ich den Auftrag mit einem PVA-Leim als auch mit Kleister erleben können. Bei beiden Vorgehensweisen wurden die Leder aufgelegt und mit einem abgerundeten Rakel oder ähnlichem von innen nach außen gestrichen und der Überstand dann abgeschnitten. Zumindest bei dem PVA Leim habe ich aber so meine Zweifel, ob das langfristig eine gute Vorgehensweise ist. Aber es wurde halt in den Betrieb so gemacht. Danach wurde das Leder gebeizt und lackiert oder gewachst. Und evtl noch geprägt.
Mein Klavierbauer meinte mal, dass er die Leder am Klavier mit Fischleim befestigt. Das scheint mir noch eine gute Alternative zu Kleister zu sein. Zum einen ist die offene Zeit sehr lang, der Kleber ist etwas flexibel und die Klebekraft wird höher sein. Wäre mein Favorit für Tests, wenn ich selber so etwas machen müsste.
Aber inzwischen gibt es ja auch sehr viele Spezialkleber, die es damals noch nicht gab. Vielleicht wirst du da noch fündig.
 

welaloba

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Ich denke, ich habe sowas schon mit Fischleim gemacht - allein wegen der langen offenen Zeit. Das genannte Planatol käme wohl auch in Frage - und die mehreren Hände zum Strammziehen und mit schwerer Eisenrolle andrücken von innen nach aussen. Die Falze sollten vorher so gefräst sein, dass das nachher mit Leder flächenbündig ist. Und unbedingt Leimversuche anstellen .
 

uli2003

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Ich klebe viel Kupferfolie auf Span oder MDF. Das ist noch viel schwieriger als Leder.
Man legt bei großen Flächen die Materialien aufeinander, nimmt sich eine Rolle (z.B. aus Pappe) und zieht den Belag über die Rolle bis etwa zur Mitte zurück.
Jetzt wir die eine Seite besprüht, das Material mit der Rolle zurückgerollt und dann mache ich die andere Hälfte genauso wie die erste.
Damit ich keinen Knick bekomme, da ich ja nur bis zur Klebe-Klebe Verbindung zurück rollen kann, lege ich dort einen 10cm HPL Streifen dazwischen. Den kann ich rausnehmen wenn ich die andere Seite einsprühen möchte und muss daher nicht so scharfkantig bis zum Klebe’knick’ zurück rollen. Nein, der Streifen klebt nicht fest. Beim Leder sollte es auch ohne funktionieren.
Viele Hände sind das ungünstige was man machen kann. Jeder zieht woanders hin.
 

Rob*

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Hallo zusammen!

Vielen Dank für die vielen Erfahrungsberichte. Das hat mich ein gutes Stück in meiner Idee weitergebracht.

Ich werde auf jedenfall Muster machen, welchen Kleber ich endgültig verwende steht aber noch nicht fest.
Ich berichte die nächsten Wochen. Falls noch jemand Erfahrungen hat, die er teilen möchte, bin ich weiterhin offen.

Liebe Grüße von Robin
 
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magmog

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Guuden,

Wasser im Klebstoff ist ein gutes Mittel damit nach der Verklebung die zwei
unterschiedlichen Werkstoffe unterschiedlich verziehen.
Ergo wasserfrei verkleben, Sprühkleber z.B.. Beim auflegen Leder nicht ziehen.
Nach dem Verkleben formatieren, Schattenfuge am Rahmen anbringen.
oder als Leiste anleinen.
Oder Belag mit einem geführten Messer einschneiden (Adernschneider)
 
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flüsterholz

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Wasserhaltige Klebstoffe sind meiner Erfahrung nach kein Problem bei Leder. Manchmal sogar eher ein Vorteil. Das endgültige Zuschneiden sollte aber erst nach dem Trocknen geschehen. Auch das Befeuchten des (vegetabil gegerbten ungefärbten) Leders für Punzierungen u.ä. sowie das Färben mit Wasserbeizen ist noch möglich. Kritisch ist das finale Zuschneiden bei eingelegten Ledern. Die Kanten fransen immer noch etwas aus. Da eine Kantenbearbeitung nicht mehr möglich ist, bekommt man bessere Ergebnisse, wenn man leicht hinterschneidet. Kritisch sind auch die Ecken. Wenn irgend möglich mit dem Schnitt in den Ecken anfangen. Der Schnitt entlang der Rahmenkante oder an einem Schneidlineal wird auch nochmal eine ganz schöne Herausforderung werden. Das würde ich erstmal üben. So 2-3mm starkes Rindsleder auf die Länge sauber zu schneiden, ist nicht so einfach. Linoleum o.ä. wäre das sehr viel einfacher.

