Tragfähigkeit Fachböden/Tablare E-Modul

brubu

ww-robinie
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Hallo zusammen

In Statik bin ich nicht einmal Amateur.
Für starke Tablare verarbeiten wir ab und zu Tischlerplatten Stäbchen Spandeck weiss beschichtet. Die Platten sind extrem teuer geworden, der Händler hat mir
MFP Hybrid Platten empfohlen.

Um Vergleiche zu haben versuchte ich die Durchbiegung der Materialien mit Flächenlast zu rechnen. Das funktioniert anhand einfacher Fachliteratur gut.
Nun zum Hauptproblem, so wie ich sehe gilt je höher der E-Modul umso besser.

Fichte längs hat etwa E- Modul 10'000 N/mm2, quer nur 300 N/mm2, ist ja klar würde brechen bei Querbelastung.
Anders sieht es in den Datenblättern des Tischlerplatten Herstellers aus. Da wird die Richtung der Mittellage als Faserrichtung angegeben. (soweit normal und klar)

Die E-Modulwerte für 25mm Platten sind: Längs 2100 N/mm2 Quer 5600 N/mm2

Das verstehe ich nicht, längs als Faserrichtung viel schlechtere Werte als quer. Übersehe ich etwas oder ist es weil ich diese Berechnungen nie gelernt habe?
Den Plattenhersteller habe ich angeschrieben und sehr prompt die Datenblätter erhalten. Die Antwort auf die Frage wie beschrieben steht noch aus.

Kann mir hier jemand helfen? Ich gehe davon aus, dass ich damit nicht allein bin.

Herzlichen Dank und freundliche Grüsse
 

IngoS

ww-robinie
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Hallo zusammen

In Statik bin ich nicht einmal Amateur.
Für starke Tablare verarbeiten wir ab und zu Tischlerplatten Stäbchen Spandeck weiss beschichtet. Die Platten sind extrem teuer geworden, der Händler hat mir
MFP Hybrid Platten empfohlen.

Um Vergleiche zu haben versuchte ich die Durchbiegung der Materialien mit Flächenlast zu rechnen. Das funktioniert anhand einfacher Fachliteratur gut.
Nun zum Hauptproblem, so wie ich sehe gilt je höher der E-Modul umso besser.

Fichte längs hat etwa E- Modul 10'000 N/mm2, quer nur 300 N/mm2, ist ja klar würde brechen bei Querbelastung.
Anders sieht es in den Datenblättern des Tischlerplatten Herstellers aus. Da wird die Richtung der Mittellage als Faserrichtung angegeben. (soweit normal und klar)

Die E-Modulwerte für 25mm Platten sind: Längs 2100 N/mm2 Quer 5600 N/mm2

Das verstehe ich nicht, längs als Faserrichtung viel schlechtere Werte als quer. Übersehe ich etwas oder ist es weil ich diese Berechnungen nie gelernt habe?
Den Plattenhersteller habe ich angeschrieben und sehr prompt die Datenblätter erhalten. Die Antwort auf die Frage wie beschrieben steht noch aus.

Kann mir hier jemand helfen? Ich gehe davon aus, dass ich damit nicht allein bin.

Herzlichen Dank und freundliche Grüsse
Hallo,

ich weiß nicht, was es an so nem Regal hier groß zu berechnen gibt.
Seis drum.
Nun zu deinem Problem.
Die Decklagen bei der Tischlerplatte liegen ja quer zur Mittellage, tragen darum für die Biegefestigkeit bei Belastung quer zur Mittellage kaum was bei.
Anders herum tragen die Decklagen aber sehr viel, denn entscheidend ist die Dicke der Platte. Bei der Biegefestigkeit wird die Dicke zum Quadrat genommen. Doppelte Dicke, gleich vierfache Biegefestigkeit.

Gruß Ingo
 

brubu

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Die Decklagen bei der Tischlerplatte liegen ja quer zur Mittellage, tragen darum für die Biegefestigkeit bei Belastung quer zur Mittellage kaum was bei.
Anders herum tragen die Decklagen aber sehr viel, denn entscheidend ist die Dicke der Platte.
Danke Ingo
Das ist mir klar, aber es ist Spandeck und das hat keine Faserrichtung. Meine Berechnungen funktionieren ja, es geht nur darum wieso eine Tischlerplatte quer zur Mittellage einen wesentlich grösseren E-Modul haben soll als längs zur Mittellage.

Hier sind grobe, allgemeine Werte zu finden http://www.tischler-ole-welzel.de/Holzwerkstoffe/EModule.pdf ganz unten die Tischlerplatten.
Da sind die Werte längs höher als quer was eigentlich normal sein sollte.

Es geht hier nicht einfach um viel Theorie sondern darum ob und wie man sehr teures Material einsetzen soll. Wenn ich bei uns übliche Bundesordner wiege komme ich auf Lasten von 64kg/m Fachboden.
Aus diesen Gründen will ich Vergleiche anstellen was sich eher lohnt. Zudem sind wir ein Betrieb und können nicht einfach etwas machen.
 

DZaech

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Wirklich Interessant und irgendwie nicht ganz logisch, in der Tat :emoji_thinking: Evtl. ein Fehler und man hat die Werte aus dem Datenblatt der Okoume/Gabun Platten rüberkopiert, dort wird als Platten-Länge nämlich immer die Laufrichtung der Decklage angenommen.

