Petersburger Lack

gleiter

ww-robinie
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Hallo!

Ich arbeite gerade an einer Oberfläche mit Petersburger Lack und Pinselauftrag.

An sich habe ich eine sehr schön glänzende Oberfläche aufgebaut, nach mehrmaligen Fehlversuchen habe ich dann den Lack mit 15 % Spiritus verdünnt für ein brauchbares Produkt.

Nun habe ich allerdings das Problem dass es ein paar wenige Pinselstriche hat, leider auch ein paar Flanckerln oder sonstige Staub- oder wie auch immer Einschlüsse, kurz, so wirklich glatt ist die Oberfläche nicht geworden.

Wie bekomme ich diese Spuren weg?

Stahlwolle 0000 ist nicht gut, da wird es matt. Mit Ballen und Spiritus auch nicht gut, ebenfalls matt.

Hab' die letzten beiden Tage Stunden damit verbracht im Archiv über Schellack und Polieren zu lesen, bin davon leider nicht klüger geworden.

Für Eure Ratschläge danke ich schon mal, André.
 

welaloba

ww-robinie
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Hallo André, ich kann den Petersburger nur für Leistchen und Profilchen verwenden, die anders nicht zu porenfüllen und zu polieren sind. Den Petersburger auf Leisten uä. kann man nur in großen zeitl. Abständen mitpolieren, sonst klebts. Die Harzmischung ist so eingestellt, daß der Lackfilm bei sorgfältigem Auftrag schon so glänzt. Er braucht sehr lange zum Durchtrocknen. Zum Flächenstreichen würde ich Petersburger nie nehmen, weil nass in nass streichen kaum funktioniert. Zum Flächenstreichen nehme ich normalen Schellackansatz wachsfrei, Ansatz maximal 200 gr. Harz auf 800 ml Alkohol (99%) Problemloser sind 160 / 840.
Pinselstriche? Ein höchst vorsichtiger Versuch mit einer sehr dünnen Ziehklinge wäre vielleicht das Mittel der Wahl...
Wenn alles nichts taugt, wird dir nichts übrig bleiben als abwaschen und mit o.g. Schellackansatz neu aufbauen.
Gruß Werner
PS. Was solls denn werden? Schlichte Oberfläche oder eher eine Politur???
 

gleiter

ww-robinie
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Hi!

Es geht noch immer um dieses Teil: https://www.woodworker.de/forum/schaden-alter-kommode-t23372.html

Schimmel, Riss und hellen Fleck habe ich inzwischen beseitigt, Schadstellen ausgebessert und sogar eine Tapete gefunden die der Alten sehr ähnlich ist.

Nass in nass mit dem Petersburger klappt ganz gut, nachdem ich ihn verdünnt hatte. All zu oft darf man natürlich noch immer nicht über das Feuchte drüber fahren, dann wird's auch hier schnell klebrig.

Ziehklinge, hmmmm. Sehr dünn, sehr scharf, nehme ich mal an. Und ohne das jetzt versuchen zu können - was danach?

Für Experimente mit dem mir nicht vertrauten Schellack fehlt mir leider die Zeit, auch wenn ich gerade auf den Geschmack gekommen bin. Die Petersburger Oberfläche wäre ja theoretisch endgeil, Glanztechnisch gesehen. Bis auf die kleinen Fuck - Ups eben.

Dank und Gruß, André.
 

unatorium

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servus,

normalerweise nimmt man Petersburger Lack nicht zum streichen, sondern "zieht" in mit einem Ballen (mit einem sehr feinen Leinen) auf die Oberfläche auf. Einfach einmal über die Leiste ziehen und sehr lange trocknen lassen. Davor sollte man den Ballen wie das Profil formen. Ich nehme ihn wenn überhaupt was aufpoliert, bzw. rekostruiert werden muß nur für Leisten, die man mit der normalen Nassballenmethode nicht poieren kann, da sie zu klein sind.

Generell muß man Schellackoberflächen nicht abbeizen oder abwaschen. Meistens reicht eine Reinigung mit bestimmten Lösemitteln, die die Naturharzoberfäche nicht angreifen, sondern nur die Schmutzschicht lösen völlig aus.

gruß
 

gleiter

ww-robinie
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Generell muß man Schellackoberflächen nicht abbeizen oder abwaschen. Meistens reicht eine Reinigung mit bestimmten Lösemitteln, die die Naturharzoberfäche nicht angreifen, sondern nur die Schmutzschicht lösen völlig aus.

