Welche Holzart lässt sich gut biegen?

Dieses Thema im Forum "Neuling fragt Profi" wurde erstellt von Mirjam, 16. November 2008.

  1. Mirjam

    Mirjam ww-pappel

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    Ich möchte mir selbst Holzrahmen-Schneeschuhe bauen. Dabei möchte ich aber nicht draussen Haselstöcke abschneiden müssen, sondern auf Holzleisten (z.Bsp. aus dem Baumarkt) zurückgreifen.

    Die Schneeschuhe werden eine Tropfenform haben, ich muss diese Leisten (ca. 120 cm lang) also biegen. Welches Holz eignet sich am besten dafür? Esche?

    Wie bereite ich das Holz mit den bei mir vorhandenen "Hausmittelchen" auf das Biegen vor? Über Nacht in Wasser einweichen?

    Welche Dicke sollte die Leiste haben, damit sie weder an der Biegung noch an den Bohrungen (für das Geflecht) bricht? 10 x 20mm?

    Fragen über Fragen - vielleicht weiss ein Holzprofi Rat... vor allem bei der Wahl der idealen Holzart für dieses Vorhaben bin ich etwas ratlos.

    Vielen Dank
    Mirjam
     
  2. Meisterlich

    Meisterlich ww-birke

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    Hallo Miriam,

    da ich gerade hier bin geb ich mal meine Art und weiße wie ich deinem Problem auf den Leib rücken würde zum besten.

    Also zur Holzart : Du liegst schon ganz gut mit der Esche denn die langen Fasern der Esche sind sehr Robust so werden zum Beispiel auch Beilstiele oder Pfeilebögen daraus gebaut. Neben Esche natürlich auch aus Eibe ( was im Baumarkt weniger gut zu erwerben sein dürfte).

    Also wenn ich Formen herstelle mach ich das meist über mehrere Holzschichten also aus mehreren dünnen leisten ca 3 - 4 mm die in der Form miteinander Verleimt werden wie sie später werden sollen.
    Für Schneeschuhe natürlich Wasserfesten leim verwenden.

    Ich würde so vorgehen du schneidest dir eine Schablone z.B. aus Spanplatte wie dein Schneeschuh später aussehen soll dann nimmst die 3 - 4 mm Escheleisten , einfach mal ausprobieren welche stärke sich etwa so biegen lassen wie du das wünschst ( 3 - 4 Leimfugen also 4- 5 Leisten würde ich schon nehmen) , Leim dazwischen und dann mittels Schraubzwingen an bzw um die Schablone gezwungen.
    Das ganze dann mind. über nacht liegen lassen und ausspannen.
    Der Leim hält die leisten dann in der Form.

    viel spaß beim basteln mfg Mario
     
  3. dascello

    dascello ww-robinie

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    Liebe Mirjam,

    und jetzt meine Art:

    Die Leisten (Buche geht auch) in ein PU-Rohr "hängen" (mit Draht oder Nylonschnur, dass sie nicht an der Innenwand anliegen). Dann das PU-Rohr (so was vom baumarkt, für Abflussrohre) auf den Ausguss eines Wasserkessels stecken und auf der Herdplatte kräftig Wasser kochen, dass der Dampf durch das Rohr nach oben zieht. So ungefähr ne Stunde müsste reichen.

    Während der Zeit fertige ich mir auf ner alten beschichteten Spanplatte eine Form: Ich zeichne an, wie es werden soll, dann schraube ich holzklötzchenpaare so drauf, dass man die Leiste dazwischen fixieren kann. Immer der Kurve nach.

    Wenn Das Wasser gekocht ist, die heiße Leiste rausnehmen. Sie lässt sich jetzt problemlos biegen und in die Form legen. Eventuell eine Lasche drüber schrauben, damit sie nicht raushüpft.

    Eine Woche trocknen sollte reichen.

    Geht auch mit Nussbaum. Was anderes (außer, ok, Zypresse) hab ich noch nicht probiert. Kirsche sollte aber auch gehen.

