Unterschied Hochglanz Schwarz <> Klavierlack Schwarz

currymuetze

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Kann mir jemand mal den Unterschied erklären?
Zum einen optisch, zum anderen Aufwandsseitig?

Vielen Dank
 

edelres

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Klavierlack

Hallo Currymuetze,

beides sind Bezeichnungen, ohne etwas genaues auszusagen.

Aus meiner Sicht, wurde bis zum zweiten Welkrieg ind D ein harter polierfaehiger schwarzer Lack(*) angeboten. In der Praxis war dies ein Schleiflack. Grundieren/Schleifen, Lackauftrag - Trockenzeit - Schleifen, es wurde Bims in immer feineren Koernungen verwendet, als Schleiffluessigkeit, wurde Petroleum/Oelfarbverduenner verwendet. Mit Polierrot (Pariser-rot) wurder der Lack nach einigen Tagen(Wochen) Trockenpause auf Hochglanz poliert.

Seit dem Aufkommen von harten 2k Lacken ist der Ablauf und die Materialien das Gleiche wie in der Autoindustrie. Solche Arbeiten setzen eine grosse Erfahrung voraus, nicht jeder Lackierer kann solche Arbeiten ausfuehren.

(*) Damals wurden die verschiedensten Pigmente fuer schwarz verwendet, manche waren nicht farbstabil, oder es waren Mischungen, welche dem Licht ausgesetzt violett oder schwarzgrau sich veraenderten. Heute ist dies kein Problem mit den synthetisch hergestellten schwarz/schwarzen Pigmenten.

Ich wuerde bei einem mir angebotenen Klavierlack, den Hersteller um genaue verbindliche Anwendungshinweise befragen. Die Voraussetzung fuer Hochglanzschleiflack ist die Haerte, diese stellt sich erst nach dem wirklichen Durchtrocknen (Nitrolack 4 Wochen) ein.

Als Gedankenanstoss

mfg

Ottmar
 

currymuetze

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Hallo Ottmar,

vielen Dank für die ausführliche Antwort.
Ich habe bei einem Tischler, der sich auch auf Hochglanzlackierungen spezialisiert hat, ein Angebot angefragt. Der Preis für Klavierlack lag doppelt so hoch wie der für Hochglanzschwarz, diese Differenz versuche ich mir nun zu erklären.

Allerdings werd ich dennoch wieder zu einem Autolackierer gehen, ich habe da sehr gute Erfahrungen gemacht und preislich liegen die deutlich unter dem Angebot welches ich bekommen habe!

Gruß
Thorsten
 

lackpapst

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Hallo zusammen,

grundsätzlich gibt es beim Thema Hochglanz zuerst einmal viele unterschiedliche Vorstellungen.
Der Autolackierer versteht darunter eine mit Hochglanzlack spritzlackierte Fläche, bei der evtl. Staubeinschüsse punktuelle ausgeschliffen und dann wieder auf Glanz poliert werden. Das sieht auch auf einem meist gewölbten Blechteil gut aus.

Viele Tischler versuchen nun ebenfalls eine Hochglanzfläche nur durch eine Spitzlackierung zu erreichen..... das ist aber meist zum Scheitern verurteilt. Alleine die recht welligen Untergründe selbst bei einer MDF Platte stören das Bild. Eine staubfreie Fläche ist ebensowenig zu erreichen wie eine absolut glatt verspannte Lackoberfläche.

Der gute Tischler / Möbelbauer versteht darunter eine mit Hochglanzlack mehrfach lackierte Fläche (zuzüglich entsprechendem Untergrundaufbau), die nach entsprechender Aushärtung sehr sorgfältig komplett matt geschliffen wird (Körnungen bei PUR Hochglanz ab Körnung 1000, 2000, 4000) und dann wieder auf Hochglanz poliert wird.

Die Steigerung ist die Ausführung als Polyester-Hochglanzlack der in der Branche den Namen Klavierlack trägt, da alle Klaviere bzw. Flügel diesen Aufbau erhalten.

entsprechende Lackaufbauten hatte ich kürzlich hier schon eingestellt.

Gruß Uli
 

edelres

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Polyesterlack entfernen

Hallo Uli & Forumsfreunde


Aus deinem Beitrag entnehme ich, eine Hochglanzlackierung ist heute im Grunde was man frueher mit Schleiflack bezeichnet hat.

Was ist eine "absolut glatt verspannte Lackoberflaeche"?

Ich kenne die Verhaeltnisse in D nicht bezueglich der Lackierung von Marken Fluegeln/Klavieren.

Hier werden billig Instrumente aus Fernost polyesterlackiert angeboten.

Die Fa Steinway (USA), als auch Yamaha (Japan) erwaehnen in ihrer Werbung bei der Lackierung mit keinem Wort Polyesterlack.