In eben diesem Falle hat eine Reinigung nicht mehr gereicht, da war zu viel beschädigt und mußte nachgebaut werden.

Z.B. gab es einen veritablen Wasserschaden am Deckel nebst einigen Kratzern - das habe ich alles mit der Ziehklinge weg bekommen, die Oberflächenbehandlung ist da natürlich auch mit gegangen. Und auch bei der Behebung des Risses an der Seite dieser Kommode habe ich mit der Ziehklinge jegliche Oberfläche abgenommen gehabt.

Dass Petersburger für Flächen doch nicht geeignet scheint verstehe ich nun auch schön langsam, hoffe trotzdem noch das Ganze irgend wie retten zu können.

Gruß, André.
 

unatorium

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normalerweise belässt man gebrauchsspuren. wenn kratzer o.ä. vorhanden sind, kann man diese partien mit diversen "mittelchen" austupfen und dann überpolieren, so dass man alte oberflächen erhält. das gleiche geht auch wenn ganze oberflächenbereiche verloren gegangen sind. zum beispeil eignet sich hierfür boraxverseifter schellack. der verbindet sich auch nicht mit der originalen politur, sondern haftet nur auf ihr. er hat auch den gleichen brechungsindex wie alkoholgelöster schellack. danach kann man mit einer normal angesetzter politur drüberpolieren, falls das nötig ist.

funktioniert nicht bei jeder oberfläche, da immer unterschiedliche inhaltsstoffe im originalen lack. bei wertvollen möbeln, würde ich eh nur einen fachmann ranlassen. zum beispiel gibt es nur noch wenige barockmöbel mit authentischen oberflächen, da diese oft abgebeizt oder abgeschliffen werden und dann mit schellack auf hochglanz poliert werden. die schellacknassballenpolitur gibt es erst ab ca. 1810...

nur zur info

gruß
 

gleiter

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Ohne Dir jetzt all zu nahe treten zu wollen, liebe(r) unatorium, und auch wenn Deine Ausführungen noch so interessant sind, helfen tut mir das nun wirklich nicht viel weiter.

Das meinige Möbel ist nun weder wertvoll noch besonders alt, ich leiste hier einen Freundschaftsdienst, auch wenn ich den Freund "Kunde" nenne, er zahlt immerhin ein bißl was für die Arbeit.

Bei einem wirklich wertvollen Möbel lass' ich die Finger weg, ich kenne meine Grenzen.

O.T. wäre ich aber schon neugierig zu erfahren wie die toll glänzenden Oberflächen VOR 1810 oder im Barock hergestellt worden sind.

Gruß, André.
 

unatorium

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ja sorry du hast recht. wenn ich mir meine beiträge so durchlese helfen sie dir echt nicht.. naja

also ich würde deine oberfläche gut durchtrocknen lassen und gut anschleifen mit 320er papier und den lack nochmals aufziehen (ohne pinsel, nur mit einem ballen)
.dass ich auch was schreibe was dir weiterhilft

so toll glänzten die barocken lacke ja nicht. die möbel die so toll glänzen sind ja gerade mit fälschlicherweise mit schellack poliert. ich arbeite zur zeit an barocken furnierten altären (von 1744). die lackoberfläche besteht aus einem öl-harzlack. dieser wurde hergestellt mittels verkochung von leinöl und verschiedenen naturharzen (bestandteile von sandarak). der lack wurde in mehreren schichten aufgetragen und immer wieder geschliffen, aufgetragen, geschliffen. mit immer feineren schleifmitteln (grobe erklärung). der lack der sich auf den alltären befindet war durchaus auch auf möbeln gebräuchlich. ich habe solche historischen lackrezepte schon öfters nachgekocht und rekonstruiert. normalerweise ergibt sich zwar ein glanz, aber bei weitem nicht so sehr wie bei einer schellackpolitur. also normalerweise im barock nur schleiflacke mit unterschiedlichen bastandteilen, da jede werkstatt ihre eigene rezepte hatte

gruß
 

gleiter

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also ich würde deine oberfläche gut durchtrocknen lassen und gut anschleifen mit 320er papier und den lack nochmals aufziehen (ohne pinsel, nur mit einem ballen)
.dass ich auch was schreibe was dir weiterhilft

Ah ja, vielleicht war ich nur zu ungeduldig mit jeweils 24 Stunden warten zwischen den Neuaufträgen. Ballen kann ja noch lustig werden mit Null Erfahrung...:emoji_grin:

.... der lack wurde in mehreren schichten aufgetragen und immer wieder geschliffen, aufgetragen, geschliffen. mit immer feineren schleifmitteln (grobe erklärung)....

