Tischplatte aus 6 cm Eichenbohlen verleimen

AndreasHoffmann

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Hallo

Ich möchte einen Tisch aus Eichenholz bauen. Die Platte soll 6cm dick, 80 cm breit und 160cm lang werden.

Die Eichenbohlen, die ich dafür gekauft habe sind bis zu 50cm breit.

Ich bin etwas unsicher, wie breit die einzelnen Bretter sein sollten, die ich dann zu einer Platte zusammenleimen möchte.

Ich hätte gerne möglichst breite Bretter, da ich das schöner finde. Ich vermute jedoch, dass bei schmaleren Brettern weniger Spannung im Holz ist und die Platte weniger arbeitet. Wie breit sollten die einzelnen Bretter ungefähr sein? Sind 15 cm OK oder geht auch breiter?

Ich habe für die Platte 3 Gratleisten vorgesehen. Diese können aus konstruktiven Gründen leider nur 4 cm stark werden. Wie breit würdet Ihr die ungefähr machen?

Da die Gratleisten nur 4 cm dick sind hatte ich vor, die Bretter wechselseitig linke Seite rechte Seite zu verleimen. Wie schätzt Ihr das ein? Ist die wechselseitige Verleimung notwendig oder reichen die Gratleisten, um das Verziehen des Brettes zu verhindern.

Ich bin für jede Einschätzung oder Tip dankbar, schöne Grüße, Andreas
 

Rühl

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Hallo,

4cm Breite sollten schon reichen da eher die Höhe der Gratleiste dem Verzug entgegen wirkt.

Wechselseitiges Verleimen sollte schon sein.


Gruß Ulf
 

yoghurt

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Hallo Ulf,
ich meine mal gelesen zu haben, dass Gratleisten besser gegen eine "große" Verformung helfen würden als gegen mehrere "kleine". Daher sei bei der Verwendung einer Gratleiste die wechselseitige Verleimung eher ungünstig. Leiser weiß ich die Quelle nicht mehr, aber der Gedanke erscheint mir logisch. Was meinst Du?

Gruß

Heiko
 

magmog

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guude,

die sache ist eine frage der richtigen trockenheit des holzes.
ich baue seit jahrzehnten vollholzplatten für tische, treppen, arbeitsplatten..... nach dem rezept: zuverlässig und fachgerecht getrocknete holzbohlen in der mitte trennen, außen und am trennschnitt ansäumen und verleimen. danach die flächen aushobeln, gegebenfalls auf die maximale dicktenbreite verleimen und nach dem aushobeln auf die endbreite verleimen.

gratleiste u.ä. verrenkungen sind relikte aus zeiten, zu denen kein brauchbarer leim zur verfügung stand und das holz nur in der maximalen trocknungsstufe "lufttrocken" zu haben war.

gut holz. justus.
 

Rühl

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Hallo Ulf,
ich meine mal gelesen zu haben, dass Gratleisten besser gegen eine "große" Verformung helfen würden als gegen mehrere "kleine". Daher sei bei der Verwendung einer Gratleiste die wechselseitige Verleimung eher ungünstig. Leiser weiß ich die Quelle nicht mehr, aber der Gedanke erscheint mir logisch. Was meinst Du?

Gruß

Heiko




Erscheint mir nicht logisch da sich gegeneinander wirkende Kräfte sich zum Teil auch aufheben.
Da sehe ich eher die Gefahr eine Wölbung der Tischplatte zu bekommen.


@ magmog

Auch das sehe ich anders da ich die Gratleisten bei Tischen konstruktiv schon als Führung in der Zarge laufen lasse. (Ausziehtische).



Gruß Ulf
 

AndreasHoffmann

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Hallo,

4cm Breite sollten schon reichen da eher die Höhe der Gratleiste dem Verzug entgegen wirkt.

Wechselseitiges Verleimen sollte schon sein.


Gruß Ulf
Hallo Ulf, vielen Dank für die Antwort. Ich habe mich wohl etwas missverständlich ausgedrückt. Die Höhe der Gratleiste ist auf 4 cm beschränkt. Die Breite kann auch eher größer sein, vielleicht so 6 cm. Ob das reicht?