    Viel Spaß


    Michael
     
  4. undertaker112

    undertaker112 ww-buche

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    Natürlich kann man Buche biegen - aber die Anwendung paßt ja wohl gar nicht !!!
    Das Beste wird die Esche sein - vom Biegen und von der Beständigkeit gegen Feuchtigkeit
     
  5. Mirjam

    Mirjam ww-pappel

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    Super, danke. Das hört sich sehr gut an mit der Esche. Bekomme ich ja auch überall.

    @ Meisterlich: Müssen die 3-4mm Leisten vorbehandelt werden vor dem Biegen? Bedampft oder gewässert?

    @ dascello: Könnte man den „Dampfprozess“ auch durch Einweichen über Nacht, z.Bsp. in der Badewanne, ersetzen?

    Vielen Dank
    Mirjam
     
  6. dascello

    dascello ww-robinie

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    Das Dämpfen ist effektiver, da die Hitze ihr Übriges tut.
     
  7. gleiter

    gleiter ww-robinie

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    Hi!

    Einweichen und Dämpfen sind zwei verschiedene Sachen und absolut nicht vergleichbar miteinander.

    Zum Dämpfen habe ich mir ein dünnes Ofenrohr besorgt, hat gerade mal 6 cm Durchmesser. Und ich stopfe oben einen Lappen rein, unten an der Tülle des Wasserkessels verschliesse ich das Rohr ebenfalls mit einem Lappen. Damit das Dämpfgut nicht anlieget am Rohr, verspreize ich das Material mit ein paar Holzklötzchen.

    Wenn Du dämpfst, muß danach alles superschnell gehen, d.h. Schablonen und Zwingen müßen bereit liegen, manchmal ist es auch besser zu zweit zu arbeiten.

    Und ich lege immer ein dünnes (angewärmtes) Stahlband an die Aussenseite des Biegegutes, das verhindert ein Reissen der äußeren Fasern des Holzes, im schlimmsten Fall kann Dir nämlich auch die Leiste glatt brechen wenn sie nicht fasergleich oder der Radius recht eng ist.
     
  8. Mirjam

    Mirjam ww-pappel

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    @ gleiter: Wie befestigst Du das Stahlband an der Aussenseite? Mit Zwingen?
     
  9. dascello

    dascello ww-robinie

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    tschuldigung, undertaker. :mad:

    Doch bedenke: Der Ton macht die Musik!


    MB
     
  10. gleiter

    gleiter ww-robinie

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    @ Mirjam: Gar nicht. Ich nehme das Holz aus dem Rohr, lege es auf das Band und bringe Beides gemeinsam in die Form ein.
     
  11. Meisterlich

    Meisterlich ww-birke

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    Hi Mirjam,

    nein brauchst du nicht vorher einweichen je nach radius musst du eben die stärke der Holzleisten wählen.
    Und wie vorher schon bemerkt mag das mit dem Dämpfen auch mit Buche gehen aber Buche fault dir schneller unter den Füßen weg wie du an deinem Wanderziel ankommst :emoji_slight_smile:
    Net zu Herzen nehmen Dascello.
     
  12. Wurm2008

    Wurm2008 ww-fichte

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    Hallo Mirjam,

    Esche ist am besten, das mit dem Dämpfen und Stahlband auch. Du mußt es nur etwas
    weiter biegen, damit es die Form behält die Du möchtest, da es um 1 - 2 cm zurück geht.

    Gruß
     
  13. raftinthomas

    raftinthomas ww-robinie

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    ich halte esche auch für die beste holzart für das unterfangenen. sie ist einfach stabiler, flexibler und dauerhafter.
    aber ich glaube nicht, das buche völlig ungeeignet ist. ich gehe mal davon aus, dass solchen schneeschuhen etwas pflege zuteil wird, und sie nach der benutzung nicht nass im wald gelagert werden, sondern zum trocknen aufgehängt. und dann sollte das auch mit buche gehen.
     
