janhasse

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Ich habe ein in meinen Augen schönes Vertiko mit vielen Erinnerungen von meinen Großeltern geerbt und möchte das nun restauriert im Original-Zustand in mein Schlafzimmer stellen. Da sich hier bereits ein schönes Stück befindet, wäre es zu schade, wenn das Vertiko in dem jetzigen Zustand seinen Platz einnimmt.

Einschätzungen:

- Holzart und Baujahr: um welche Holzart (das gute Stück ist furniert) handelt es sich hierbei und aus welcher Zeit stammt die Kommode? Furniert wurde nur außen, die Innenseiten wurden nicht veredelt.

- Oberflächenbehandlung: Wie wurde die Oberfläche veredelt? Für mich sieht die Oberfläche fast "trocken" aus, also wenn überhaupt eine Lackschicht?!?!

-Ornamente: Wo lassen sich die passenden Ornamente und Holzfüße (vorne gedreht, hinten Vierkant) im Internet bestellen? Vor allem denke ich an die Zierleiste unterhalb der Schublade, bei der an der rechten Seite einige Stellen abgesplittert sind.

- Schnitzerein:
Werden diese Stellen auch furniert? Teilweise scheinen diese "Einkerbungen" schwarz angelaufen, wie kann ich diese reinigen bzw. behandeln?

Bearbeitung:

1. Wurmbefall:
Wie man auf den Fotos unschwer erkennen kann, sind einige Stellen, wenn auch nicht viele, vom Holzwurm befallen. Der Schrank steht seit gut 2 Monaten extra auf einer weissen Unterlage, der Wurm scheint nicht mehr aktiv zu sein. Trotzdem würde ich gerne gegen Holzwurmbefall behandeln? Welches Mittel wäre probat und könnt ihr dafür empfehlen? Oder ist hier eine Wärmebehandlung bei einem Experten nötig? Wie schätzt Ihr die gefahr der chemischen Mittel ein? Müssen die Austrittslöcher versiegelt werden oder reicht dafür der Lack, um vor der "giftigen" Substanz zu schützen?

2. Holzplatte:
Auf der rechten Seite der Oberplatte befindet sich ein Riss. Lohnt es sich die Platte zu reparieren, oder sollte eine neue her? Sollte sich neues Furnier besorgen lassen, wie kann ich dann vorgehen? Furnier abmachen und den Riss kitten, oder sollte man den Schnitt mit einer Kreissäge längs aufschneiden, so dass gerade Kanten entstehen und die Platte dann wieder mit entsprechenden Flügeldübel zusammenleimen?

3. Oberfläche: Abgesehen von den Furnierstellen, die wieder angeleimt werden müssen, weist die Kommode Kratzer auf. Könnt Ihr nach den Bildern beurteilen, ob beispielweise eine Behandlung mit Renuwell Möbel Regenerator ausreichend ist, oder ob ich das ganze Furnier erst abschleifen sollte und dann neu lackieren muss?

Viele Fragen für den Anfang, aber wir wollen ja keine halbe Sachen machen.
Ich freue mich schon auf die Arbeit und vor allem auf Eure hilfreichen Tipps und Anmerkungen. Vielleicht sagt ja auch jemand, ich solle lieber die Finger von dem guten Stück lassen und auf Grund des Wertes damit zum Fachmann gehen?

So oder so.... herzlichen Dank im Vorfeld für Eure Bemühungen!
 

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janhasse

ww-birke
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Furnier

die Furnierung habe ich aus den unten beigefügten Bildern geschlossen, aber auch zu merken daran, dass die Türrahmen innen stumpf zusammen stoßen (Schlitz und Zapfen), außen aber auf Gehrung verlaufen. Es scheinen sehr dünne Furnierblätter benutzt worden zu sein. Stärke ca. 1,5mm?
Nach einigen Recherchen tippe ich auf Gründerzeit.
Meint ihr, es handelt sich um Nussbaum Wurzelfurnier?



 

welaloba

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Hallo janhasse, deine Art zu fragen würde mir keine andere Möglichkeit lassen als dich zum Fachmann zu schicken. Die Arbeiten an deinem Vertiko sind so vielfältiger Natur, ebenso die erforderlichen Werkzeuge und Materialien, dass das Beraten über die Restaurierung den Rahmen dieses Forums sprengen würde (Meine persönliche Auffassung) Nein, es braucht keine neue Platte, es muss auch kein Furnier geschliffen werden, und nein, Renuwell ist nicht das Mittel der Wahl bei tiefen Kratzern. Es sind diverse Holzarbeiten erforderlich, die entsprechende Erfahrung erfordern, der alte Lack muss wahrscheinlich mehr oder weniger mit Alkohol oä. abgewaschen werden, um eine neue Oberfläche aus Schellack aufzubringen.
Das Möbel stammt aus etwa 1895 - 1910, also Jugendstil, das Furnier (i.d.R. 0,6 mm) ist meist Nussbaum, manchmal Mahagoni (was in deinen Bildern nicht mit letzter Sicherheit zu sehen ist), die Vollholzapplikationen sind entweder aus dem gleichen Holz oder aber aus angefärbtem ähnlichem Holz.
Ob du das Geld, das der Fachmann kostet, der dein Möbel restauriert, ausgeben willst, musst du selbst entscheiden. Bei ideellen Geschichten wie "von den Großeltern geerbt" gibt man auch schon mal etwas mehr aus als das Möbel vielleicht wert ist.
Gruß Werner
 

janhasse

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Kompromiss

Danke Werner!
Meinst Du mann kann einen Kompromiss derart finden, dass ich Kosten spare, indem ich einige Arbeiten selber erledige und die wichtigen dann einen Fachmann machen lasse. (ich werde mich sicherlich nicht bei dem Stück das erste Mal an eine Schellack-Veredelung versuchen!)