Ich würde einfach bei SWL per Mail anfragen weshalb das so ist. Einer da wirs sicherlich erklären können, die sind sehr kompetent im Bereich Tischlerplatten
https://www.s-w-l.com/german/kontakt/kontakt.php
 

Daniboy

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Hier ist das Datenblatt von Stab Platten, die Werte sind leicht höher als bei den Stäbchenplatten aber gleich bezeichnet.
Die Werte sind quer viel höher als längs, das verstehe ich nicht.
https://www.leubahiag.ch/storage/me...07_TEC_Datenblatt_STAB_Span_Melamin_25_mm.pdf

Unterhalb der Tabelle steht, die Werte beziehen sich auf die Faserrichtung der Mittellage.

Hallo @brubu - ich hab das jetzt mal durchgerechnet, und komme auch auf die von dir schon vermutete Annahme, dass die Platte mehr aushält, wenn die außeren Fasern der Länge nach von Auflager zu Auflager gehen (das deckt sich in etwa mit den Zahlenwerten aus dem Datenblatt).

(Ich habe dazu die E-Module "harmonisiert" und geometrische "Ersatz-Vergleichs-Querschnitte" gebildet...)

Das ist auch das was das Bauchgefühl sagt bei den Proportionen mit Außenlagen je 5mm und dazwischen 15mm, dass hier die Außenlagen viel mehr bringen wenn diese in der günstigen Richtung liegen.
Anders wäre es wahrscheinlich, wenn die Außenschicht nur ein hauchdünnes Furnier wäre.

Meine Vermutung zu dieser Art der Angabe ist, dass das einfach eine doofe Art der Angabe ist. Sie ist sprachlich verkürzt und kann aus dem Bauch heraus genau umgekehrt angenommen werden. (Weil was heißt denn "Biegefestigkeit längs" und "Biegefestigkeit quer" das muss man ja genauer definieren was damit gemeint ist).

Diese Konvention/Art der Angabe wird ja in ähnlicher Art auch gemacht bei den normalen Tabellenwerten von Fichtenholz - siehe zB
https://www.schweizer-fn.de/festigkeit/festigkeitswerte/holz/holz.php#nadelvollholz

Da steht als Angabe zB
"E-Modul [parallel-Zeichen] Faser = 11.000 N/mm²" und
"E-Modul [rechtwinkelig-Zeichen] Faser = 370 N/mm²"
Auch bei dieser Angabe hätte ich das aus den Bauch heraus genau anders herum geschrieben, aber das wird offenbar in allen Tabellenbüchern so angegeben.

Meine Zusammenfassung: Alles OK, nur doofe Schreibweise.
 
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brubu

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Danke die Anfrage läuft seit gestern Vormittag, nun dauert es wohl.
Die haben die Angaben wohl bei allen Produkten so, der Händler schaute andere Platten an und gab mir ähnlich verkehrte Werte durch.
Ich finde es sehr speziell bei einem so grossen Hersteller.
Meine Vermutung zu dieser Art der Angabe ist, dass das einfach eine doofe Art der Angabe ist. Sie ist sprachlich verkürzt und kann aus dem Bauch heraus genau umgekehrt angenommen werden. (Weil was heißt denn "Biegefestigkeit längs" und "Biegefestigkeit quer" das muss man ja genauer definieren was damit gemeint ist).
Danke aber dazu steht unter der Datentabelle "bezogen auf die Faserrichtung der Mittellage"
Längs und quer, bzw. rechtwinklig sind bei Holz klar, auch im Holzbau.
Meine Zusammenfassung: Alles OK, nur doofe Schreibweise.
Geht gar nicht, schon gar nicht bei einem grossen Hersteller alles verkehrt zu bezeichnen. Vielleicht folg noch eine Begründung.
"E-Modul [parallel-Zeichen] Faser = 11.000 N/mm²" und
"E-Modul [rechtwinkelig-Zeichen] Faser = 370 N/mm²"
Das ist richtig und stimmt so. So habe ich es aus anderer Quelle ähnlich. Siehe Zitat:
Fichte längs hat etwa E- Modul 10'000 N/mm2, quer nur 300 N/mm2, ist ja klar würde brechen bei Querbelastung.
In diesem Link, Tischlerplatten ganz unten ist es allgemein gehalten auch richtig.
Warten wir ab ob eine Antwort vom Werk kommt.

Nachtrag: Mit den Decklagen hat es nichts zu tun, das ist Spanplatte ohne Faserrichtung.
 

Daniboy

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Nachtrag: Mit den Decklagen hat es nichts zu tun, das ist Spanplatte ohne Faserrichtung.
Sorry, das hab ich überlesen, aber wenn bei beiden Varianten die Decklagen gleich sind, dann ist ja nur die Mittellage relevant und es ist dann ohnehin klar, welche Ausrichtung stabiler ist.

Die Span-Deckschichten schwächen allerdings den Unterschied stark ab.
Ohne die Deckschichten wäre ja der Unterschied in der Steifigkeit ca 300/11000=1/37 (quer/längs)
Durch je 5mm Span ergibt sich laut Hersteller ca 2100/5600=1/2.7 (quer/längs)
Ich komme auf ca 1/2,4 (quer/längs wenn ich für Span 2000N/mm² nehme)
 
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brubu

ww-robinie
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Danke, die Werte sind immer etwas unterschiedlich je nach Produkt und Hersteller, allein Holz ist nicht homogen. Es geht ja nicht um das letzte N/mm2.
Die Antwort vom Werk fehlt immer noch.
 
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