Grüße, Andreas
 

AndreasHoffmann

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guude,

die sache ist eine frage der richtigen trockenheit des holzes.
ich baue seit jahrzehnten vollholzplatten für tische, treppen, arbeitsplatten..... nach dem rezept: zuverlässig und fachgerecht getrocknete holzbohlen in der mitte trennen, außen und am trennschnitt ansäumen und verleimen. danach die flächen aushobeln, gegebenfalls auf die maximale dicktenbreite verleimen und nach dem aushobeln auf die endbreite verleimen.

gratleiste u.ä. verrenkungen sind relikte aus zeiten, zu denen kein brauchbarer leim zur verfügung stand und das holz nur in der maximalen trocknungsstufe "lufttrocken" zu haben war.

gut holz. justus.

Hallo Justus

Was ist denn Deiner Meinung nach die richtige Trockenheit bei 6cm Eiche?

Falls die richtige Trockenheit vorhanden ist, könnte ich die einzelnen Bohlen auch breiter als 16cm machen, also sagen wir mal 20 bis 25cm breit?

Schöne Grüße, Andreas
 

yoghurt

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Hallo Andreas,
breiter als 6cm würde ich die Gratleiste nicht machen. die Gratleiste schwindet nämlich in der Breite stärker als die Gratnut und könnte sich sonst lockern. Holzfeuchten für den Innenraum sollten bei ca. 10% liegen (+/- 2%).

Gruß

Heiko
 

derdad

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Hallo Justus

Was ist denn Deiner Meinung nach die richtige Trockenheit bei 6cm Eiche?

Falls die richtige Trockenheit vorhanden ist, könnte ich die einzelnen Bohlen auch breiter als 16cm machen, also sagen wir mal 20 bis 25cm breit?

Schöne Grüße, Andreas

Grundsätzlich ist es besser das Holz möglichst schmal zuzuschneiden. Bei industriell gefertigten Platten sind die einzelnen Lamellen kaum breiter als 6cm. Das hat aber nicht nur den Grund der Standfestigkeit, sondern sicher auch der Holzersparnis.
Ich persönlich bevorzuge die einzelnen Pfosten oder Bretter etwas breiter. Ich habe einen Esstisch bei dem ist die Platte aus 3 Stück 30cm breiten, gut 40mm dicken Pfosten verleimt. Der Kern habe ich herausgetrennt, die Pfosten jeweils gestürzt verleimt. Die Platte ist 90cm breit und 150cm lang. Unten habe ich 2 Gratleisten eingeschoben. 40mm breit, 10cm hoch. Das Holz ist Birne und ich hab es vor 9 Jahren lufttrocken verarbeitet. Davor wurde das Holz mindestens 20 Jahre im Holzlager "vergessen".
Der Tisch steht jetzt direkt bei einem Heizkörper und ich habe noch keinen nennenswerten Verzug fest gestellt. Nicht nenneswert heisst für mich, dass die Platte sicherlich nicht mehr als 3mm in irgend eine Richtung verzogen ist.
Für Andere mag dies eine "höllischer Verzug" sein. Aber für mich ist Holz nunmal ein Naturprodukt und darf sich auch so verhalten.

gerhard

gerhard
 

magmog

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guude,

natürlich können gratleisten sinn machen um weitere konstruktive lösungen anschließen zu können, bei dünnen platten unter 35 mm halte ich eine "geradehalteeinrichung" ohnehin für sinnvoll bis notwendig.
toll ist es sowieso, wenn sich leute um die klassischen verbindungen unseres handwerks verdient machen.
wie ich schon schrieb, ich trenne bohlen in der mitte, schneide den zerrissenen teil heraus, säume außen und verleime dann nach der regel "kern an kern, splint an splint". teilweise auch nach "rechte seite an linke seite". die zu verleimenden teile lasse ich also so breit wie irgend möglich.
das leimholzartige schmale streifen verleimen empfinde ich weder als handwerkliche arbeit, noch der esthätischen gestaltung zuträglich, auch kommt mir der anspruch der natürlichkeit des holzes zu kurz.
so geartetes verarbeiten kommt mir zu nahe an das fertigen industrieller spanplatten.