Was sind denn das für Schleifmittel?

Ich denke mal - ganz laienhaft - mit dem "passenden" Abrasivum könnte ich auch noch hinkommen, nur, Welches? Wenn es denn überhaupt möglich ist.

Gruß, André.
 

unatorium

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so kopliziert ist das mit dem ballen nicht. es geht auch ein feines tuch das nicht fuselt. ich würds halt erst an irgendeiner leiste ausprobieren.

schleifmittel:
damals gabs ja kein schleifpapier, wie wir es kennen. höchstens mal eine leimgetränktes tuch, auf das sand gestreut wurde.
schleifmittel waren damals z.b. schachtelhalm, haifischhaut, bimsmehl in unterschiedlichen körnungen, trippel...

gruß robert
 

edelres

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Furnierte Altaere

Hallo unatorium,

aus deinen Postings geht hervor, dass du furnierte barock Altaere restauriert hast. Bitte stelle ein Aussagekraeftiges Bild einer deiner ausgefuehrten Arbeiten ein, oder nenne den Ort an dem man deine ausgefuehrten Werke bewundern kann, solche Arbeiten intessieren mich sehr und ich lerne gerne neues von einem Fachmann zu..

Dir stehen anscheinend Unterlagen ueber Restaurierung zur Verfuegung welche mir unbekannt oder nicht zugaenglich sind, vielleicht kannst du deutlicher werden auf welchen Literaturquellen deine in den Postings gemachten Aussagen basieren, wuerde mich brennend interessieren.

Auf welchem Weg bist du zu deinen Erkenntnissen ueber Petersburger Lack gekommen, besonders interessant hoert sich deine Ballentechnik an. Kannst du ein Bild einer ausgefuehrten Lackierung mit Petersburger Lack posten.

mfg

Ottmar
 

unatorium

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naja so unbekannt ist die fachliteratur auch wieder nicht. im werk von roubo steht fast alles drin zum beispiel. das ist aber auf französisch
 

unatorium

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hallo edelres, bzw. ottmar,

fotos kann ich erst am montag einstellen, da ich die fotos auf dem anderen rechner habe.

hier ist aber ein ähnliches obekt mit dem fast idenischen oberflächenaufbau (jedoch ein bisschen später entstanden):

- Neue Seite

gruß robert

unterlagen bzw. literaturquellen kann ich dir gerne auszugsweise per mail schicken...
 

TrolloN

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mann o mann! so was ist ja mal richtiges Fachwissen was man da braucht . In meinem nächsten leben bewerbe ich mich bei dir für ne Ausbildung. Sehr interessant
was du da machst , von so was kann ich ja als "einfacher Platten verarbeitender" Tischler nur träumen . Ausbildungsplätze sind bestimmt über Jahre in vor raus belegt oder?
Gruß Roland
 

unatorium

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hallo TrolloN,

mit ausbildungsplätzen siehts bei mir schrecht aus, da restaurator kein ausbildungsberuf ist :emoji_slight_smile:

ausser man geht den weg über schreinerausbildung, meister und lehrgang zum "restaurator im handwerk" ist aber ein bisschen was anderes was ich mache.

gruß robert
 

anobium60

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Auf "Antworten" klicken und dann "Erweitert", dann erst erscheint "Büroklammer". Weiter bin ich bisher aber auch nicht gekommen.
 

TrolloN

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An Unatorium
den Meister habe ich schon :emoji_slight_smile: .
Bin aber in "festen Händen" ,dadurch zu wenig zeit. Deshalb meinte ich ja im nächsten leben ,aber ich finde das einfach sau interessant .
 

gleiter

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Darf ich auch mal wieder? :emoji_wink:

Die Spuren habe ich (natürlich) nicht weg bekommen, dafür die Oberfläche ruiniert.

Also Alles abgenommen und Neuaufbau mit einem Ballen - bis jetzt schaut das ganz gut aus und ist eigentlich leichter gegangen als erwartet (befürchtet).

Nun sagt mein schlaues Buch (George Buchanan, Möbelrestaurierung selbstgemacht), dass beim Decküberzug Mineral- oder Rohleinöl verwendet werden soll um ein Gleiten des Ballens zu ermöglichen. Bezogen natürlich auf eine "echte" Politur.

Was ich mich - und Euch - jetzt frage, kann ich das auch für den Petersburger annehmen, und tut es eine Leinölfirnis auch?

Dank und Gruß, André.

P.S.: @ unatorium: Beeindruckendes Œuvre, Hut ab.
 
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