Sandstrahlen einer alten Pyramide

Dieses Thema im Forum "Neuling fragt Profi" wurde erstellt von Kleiner_Elch, 14. Dezember 2008.

  1. Kleiner_Elch

    Kleiner_Elch ww-pappel

    Beiträge:
    3
    Hallo,

    ich habe hier ein Frage an die Profis von Euch. Ich bin Besitzer einer alten Erzgebirgischen Pyramide von ca. 1,80m Höhe. Da sie schon ziemlich alt ist, sieht sie nicht mehr ganz so ansehnlich aus. Sie wurde schon zweimal gestrichen. Die Spitze wurde außerdem noch mit Lackfarbe versehen, die jetzt ganz gelb ausschaut. Außerdem befinden sich eine Menge Farbnasen, Schmutz und Wachsreste auf dem Holz. Auch ein paar Teile fehlen schon. Ich möchte die Pyramide wieder zu neuem Glanz verhelfen, weiß aber nicht so recht, wie ich die alte Farbe von den vielen filigranen Teilen bekommen soll. Ein Abschleifen ist also nicht möglich. Das einzige, was mir eingefallen ist, wäre Sandstrahlen. Wer kann mir ein paar Tipps dazu geben? Hat vielleicht schon mal jemand so ein Projekt realisiert?

    Vielen Dank für Eure Hilfe.

    Gruß
    Dirk
     
  2. edelres

    edelres ww-robinie

    Sandstrahlen

    Hallo Dirk,

    deinem Gedankengang die Pyramidenteile Sandstrahlen zu lassen, stehen die Gesetze der Physik im Wege. Die Energie mit welcher das Strahlmittel die Farbe zerstoert, macht keinen Unterschied zwischen Farbe und Holz.

    Ich sehe hier nur die Moeglichkeit, einen chemischen Abbeizer zu verwenden. Die durch den Abbeizer geloeste Farbe entferne ich mittels Skalpell, Wattestaebchen oder in Loesugsmittel getauchte Pinsel. Immer nur kleine Flaechen abbeizen.

    Solche Restaurierungen sind moeglich, doch wohl in den seltensten Faellen ist der Wert des Stueckes in einem akzeptablen Verhaeltnis zu den Kosten.

    Als Gedankenanstoss

    mfg

    Ottmar
     
  3. Kleiner_Elch

    Kleiner_Elch ww-pappel

    Beiträge:
    3
    Sandstrahlen

    Hallo Ottmar,

    vielen Dank für deine Antwort.
    Über den Wert kann man sich streiten. Der steht in vielen Sachen zu keinem Verhältnis zu den Kosten.

    Das mit der chemischen Keule hört sich aber auch nicht schlecht an.
    Kannst du mir vielleicht da etwas empfehlen? Gibt es da große Unterschiede von solchen Mitteln?

    Vielen Dank.

    Gruß
    Dirk
     
  4. edelres

    edelres ww-robinie

    Benzinlauge

    Hallo Dirk,

    ueber die heute in D angebotenen Abbeizer kann ich nichts genaues aussagen. Auf keinen Fall einen Abbeizer verwenden, welche Natriumhydroxyd (Kaustik Soda = Aetznatron) enthaelt. Den Abbeizer welchen ich frueher verwendete wurde "Benzinlauge(r)" genannt, weil mit Waschbenzin/Testbenzin nachgewaschen wird, der Typ war gelartig und lief an senkrechten Flaechen nicht so leicht ab . Dadurch wird keine Feuchtigkeit wie Wasser in das Objekt gebracht. Zum Auftragen des Ablaugers einen Naturborstenpinsel (die billigen aus China), die Kunstoffborsten werden vom Abbeizer zerstoert. Lass dich in einem guten Farbfachgeschaeft oder von einem Restaurator beraten.