  14. Wurm2008

    Wurm2008 ww-fichte

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    Hallo Thomas,

    aus was sind wohl die alten Ski. Esche behällt die Form konstanter und ist in der
    Federung stabiler.

    Gruß
     
  15. Stick6969

    Stick6969 ww-ulme

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    Hi,

    Als einer, der zero Checkung von Schneeschuhen hat, wäre meine erste Überlegung, ob ich nicht auf Weidenruten zurückgreifen würde. Die sind schön elastisch, extrem biegsam und man kann sie sogar verknoten und dqas alles ohne Dampf und so. Und im Sommer stellt man die guten Stücke ins Wasser und mit ein bissken Glück schlagen sie wieder aus und werden wieder grün.:emoji_grin:

    so long

    Stick
     
  16. Meisterlich

    Meisterlich ww-birke

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    Hi Leute ,

    was haltet ihr aus der Kombination der hier vorgeschlagenen Methoden?? Erst dämpfen so könnte die Dame das Holz besser biegen und aus dem mehrschichtigen Aufbau mit Leimfugen.
    Hab noch nie holz gedämpft um es zu formen aber meine Wissenslust is so groß das ich wohl baldmöglichst mal einen Versuch starten werde.
    Meine Wissenslücke besteht nun noch darin wie lange das Holz nach dem dämpfen biegbar ist hab in den vorherigen Beiträgen gelesen das dies recht schnell gehen muss. Was heißt recht schnell reicht es um drei bis vier leimfugen mit zwischen zu packen?? Und was mich auch noch interessieren würde wenn ich das mit dem System Schablone mit Holzklötzchen mache wird das ganze dann auch eine runde Sache oder eher eckig (an den Stellen der Holzklötzchen).
    Sorry sollte mich hier vielleicht nicht so outen aber man lernt eben gern dazu....

    gruß mario
     
  17. gleiter

    gleiter ww-robinie

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    Also das habe ich noch nie probiert - Leisten dämpfen, leimen, und zusammen in die Form geben.

    Wenn schon, dann würde ich die gedämpften Leisten erst biegen und nach dem Trocken verleimen.

    Zudem wirkt der Leimauftrag wie eine Kühlung, und das gilt es zu vermeiden.

    Und Du mußt wirklich schnell sein, besser noch schneller. Wenn Du die Leisten rausnimmst, zur Seite legst um die Form in Position zu bringen, die Zwingen oder Keile zusammen zu suchen, vielleicht auch noch einen Schluck Kaffee nehmen - kannst wieder von vorne anfangen. War zumindest meine Erfahrung mit einem etwas stärkeren Holz.

    Die Abstände der Klötzchen sollten schon nicht all zu weit voneinander sein, je enger, je näher.

    Und wenn es eckig wird kannst Du erst wieder von vorne anfangen, dann ist Dir nämlich die Leiste gebrochen.

    Gruß, André.
     
  18. Meisterlich

    Meisterlich ww-birke

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    Danke für die doch unterhaltsame Aufklärung.... was ist schnell oder schneller viertel std halbe std... oder was??

    danke für die geduld :emoji_grin:
     
  19. gleiter

    gleiter ww-robinie

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    Halbe Stunde - schon verloren.

    Alles vorbereitet haben - Leiste(n) aus dem Dämpfrohr nehmen - (ev. gemeinsam mit der Stahlleiste) in die Form geben - zwingen oder keilen - Schweiß von der Stirn wischen.

    So schnell ist schnell. :emoji_slight_smile:
     
  20. Mirjam

    Mirjam ww-pappel

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    Danke Mario... lerne mit Dir und bin ebenfalls auf weitere Antworten, Tipps und Tricks gespannt!

    Gruess
    Mirjam

    PS: Hier bei mir zu Hause liegt nun Schnee - fehlen nur noch die Schneeschuhe :emoji_wink:
     
  21. gleiter

    gleiter ww-robinie

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    Hallo!

    Ich hab' mal ein Arbeitsprotokoll rausgesucht und stelle das diesbezügliche Bild ein.