Die in den sechziger Jahren, fuer eine kurze Zeit, hergestellten Polyester lackierten Steinway Fluegel werden sehr niedrig gehandelt (mehr Angebot wenig Nachfrage).

Wie entfernst du eine Polyesterlackierung auf furniertem Holz?

mfg

Ottmar

PS:

Ein Autolackierer, welcher keine Staubfreie Umgebung garantieren kann ist in meinen Augen kein Lackierer.
 

raftinthomas

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da muss ich dem ottmar mal wiedersprechen.
staubfrei ist höchstens ein reinraum, aber niemals eine lackierkabine, in der auch noch ein auto mit restschmutz und textilbezügen drin steht.
die übliche autolackierung ist, wie erwähnt, kein problem, weil einschlüsse einfach auspoliert werden können. insofern ist eine echte mattoberfläche wesentlich schwieriger.
natürlich wird jeder versuchen, die staubeinschlüsse von vorn herein zu minimieren.
eine absolut glatt verspannte lackoberfläche ist eine oberfläche, die alleine durch die oberflächenspannung des lacks hinterher absolut makellos ist und keinerlei nachbearbeitung bedarf. lacke, die dies können, gibt es, es hapert aber meist an der 100%igen ausführung.
 

lackpapst

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Hallo Uli & Forumsfreunde


Aus deinem Beitrag entnehme ich, eine Hochglanzlackierung ist heute im Grunde was man frueher mit Schleiflack bezeichnet hat.

Was ist eine "absolut glatt verspannte Lackoberflaeche"?


Die Fa Steinway (USA), als auch Yamaha (Japan) erwaehnen in ihrer Werbung bei der Lackierung mit keinem Wort Polyesterlack.

Die in den sechziger Jahren, fuer eine kurze Zeit, hergestellten Polyester lackierten Steinway Fluegel werden sehr niedrig gehandelt (mehr Angebot wenig Nachfrage).

Wie entfernst du eine Polyesterlackierung auf furniertem Holz?

mfg

Ottmar

PS:

Ein Autolackierer, welcher keine Staubfreie Umgebung garantieren kann ist in meinen Augen kein Lackierer.

Hallo Ottmar,

zu Deinen Fragen:

1. Hochglanz ist keine Schleiflackoberfläche. Der Begriff Schleiflack kommt daher, dass man früher lackierte Flächen durch anschließendes Schleifen mit einem Modler (ganz kurzer breiter Borstenpinsel) und Bimsmehl absolut gleichmäßig mattiert hat. Die Oberfläche blieb matt .

2. Glatt verspannt hat mein Vorredner schon erklärt. Man spricht auch von s.g. Orangenhaut auf der Lackoberfläche. Problematisch sind z.B. auch Kanten bzw. sthende Flächen, da genau ab dem Punkt, ab dem gnügend Lack zur Verspannung auf der Fläche ist, auch fast der Punkt erreicht ist, an dem es Läufer gibt. :emoji_open_mouth:

3. Steinway und Co. verwenden immer Polyester genauer gesagt Parafin-Polyester... egal ob Sie es erwähnen oder nicht. es gibt einfach nichts Besseres.

4. Polyesterlack entfernt man am besten mit Hitze. ... Bügeleisen oder Heißluftföhn.

5. Es gibt auch keinen Autolackierer, der eine staubfreie LAckierung ausführen kann. Es gibt nur Autolackierer, die die Staubeinschlüsse perfekt entfernen können :emoji_slight_smile::emoji_slight_smile::emoji_slight_smile:

gruß Uli
 

currymuetze

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5. Es gibt auch keinen Autolackierer, der eine staubfreie LAckierung ausführen kann. Es gibt nur Autolackierer, die die Staubeinschlüsse perfekt entfernen können

Bei meinem Lackierer kam damals eine astreine hochglanzWEISSE Oberfläche zurück - für meinen Anspruch perfekt.

Wird er das auch mit hochglanzSCHWARZ so hinbekommen, oder kann er damit eventuell mehr Probleme haben.