    Das Ablaugen ist nicht schwer, hier ist die Geduld gefordert. Ich wuerde eine postkartengrosse Flaeche dick mit Abbeizer einstreichen, dann nach ca 15 Minuten einen Versuch machen ob die Farbe leicht abgeht, wenn nicht die Stelle wieder mit Abbeizer abdecken und nochmals 15 Minuten Warten. Hier ist der Abbeizer welcher die Arbeit tut, nicht versuchen durch Kratzen mehr abzukriegen. Bleiben noch Farbreste zurueck diese wieder mit Abbeizer einstreichen abwarten bis auch diese sich abbloesen. (Geduuuuuuuuld) Immer nur Postkartengrosse Flaechen bearbeiten, sonst geht die Uebersicht leicht verloren, so Stueck fuer Stueck fortfahren.

    Ich verwende fuer solche Arbeiten, Hoelzchen aus dem Bastelmarkt (sehen aus wie die Hoelzchen vom Eis am Stiel), die runden Enden schneide ich ab, die Enden schleife ich schraeg an, wie ein Stecheisen. Damit laesst sich schonend die geloeste Farbe abnehmen. Mit einem in Testbenzin getauchten Wattestaebchen entferne ich die letzten Farbreste. So arbeite ich weiter bis alle Farbe abgeloest ist.

    Nun wasche ich mit Testbenzin mit einem Pinsel von oben beginnend nach unten ab. Ich verwende eine flache Wanne und fange das herablaufende Testbenzin auf, lasse dies einen Tag stehen und giesse dann vorsichtig die klare Fluessigkeit ab, der Schmutz, alte Farbe setzen sich nach unten ab. Oder wenn ich in Eile bin giesse ich das verunreinigte Testbenzin durch ein Stueck Trikot.

    Bei diesen Arbeiten spielt es keine Rolle od du oder ich diese Ausfuehren, ohne Geduld ist kein vorzeigbares Ergebnis moeglich. Richtig ausgefuehrt kann hinterher keiner sagen d du oder ich die Arbeiten ausgefuehrt haben.

    Das Wachs vor dem Abbeizen mit dem angeschaerften Staebchen abkratzen, der Abbeizer wirkt nicht auf Wachs.

    Solche Arbeiten nur in einem gut belueftetem Raum (an einem offenen Fenster) oder besser im Freien ausfuehren.

    Die ersten zwei Stunden wirdst du anstrengend finden, wenn du dann den ersten Erfolg siehst geht es dann schneller. Ist wie beim Bergsteigen, wenn der Gipfel erreicht ist sind die Anstrengungen vergessen.

    Ich wuensche dir viel Geduld, der Erfolg kommt dann von alleine.

    mfg

    Ottmar

    PS:Mein Nachsatz bezueglich Wert, war eine Feststellung und keinerlei Bewertung. Ich rechne fuer eine Solche Arbeit ca 15 bis 20 Stunden, dabei ist es gleichgueltig um welche Werte es sich handelt.

    Ein Grossteil meiner Arbeiten besteht, darin Familienerbstuecke oder Andenken zu Restaurieren, die Kunden erfreuen sich an der gelungenen Arbeit und sehen die Kosten als nebensaechlich.


     
  5. Rühl

    Rühl ww-robinie

    Beiträge:
    2.153
    Ort:
    Hildesheim- Bockenem
    Hallo,


    ich habe schon öfter Teile mit Glasperlen gestrahlt. Nussschale geht auch dauert mir aber zu lange.

    Dabei muss man allerdings eine sehr kleine Düse verwenden damit man ganz genau zielen kann.

    Aber Vorsicht! Wenn Lackweg auch sofort aufhören!

    Strahlsand ist zu agressiv und es verbleibt mir zu viel im Holz.


    Gruß Ulf
     
  6. Kleiner_Elch

    Kleiner_Elch ww-pappel

    Beiträge:
    3
    Vielen Dank

    Hallo,

    @Ottmar
    Vielen Dank für die sehr ausführliche Beschreibung. Ich werde mich dann im Frühjahr mal an die Arbeit machen und hoffen, das ich bis zu Weihnachten fertig bin. :emoji_slight_smile:

    @Ulf
    Auch dir vielen Dank. Ich werde aber lieber die Methode von Ottmar anwenden. Ich möchte dann zum Schluß doch eine heile Pyramide haben.

    Gruß
    Dirk
     
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