gut holz. justus.

es handelt sich um meine persönliche meinung!
daß solche verarbeitung funktioniert weiß ich seit über 25 jahren durch zufriedene kunden. einige von mir ausgebildet kollegen bestätigen mich in dieser erfahrung.
ich weiß allerdings nicht, ob überall zuverlässiges rohmaterial erhältlich ist und ob jeder bereit ist, den vordergründig höheren preis zu zahlen.
 

derdad

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guude,

wie ich schon schrieb, ich trenne bohlen in der mitte, schneide den zerrissenen teil heraus, säume außen und verleime dann nach der regel "kern an kern, splint an splint". teilweise auch nach "rechte seite an linke seite". die zu verleimenden teile lasse ich also so breit wie irgend möglich.
das leimholzartige schmale streifen verleimen empfinde ich weder als handwerkliche arbeit, noch der esthätischen gestaltung zuträglich, auch kommt mir der anspruch der natürlichkeit des holzes zu kurz.
so geartetes verarbeiten kommt mir zu nahe an das fertigen industrieller spanplatten.

gut holz. justus.

Deinen Vergleich mit "Spanplatte" teile ich mit dir!!!
Bei der Verleimung ist jedoch "Kern an Kern........." nur die unwichtige Komponente. Viel wichtiger ist "Rechts-Links-.....) Kern an Kern bewirkt nur das Bündigbleiben an der Verleimfuge, hat aber keinen Eifluss aufs Verziehen. Wenn du immer Kern/Kern etc. verleimst, und immer die rechte Seite auf eine Seite gibst, wird sich die Platte trotzdem einseitig verwerfen.

Ich hab das schon mal in einem Thread skizzenhaft dargestellt. Vielleicht sieht mal jemand im Suchen Register nach.

gerhard
 

rele

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Hallo zusammen,

für mich besteht der Unterschied zwischen von mir selbst verleimten Platten und industriell gefertigtem Leimholz (was für meine Kunden preisgünstiger ist - Ausnahme zu geringe Abnahmemengen) in der grundsätzlich edleren Optik der selbst gefertigten Platten. Bei industriellem Leimholz werden die schmalen Lamellen mehr oder weniger wahllos zusammengeschmissen - und so siehts dann halt auch aus.

Deshalb achte ich beim Verleimen von Platten vor allem auf ein schönes Bild. Kern an Kern, Splint an Splint ist hier die wichtigste Regel. Wenn man ein Brett in der Mitte auftrennt und nach dem Säumen und Fügen genau so wieder zusammenleimt, ergibt sich fast immer ein schöneres Bild, als wenn man es gestürzt verleimt, so dass die Regel rechte Seite - linke Seite gilt. Diese missachte ich daher häufig.

Ausserdem muss man fast immer um Holzfehler wie Äste, Risse usw "herumarbeiten" - indem man sie heraustrennt oder auf die nicht-Sichtseite legt, um den Verschnitt einigermassen in Grenzen zu halten.

Dass eine so entstandene Platte sich nicht wirft, ist in erster Linie die richtige Holzfeuchte zu beachten: um die 10%. Weiterhin kann man sie durch echte oder falsche Gratleisten, richtige Befestigung auf Zargen oder Korpi daran hindern sich zu verziehen. Dabei muss man halt in Abhängigkeit von der Plattenstärke einschätzen, wie gross die auftretenden Kräfte sein können. Dass beim Einbau von Vollholzplatten ihr Schwundverhalten berücksichtigt wird, ist ja eh selbstverständlich.

Fazit: die Theorie ist halt Theorie (wichtig sie zu kennen) - aber aber eine schöne Platte ist eine schöne Platte! Probleme hatte ich mit meinen Platten noch keine.

Gruss an euch alle
Reimund
 
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