Problem ist, dass ich damals weissgrundierte MDF hatte, jetzt muss er normales MDF lackieren. Das wird wahrscheinlich nur in ein wenig mehr Vorarbeit resultieren?
Ich könnt ihn auch selbst fragen, schaffe das aber diese Woche nicht mehr!
 

raftinthomas

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ich wollte damit eigentlich nur sagen, dass auch bei tollster lackierkabine mit wasserwand, gitterboden und gefilterter luft immer mal ein staubkorn dabei sein kann. natürlich weniger, als wenn unsereins direkt neben der langband lackiert.
ja, schwarz ist eh viel schwieriger, und ohne grundierfolie erfordert nochmals deutlich mehr aufwand.
 

whit0r

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hallo,

ich muss noch auch nochmal meinen senf dazugeben.

aus eigenen erfahrungen bezüglich hochglanzlack auf mdf und lackauf dem auto, kann ich sagen, dass "unser" hochglanzlack wesentlich sauberer aussieht, wie der lackpapstschon geschrieben hat.
außerdem find ich zu 80% auf jedem auto ne orangenhaut, ist ja auch klar, weil diese lackierung wesentlich schlichter gehalten ist als "unsere" hochglänzende oberfläche.

greez
 

lackpapst

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Bei meinem Lackierer kam damals eine astreine hochglanzWEISSE Oberfläche zurück - für meinen Anspruch perfekt.

genau das ist das Thema ... kommt immer auf den Anspruch an. Nichts gegen den Autolackierer, aber halte doch später die Fläche vom Autolackierer mal neben einen neuen Flügel.

Jede Fläche hat ihre Eigenschaft und den dazu passenden Preis bzw. Aufwand. Wenns der Kunde vorher weiß, kann er sich ja entsprechend entscheiden.

Gruß Uli
 

currymuetze

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genau das ist das Thema ... kommt immer auf den Anspruch an. Nichts gegen den Autolackierer, aber halte doch später die Fläche vom Autolackierer mal neben einen neuen Flügel.

Jede Fläche hat ihre Eigenschaft und den dazu passenden Preis bzw. Aufwand. Wenns der Kunde vorher weiß, kann er sich ja entsprechend entscheiden.

Gruß Uli

Geb ich euch Recht. Aber bevor ich 2000€ für ne Klavierlackqualität bei einem Tischler bezahle, der sich darauf auch spezialisiert hat, ich das ganze beim Lackierer für 500€ bekomme, dann stellt sich mir die Frage nicht mehr. Gibt mein Konto halt nicht her. Denke steht auch in keinem Verhältnis.

Das Siedboard was ich selbst gebaut habe und weiss hochglanz lackieren habe lassen beim autolackierer sieht bei weitem besser aus, also so manche 4-stellig teuren Möbelstücke von Hülsta und co. Orangenhaut konnte ich nicht erkennen, aber wie gesagt: Ist ne Sache des Preises und der persönlichen Zufriedenheit.

Ist es denn nciht so, dass die meisten Tischler ihre Möbel zu Autolackierern geben? Das ist das Feedback was ich hier bisher in alten Beiträgen erlesen konnte.
 

raftinthomas

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für hochglanzgeschichten gilt das meiner meinung nach, aber nicht für die 0-8-15 seidenglanzvariante. da machen zwei, drei staubkörner in der fläche nichts aus.
 

Lackierer

ww-eiche
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Kann mir jemand mal den Unterschied erklären?
Zum einen optisch, zum anderen Aufwandsseitig?

Vielen Dank

Um die Sache auf den Punkt zu bringen:

Hochglanz ist die normale Qualität, so wie wir sie von perfekten Autooberflächen kennen, ohne Orangenhaut. Hier wird auf Hochglanz lackiert.

Das Auto besteht nur aus Wölbungen, keine Fläche ist absolut plan. Möbel bestehen aus planen Flächen, da kann der Klavierlack nicht mit Excenter geschliffen werden, das würde eine Wellenlandschaft werden.

Klavierlack definiert sich durch absolute Planheit der Gesamtfläche.
Der Klavierlack wird vor dem Schwabbeln im abtragenden Verfahren progressiv geschliffen. Hierfür braucht es die richtige Maschine, alles andere wird nichts.

Der Klavierlack wird also nicht hochglänzend lackiert, er wird flächig plangeschliffen und anschließend aufwändig auf Hochglanz poliert.
 

dascello

ww-robinie
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Hallo Woodworkers,

Mein Papa hatte einen alten Flügel, der schon viel erlebt hat. Der Deckel war in den Sechzigern mal Opfer eines Weihnachtsbaumbrands. Danach wurde er polyesterbehandelt und ist heute noch tiptop hochglänzend.
Vor ca. 20 Jahren wurde das Instrument überholt. Aus Kostengründen (es ist halt kein Steinway) wurde die Zarge in Autolack schwarz gespritzt, was super gelang. Der Flügel glänzte fast wie aus einem Guss. Jetzt ist aber der Teil der Zarge, der dem Sonnenlicht ausgesetzt ist, komplett matt, quasi heavy-metal-schwarz, geworden.

Wahrscheinlich sähe ein schwarzer Mercedes genauso aus, ließe man ihn 20 Jahre am selben Platz stehen. So viel zum Unterschied zwischen "Klavierlack" und Autolack.


Gruß

Micchael
 
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