Wie kann man eine Lackierung nachträglich glänzender machen?

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Hallo,

mein Problemfall ist eine etwa 100 Jahre alte englische Mahagonie-Sitzgruppe (mit Intarsien), die von einem Handwerksbetrieb restauriert wurde.
Ursprünglich hatte sie einen Schellack-ähnlichen glänzenden Lack ausser an abgenutzten Stellen, wie den Armlehnen.
Für die Restaurierung riet man mir von einem Hochglanzlack ab, da dadurch die vorhandenen Macken und Dellen im Holz auffällig werden würden und auch Farbunterschiede im Holz deutlicher sichtbar wären.
Es wurde eine Seidenglanz-Lackierung vorgeschlagen.
Nun ist die Sitzgruppe fertig, aber der Lack ist viel zu matt geworden. Er sieht irgendwie milchig aus und ich kann kaum einen Glanz erkennen.
Da der Handwerksbetrieb eine Korrektur ablehnt, stellt sich mir die Frage:

Ist das irreparabel oder Könnte man dem Lack doch noch zu einem glänzenden Aussehen verhelfen.
Was müsste man tun, um einen Glanz zu erzielen und welche Geräte und Mittel bräuchte man.

Es wäre toll, wenn noch Hoffnung auf Besserung des Aussehens bestünde, denn im jetzigen Zustand hat die Sitzgruppe ihre Schönheit und Ausstrahlungskraft eingebüßt.
 

Hunzenstrunz

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seidenglanz sollte imho nicht "milchig" sein und wenn ein seidenglanzlack milchig ist ist irgendwas wohl schief gelaufen ...
 

WinfriedM

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Milchig wundert mich auch, wobei viele moderne Lacke natürlich nicht so brillante Ergebnisse bringen, wie Schellack das kann. Wenn du da von Schellack verwöhnt bist, kann ich mir etwas Enttäuschung jetzt schon vorstellen.

Mitunter kann man Lacke aufpolieren, ähnlich wie man das bei stumpfen Autolacken macht: Eine Politur, die ganz feine Schleifkomponenten beinhaltet. Ausprobieren kann man das sicherlich an einer unauffälligen Stelle mit so einer Autopolitur. Je nach Lack sollte man aber auch erstmal warten, bis der gut durchgehärtet ist, mitunter 3-6 Monate nach Auftrag.

Andere Möglichkeit wäre, einen Wachs aufzutragen und zu polieren, z.B. Briwax.
 

Rühl

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Frage mal nach ob es ein wasserbasierter Lack war.

Milchig kann durch zu viel Lackauftrag enstehen.

Den Glanzgrad könnte man auch durch nachlackieren mit Hochglanzlack des gleichen Lacksystems erreichen.
 

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Vielen Dank für die Anregungen.

Das "Nachlackieren mit Hochglanzlack" wird wohl nicht machbar sein, weil die Stücke ja auch schon neu gepolstert sind.
Da sehe ich schon eher Chancen für ein "Aufpolieren".
Hat das schon mal jemand mit einer Autopolitur gemacht?

A pro pro "Polieren": Wie ist dieser Begriff eigentlich zu verstehen?
In der vom Handwerksbetrieb erstellten Beschreibung des Auftrags für die Restauration stand, dass die Möbel poliert werden.
Ich hatte mir darunter vorgestellt, dass nach dem Lackieren ein weiterer Arbeitsgang folgt, in dem mit einem Poliermittel die lackierte Oberfläche glatt und glänzend gemacht wird.
Der Handwerker behauptet, mit "polieren" sei gemeint, dass man eine Seidenglanz-Lackierung aufträgt.
Stimmt die Aussage des Handwerkers oder will er sich mit der Behauptung nur vor dem weiteren Arbeitsgang drücken?
 

WinfriedM

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Polieren kenn ich in dem Zusammenhang nur mit Schellack, der aufpoliert wird, d.h. flüssig mit einem Ballen aufgebracht wird. Es ist also ein anderes Auftragsverfahren, was aber fast ausschließlich mit Schellack gemacht wird. Und sowas würde dann mindestens Faktor 10-20 mal teurer sein, weil sehr zeitaufwändig.
 

bello

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Hallo Gast,

im Endeffekt wird mit 8000er bis 11000er Politur gearbeitet. Lies dir doch bitte die entsprechenden Anwendungen unter www.festool,de durch.
 

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Vielen Dank an Alle für die informativen Links !!

Das hat mir schon ein ganzes Stück weitergeholfen.
Theoretisch weiss ich jetzt, wie man polieren sollte.
Bei Festtool habe ich bei den neuen Anwendungsbeispielen zum Thema "Hochglanzpolieren auf Holzoberflächen" auch eine genaue Anleitung gefunden.
Bevor ich das praktisch umsetzen kann, muss ich aber zuerst einmal einen Verleiher für den Exzenterschleifer in der Nähe finden, denn die Festtool-Geräte haben ja doch einen stolzen Preis.
 

bello

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Dann such doch erst einmal bei Festool nach Poliervorsätzen für Akku_Schrauber. Ich glaube die haben so etwas. Ich könnte mir vorstellen, daß die Rotex etwas überdimmensioniert ist für eine filigrane Armlehne. Ich habe bisher die Rotex nur für Flächen eingesetzt.

Gruß
 

derdad

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Guten Morgen!
Polieren- Politieren
Diese beiden Begriffe werden manchmal durcheinandergeworfen. Politieren ist ein Oberflächenverfahren bei dem Material AUFGETRAGEN wird. Wie z.B. bei Schellack. Polieren hingegen ist ein Verfahren bei dem Material ABGETRAGEN wird. Die leichten Unebenheiten der Oberfläche werden so lange mit allerfeinstem Schleifmittel geschliffen bis der Glanz erreicht ist.

Bei Schellackoberflächen wird vielfach von einer polierten Fläche gesprochen, es ist aber eine politierte.
Leider haben verschiedene Firmen auch noch ihre eigenen Bezeichnungen für Oberflächen.

gerhard
 

welaloba

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Aufpolieren

Hallo, du müsstest erst mal rausfinden, was für ein Lack aufgetragen wurde. Wenns etwas wasserbasiertes ist, könnte alles Bemühen sinnlos sein. Dann konnt der Glanz mit der Zeit durchs Benutzen. Man könnte allerdings auch einen Versuch mit einem gut gehärteten Möbelwachs starten. Danach geht allerdings nichts anderes an Oberflächenbehandlung.
Wenns ein Nitrolack ist, könnte man durchaus mit Clou 500 Cellulosemattierung was machen. Vorgehen: Vorsichtig entfetten - besonders die Armlehnen - evtl. mit Benzin oder Reinigerpolitur wie Hochglanzpolitur von Zweihorn...
dann den Lack etwas mit Schleifvlies abreiben (glätten) und Clou 500 in dünnen Schichten mit Ballen nach Anweisung auftragen. Wenn du so was noch nie gemacht hast, erkundige dich bei clou.de, da sollte es PDF Handbücher geben. Ist mir eigentlich ein geläufiges Verfahren, vor allem bei fertig bezogenen Sitzmöbeln.
Anmerkung: Du willst nicht wirklich mit irgendwelchen Schleifmaschinen an intarsierten Stühlen rummachen...
Gruß WL
 
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