Wanderstab / Spazierstock herstellen und "optimieren"?

Schamass

ww-kiefer
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Hallo zusammen,
ich hab da ein paar Fragen, die sich grob um das Thema "Wanderstab" drehen...
Ich würde mir gerne den ein oder anderen Wanderstab herstellen und würde dabei aber gerne auf das "Spazierstock-Holz Nr.1" Hasel verzichten.
Aktuell habe ich mir einen Ast Schlehenholz geschnitten (wuchert wie Unkraut im angrenzenden Grundstück) und versuche damit mein Glück.
Schlehenholz gilt ja generell als zähes Material (hart und dennoch flexibel) und bringt durch die ganzen Dornen- und Astauswüchse auch eine interessante Optik mit sich. Allerdings hat sich der Stock, der auf den ersten Blick ziemlich gerade war, im Nachhinein doch als regelrechter "Flitzebogen" entpuppt.

Jetzt würde ich gerne diese Grundbiegung begradigen, aber ich weiß nicht genau, wie (und ob) man sowas mit einfachen Hausmitteln hinbekommt.
Ich habe bereits versucht, das Holz mit dem Heißluftfön zu erhitzen und dann mit Zwingen in Gegenrichtung der Biegung "überdehnt" festgespannt abkühlen zu lassen, aber das hat nur so leidlich funktioniert (hab ich irgendwo im Netz aufgeschnappt und ausprobiert).

Vermutlich wäre "Dämpfen" und dann in Form spannen und trocknen lassen das Mittel der Wahl, aber dazu bräuchte ich dann auch die entsprechenden Materialien/Vorrichtungen, und das Ganze würde sich über Tage hinziehen.
Achja, lässt man bei sowas eigentlich die Schale dran, oder entfernt man die Schale, dass die Feuchtigkeit schneller entweichen kann?
Funktioniert das ganze auch mit frisch geschnittenem Holz, oder muss das Holz erst getrocknet sein bevor man anfängt, daran herum zu "optimieren"?

Vielleicht gehe ich am besten einfach raus und schneide mir einen neuen Stock, der gerader ist...
Aber mich würde dennoch interessieren, wie man sowas am "billigsten" macht (also mit geringst möglichen Aufwand).

Zusatzfrage:
Was käme denn sonst noch als interessantes heimisches Holz für so einen Stock in Frage (außer Hasel)?
Ich dachte unter anderem auch an Robinie ("Akazie"), habe aber ein bisschen Respekt vor dem Handling, weil das Zeug ja doch eine gewisse Giftigkeit aufweist.

Auf jeden Fall schon einmal Vielen Dank für die kommenden Antworten.
 

IngoS

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Hallo,

vom Wanderstab wird eigentlich immer die Borke entfernt und am besten gleich, dann geht es noch leicht.
Langsam trocknen ist wichtig, sonst bekommst du Längsrisse.
Robinie ist nicht so problematisch. Du willst die Späne ja nicht essen.
Übrigens ist Eibe eher noch giftiger.
Zum Biegen, nur etwas warm machen wird nicht reichen. Die Teile müssen im Dampf durch und durch erwärmt werden.
Vorrichtungen dafür kannst du dir im Netz anschauen.

Gruß Ingo
 

Schamass

ww-kiefer
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Zum Biegen, nur etwas warm machen wird nicht reichen. Die Teile müssen im Dampf durch und durch erwärmt werden.
Angeblich (lt. dubioser Netzquelle) wäre hauptsächlich die Hitze dafür verantwortlich, das Lignin im Holz aufzuweichen und beim Dämpfen wäre der Dampf nur eben der "Temperatur-Träger". Ich glaube eigentlich selbst, dass der gewünschte Effekt sich nur durch Hitze in Verbindung mit Feuchtigkeit erzielen lässt... warum sonst machen das alle mit Wasserdampf?!
Aber die Heißluft-Fön-Methode war halt verführerisch einfach - hätte ja auch klappen können. :emoji_innocent:
 

IngoS

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Angeblich (lt. dubioser Netzquelle) wäre hauptsächlich die Hitze dafür verantwortlich, das Lignin im Holz aufzuweichen und beim Dämpfen wäre der Dampf nur eben der "Temperatur-Träger". Ich glaube eigentlich selbst, dass der gewünschte Effekt sich nur durch Hitze in Verbindung mit Feuchtigkeit erzielen lässt... warum sonst machen das alle mit Wasserdampf?!
Aber die Heißluft-Fön-Methode war halt verführerisch einfach - hätte ja auch klappen können. :emoji_innocent:
Hallo,

Mit nem Föhn bekommst du das Holz doch nicht bis zum Kern gleichmäßig durcherwärmt und das auch noch auf ganzer Länge.
Wenn es so einfach ginge, glaube mir, alle würden es so machen.

Gruß Ingo
 
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ClintNorthwood

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@Schamass, innerhalb von 6 min ausprobiert?
Wenn dies mein Problem wäre, würde ich glatt einen oder Tauchsieder kaufen und das ganze ausreichend lange kochen.
Doch wenn das klappen sollte, würde das ja jeder so machen machen.
Wie man das dann im kochenden Wasser gleichzeitig biegen kann, darüber würde ich mir später Gedanken machen.

War auch nur so ein kurzer Gedanke und kein Tipp.
 