    Deckplatte Buchenleiste 20 x 20 mm Dämpfzeit 2 Stunden.

    Im Offenen Bereich links Abschlussleisten in Birke 18 x 18 mm Dämpfzeit 2 Stunden.

    Im Sockelbereich Birke 30 x 30 mm Dämpfzeit 3,5 Stunden.

    Tür rechts Birkenleisten 60 x 20 mm hochkant Dämpfzeit 3,5 Stunden.

    Türgriffe Birkenleisten 20 x 15 mm hochkant Eine Stunde.

    Bei den Türgriffen war die Dämpfzeit eindeutig zu kurz, in Relation war der Rücksprung sehr groß. Die Buche kam ganz gut hin, trotzdem war ich froh vorher eine Nut eingeschnitten zu haben, mit der blinden Feder habe ich die Verleimfläche doch beruhigend vergrößern können. Bei der Tür hatte ich einen Rücksprung von 20 mm eingerechnet, real waren's dann 15 mm, ging gerade noch.

    [​IMG]

    Gruß, André.
     
  22. Philipp

    Philipp ww-kirsche

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    Hallo Mirjam,

    Esche ist der Klassiker, das wurde hier schon mehrfach richtig gesagt. Esche ist aber nicht sonderlich fäulnisresistent, d.h. die Schneeschuhe bedürfen einer gewissen Pflege (Ölen und Lackieren, schadhafte oder anfaulende Stellen schnell nachbehandeln).

    Ich verleime diese Tage einen Faltbootsteven aus ungedämpften Kastanienleisten, 3 und 4 mm dick. Die lassen sich auch kalt gut biegen und sind v.a. sehr witterungsresistent. Den engen Frontradius eine Schneeschuhs würden sie aber ohne Dämpfung wohl kaum mitmachen.

    Du könntest auch Starkfurnier nehmen, so ab 1,5 mm Dicke. Mit ein bißchen Glück kann man so etwas über Ibäh bekommen. Ich habe mir einmal aus Furnier (Macoree und Rüster) einen Angelkescher gemacht, der bei einer Stärke von nur ca. 10 mm dennoch äußerst stabil ist.

    Wenn Deine Schneeschuhe vorne hochgezogen seni sollen, so wie bei modernen SS der Fall, dann wird die Sache schon bedeutend schwieriger.

    Viel Erfolg und bitte berichte hier von Deinen Ergebnissen, Erfolgen, Fehlschläge usw. Wir lernen alle gerne dazu! Wie baust Du die Bindung?

    Viele Grüße

    Philipp
     
  23. dascello

    dascello ww-robinie

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    Leute, Leute,

    ich wollte die Buche ja gar nicht als Material für Schneeschuhe ins Spiel bringen. Ich hab nur beschrieben, wie man Holz biegt (als Alternative zum vorher vorgeschlagenen Laminieren). ....und dass ich das mit Buche und anderen Hölzern schon gemacht hab. Nicht mehr.

    Gruß vom ruhig fließenden Rhein


    Michael
     
  24. Mirjam

    Mirjam ww-pappel

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    Hier wie gewünscht meine Erfahrungen und ein Bild. Da ich im Baumarkt keine Esche gefunden habe und mir der Gang zum Schreiner vorerst zu aufwändig war, habe ich es mit einer Buchenleiste (8x20) probiert. Resultat: Liess sich nach 36 Stunden im kalten Wasser eingelegt problemlos biegen (ohne angelegte Metallleiste, ohne vorgefertigte Form. Einfach nur eine Schnur drum und immer mehr angezogen).

    @Philipp: Da der Schneeschuh nur für flaches, problemloses Gelände geeignet sein soll, habe ich auf eine komplexe Bindung verzichtet. Eine einfache Schnurbindung reicht vollkommen aus. Es ist aber jederzeit möglich, unten auf die Querstreben Metallzacken zu montieren.

    Danke für Eure Tipps.

    Gruss
    Mirjam
     

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