Edit, ich überlege gerade, ob es nicht einfacher wäre, das Leder erst auf einen anderen Träger zu kleben. Dann wäre Zuschnitt und Kantenbearbeitung viel einfacher. Dann nach Fertigstellung in den Rahmen kleben/Leimen.
 

bello

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Ich würde das Leder um die Kanten ziehen und etwa noch mindestens drei Zentimeter um die Kanten auf die Unterseite der Platte ziehen.
Dabei würde ich die Kanten schärfen, also etwa fünf Zentimeter auf der Unterseite das Leder dünner schaben. Das geht mit einem Ceranfeldschaber, ist aber eine Sauarbeit.
Den Planatol BB kann man deutlich mit Wasser verdünnen, dann lässt sich das Leder besser ausrichten.
Unbedingt das aufgezogene Leder mit einer gleich großen Platte abdecken und beschweren.
 

flüsterholz

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Das trägt dann aber doch an der Unterseite auf? Oder verstehe ich das jetzt falsch? Und das auf die Länge, besonders in den Ecken, gleichmäßig hinzukriegen... puh, würde ich mir nicht zutrauen. Und ich hätte sogar das passende Werkzeug dazu. Wenn das schiefgeht, sind gleichmäßig mal 150€ weg. Ok, wenn man es kann.
 

jochen-steini

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Habe vor kurzem Leder auf Holz geklebt.
Dazu den Kleber von Mah benutzt. https://www.mah.de/Spezialklebstoff-UN-1133-1-l-Dose-VOC-80/800X223
Ist ein spezieller Lederkleber und kommt aus dem Sattlerbereich.
Vorteil ist, dass dieser Kleber beim Leder nicht durchschlägt und sehr gut klebt. Auch kann er nochmals gelöst und wieder geklebt werden.
Dabei wird das Leder nicht zerstört.
Bei einer solchen großen Fläche würde ich immer in mehreren Schritten kleben - z.B. 20cm breit Leder und Holz einstreichen und drauf kleben. Um die Ecken ziehen und hinten verkleben. Fertig.
 

flüsterholz

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Es wäre interessant zu erfahren an was für ein Leder gedacht ist.
Ich habe immer fertige Buchbinderleder im Kopf, die sind dünner und gefärbt.
Für Schreibtischplatten nimmt man in der Regel schon 2,5 -3mm starkes Rindleder. Nur den Nackenbereich sollte man weglassen. Da ist das Leder meistens etwas wellig. Ich hab an einem kleinen antiken Damenschreibtisch auch schon mal Ziegenleder (oder war es Schaf?) gesehen. Üblich ist aber dickes Rindsleder.
 

weissbuche

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Von Möbeln kenne ich nur Möbelleder wie es auch von der örtlichen Ledergroßhandlung angeboten wird. Max. 2 mm dick und recht flexibel. Gibt es dort in verschiedenen Farben. Ich habe mal einen alten Schreibtisch zerlegt, da war das Leder garnicht verklebt. Unter dem Leder lag eine dicke, feste Pappe und das Leder war am Rand mit Ziernägeln befestigt. Ich hätte nach wie vor Bedenken bei wasserhaltigen Kleber. Wir haben mal Leder einfach mit PVAC-Leim aufgezogen, da hat das Leder die Platt ordentlich krumm gezogen beim Trocknen. Der von Jochen-steinig erwähnte Kleber hört sich interessant an, da würde ich mal nachfragen.
 

flüsterholz

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Ich habe mal einen alten Schreibtisch zerlegt, da war das Leder garnicht verklebt. Unter dem Leder lag eine dicke, feste Pappe und das Leder war am Rand mit Ziernägeln befestigt.
Das hört sich aber eher nach später mal selbstgebastelt an. Ich kann mich nicht erinnern, jemals einen Schreibtisch mit Pappe und Ziernägeln gehabt zu haben. (Wie schreibt man da anständig drauf?) Muss aber nichts heißen. Die wir in der Werkstatt hatten, waren alle geklebt. Geprägt, ja. Problem war da eher, dass der verwendete Glutinleim manchmal verschimmelt oder total bröselig war.
Möbelleder ist doch Polsterleder, oder?
 

weissbuche

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Die bei unserer Großhandlung unterscheiden die zwischen Polsterleder (eher dicker und wohl spezieller geerbt) und Möbelleder (eher dünner und flexibel). Möbelleder eben für Schreibtischeinlagen, Schubkastenausstattung und z.b. zum Bespannen von Schallschutztüren.
Selbstgebastelt konnte man bei diesen Schreibtisch ausschließen. War ein Meisterstück (1936) und so in der Zeichnung vermerkt.
 

flüsterholz

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Ok, 30er Jahre kann sein. So junge Möbel hatten wir nicht in der Werkstatt. Ich denk bei alt immer 19. Jhd und früher.
Möbelleder (eher dünner und flexibel). Möbelleder eben für Schreibtischeinlagen
Im 19Jhd und früher waren die jedenfalls dicker. So dünnes Rindleder kann ja nur Spaltleder sein o.ä. Damals wurde sicher noch Sattlerleder verwendet. Ich stell mir das komisch vor, auf so dünnem Leder zu schreiben. So dick ist ja gerade mal meine Handyhülle. Da müsste man ja fast die Holzmaserung durch spüren. Aber heute mit MDF etc ist das wahrscheinlich machbar.
 
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