Schamass

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Hmmm... vermutlich war ich einfach zu ungeduldig bei meinem Fön-Versuch, und hab auch versucht, einen zu großen Bereich zu erwärmen.
Der gute Mann hier zeigt tatsächlich, dass (und wie) das auch mit einem Fön geht. Allerdings macht er das Holz auch nass, aber wohl nur, dass es nicht anbrennt: https://www.youtube.com/watch?v=tUxdazP_cq0
Ich glaube, ich muss das einfach mal mit etwas mehr Muse angehen.
 

derdad

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Ob man bei so Dimensionen wie bei einem Wanderstock die Borke oben lässt oder nicht, ist eher eine Sache der Optik. Es reisst bei langsamer Trocknung sicher nicht. Bei meinen Jagd- und Bergstöcken aus Hasel hab ich sie oben gelassen und erst am Schluss den Stock glatt geschliffen. Das ergab einen guten Kontrast von Borke zu Ästen. Ich hab nach dem "Fällen" die Stöcke 1 Jahr im trockenen Keller stehen lassen, dann waren sie Gebrauchstrocken.
Dampfvorrichtungen lassen sich sehr einfach und günstig machen. Man findet dazu viele Videos im Netz. Du kannst auch versuchen den Stock mit einem Heissluftfön zu biegen.
Hab gerade gesehen, das hat schon jemand vorgeschlagen. Man muss nicht den ganzen Stock durch und durch erwärmen oder dämpfen. Das muss nur bei Teilen geschehen die gleichzeitig in mehrere Richtungen gebogen werden, und enge Radien aufweisen. Zum geradebiegen eines Stockes reicht es die hohle Seite zu erhitzen. Ich habe es kurz in dem Thread erklärt, in dem es ums Durchfärben und Biegen von Furnier ging.
Bin gerade etwas in Eile. Versuche später eine genauere Beschreibung zu geben.
LG Gerhard
 

derdad

Moderator
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Zufällig gesehen. Ist das vielleicht irgendwie realistisch oder kompletter Dumfug?
Ich habe einmal irgendwo gesehen, dass Holz für Sockelleisten einer besonderen Behandlung unterzogen wurde und man es dann relativ problemlos an runde Mauern anpassen konnte. Ich glaube, es wurde komprimiert und chemisch behandelt. Es ist aber schon so lange her, genauere Details weiß ich nicht mehr.
LG Gerhard
 

FJ26

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Hallo zusammen,
ich hab da ein paar Fragen, die sich grob um das Thema "Wanderstab" drehen...
Ich würde mir gerne den ein oder anderen Wanderstab herstellen und würde dabei aber gerne auf das "Spazierstock-Holz Nr.1" Hasel verzichten.
Aktuell habe ich mir einen Ast Schlehenholz geschnitten (wuchert wie Unkraut im angrenzenden Grundstück) und versuche damit mein Glück.
Schlehenholz gilt ja generell als zähes Material (hart und dennoch flexibel) und bringt durch die ganzen Dornen- und Astauswüchse auch eine interessante Optik mit sich. Allerdings hat sich der Stock, der auf den ersten Blick ziemlich gerade war, im Nachhinein doch als regelrechter "Flitzebogen" entpuppt.

Jetzt würde ich gerne diese Grundbiegung begradigen, aber ich weiß nicht genau, wie (und ob) man sowas mit einfachen Hausmitteln hinbekommt.
Ich habe bereits versucht, das Holz mit dem Heißluftfön zu erhitzen und dann mit Zwingen in Gegenrichtung der Biegung "überdehnt" festgespannt abkühlen zu lassen, aber das hat nur so leidlich funktioniert (hab ich irgendwo im Netz aufgeschnappt und ausprobiert).

Vermutlich wäre "Dämpfen" und dann in Form spannen und trocknen lassen das Mittel der Wahl, aber dazu bräuchte ich dann auch die entsprechenden Materialien/Vorrichtungen, und das Ganze würde sich über Tage hinziehen.
Achja, lässt man bei sowas eigentlich die Schale dran, oder entfernt man die Schale, dass die Feuchtigkeit schneller entweichen kann?
Funktioniert das ganze auch mit frisch geschnittenem Holz, oder muss das Holz erst getrocknet sein bevor man anfängt, daran herum zu "optimieren"?

Vielleicht gehe ich am besten einfach raus und schneide mir einen neuen Stock, der gerader ist...
Aber mich würde dennoch interessieren, wie man sowas am "billigsten" macht (also mit geringst möglichen Aufwand).

Zusatzfrage:
Was käme denn sonst noch als interessantes heimisches Holz für so einen Stock in Frage (außer Hasel)?
Ich dachte unter anderem auch an Robinie ("Akazie"), habe aber ein bisschen Respekt vor dem Handling, weil das Zeug ja doch eine gewisse Giftigkeit aufweist.

Auf jeden Fall schon einmal Vielen Dank für die kommenden Antworten.
Du fragst nach alternativen heimischen Holzarten. Kornellkirsche und Holunder sind beides Hölzer, mit denen unsere Vorfahren Bögen gebaut haben. Holunder ist zudem auch sehr leicht, weil hohl; darf aber nicht versport (gestockt) sein.
 

Martin45

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Schaufelstiele sind aus Esche. Wenn es ein gerader Stock werden soll, kann ich mir das auch gut vorstellen. Wenn es oben so rund gebogen werden soll, wird das mit Esche nicht klappen.
 

Swetom2011

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Ich habe einige aus Wacholder gemacht. Davon habe ich eine Menge (auch abgestorbene) in Schweden. Absolut problemlos, das Holz riecht auch gut.

Jedenfalls, wie bereits erwähnt, Rinde vor allem beim frisches Holz, sofort entfernen
 
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