Die Schleifmethode habe ich in der Zwischenzeit auch verworfen, muss jedoch gestehen, dass ich die von Dir an anderer Stelle angeführten Alkoholtest nicht ganz verstanden habe.Mit welchem Test sollte ich anfangen, damit ich herausbekomme, wie ich den Lack am besten abbekomme?

Zur Reihenfolge habe ich aus Deinen alten Beiträgen folgendes herausgelesen?

- Statik kontrollieren und ausbessern

- lose Furniere nach den Regeln (wasserlöslicher Leim wie zB. Fischleim, Papierauflage, feste Zulage angewärmt, Zulage auf Gegenseite wenn nötig, genügend Druck mit Schraubzwingen) niederleimen

- Furnierfehlstellen mit passendem Furnier (Struktur, Holzart, Dicke) ergänzen

- Lackreste mit Alkohol oder alkohol-Nitromischung 50:50 entfernen (siehe oben: wie ist hier das Vorgehen?) Keine Stahlwolle verwenden, sondern Kunststoffvlies

- wie gehe ich mit tiefen Kratzern um? Habe hier gelesen, die werden mit Dampf "Ausgebeult"??? Oder werden die gekittet und mit neuem Furnier versehen?
Lack ist ab und das Furnier muss noch von kleinen Kratzern und Macken befreit werden? Würdest Du hier nicht mit feinem Schleifpapier und einem Schleifklotz arbeiten?

- Oberflächenbehandlung lasse ich mal außen vor.

- Du als Fachmann, wie hoch würdest Du denn die Kosten schätzen, wenn ich es weg gebe, und welche KKosten könnte ich mir durch Vorarbeiten ersparen. Und um gleich das Verhältnis auszuloten.... welchen Wert hat das Vertiko jetzt und wenn es proffessionell restauriert worden ist?

Ich danke Dir für Deine Einschätzung
 

welaloba

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Hallo janhasse, was du selbst bei der Restaurierung machen kannst, musst du bitte mit dem Fachmann deiner Wahl vor Ort besprechen. Das ist aus der Ferne nicht zu beurteilen. Wenn du dich bspw. an Schellackoberflächen herantraust, gib die Holzarbeiten in Auftrag. Gut Ding braucht Weile.
Gruß Werner
 

garfilius

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- Furnierfehlstellen mit passendem Furnier (Struktur, Holzart, Dicke) ergänzen

Hast Du passendes Furnier?

- wie gehe ich mit tiefen Kratzern um? Habe hier gelesen, die werden mit Dampf "Ausgebeult"???

Dellen, wo das Holz "nur" zusammen gedrückt wurde, kann man "ausbeulen". Bei Kratzern wurde Material abgetragen. Das müßte entweder ergänzt werden oder Du lebst mit dem Kratzer.

Ansonsten schließe ich mich Werners Meinung an...
 

janhasse

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das Furnier kann ich mir besorgen, ja. Wir haben hier ein hervorragendes Geschäft für Restaurierungsbedarf, da habe ich in der Vergangenheit eigentlich alles bekommen. Aber ich konnte noch nicht zweifelsfrei feststellen, ob es sich um Mahagoni oder Nussbaum handelt.

Sollte es sich um 0,6mm Furnier handeln, nehme ich an, ist schleifen eh zwecklos, oder?
 

dascello

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Lieber Jan,

also den Bildern nach würde ich auf Mahagoni tippen, ist aber von hier aus schwer zu sagen.
Generell ist heutzutage unter Restauratoren eher die Tendenz zu erkennen, originale Lack- oder Schellackschichten zu erhalten (im Gegensatz zu vor 20 Jahren, als Möbel nach dem Restaurieren so aussehen mussten, als kämen sie gerade aus der Manufaktur). Auch deshalb ist das mit dem Schleifen so eine Sache.
Ich habe ein Mahagonimöbel, das der Restaurator seinerzeit an einer unsichtbaren Stelle mal testweise angeschliffen hat. Da kam eine komplett andere Farbe raus. Wir kamen damals überein, den originalen Schellack drauf zu lassen.

Willst Du ein würdevolles, aber altes Jugendstilmöbel oder soll es glänzen wie aus dem Laden?
Beides hat seinen Reiz.

Gruß

Michael
 

janhasse

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Ich stehe gar nicht auf Schellack oder den Glanz einer Manufaktur.

Ich mag viel lieber den Duft und die Optik von Öl & Wachs .-) was wohl hier aber nicht angebracht sein dürfte, oder?

Schellack nein, eine gepflegte Optik ja! Dazu gehört für mich auch, zumindest die Schäden auszubessern und tiefe Kratzer irgendwie zu retouchieren.
Ich glaube auch, wenn man die eigentlich "kleinen Schäden" ausbessert und den Dreck von der Oberfläche holt, dass man durch einfach Handgriffe dem guten Stück viel von seinem eigentlichen "Glanz" zurückgibt, ich will also versuchen die Maserung wieder zum Scheinen zu bringen :emoji_slight_smile:
 

dascello

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doch nur eine Serienproduktion?

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klar, das waren Manufakturen, die Möbel in Modellinien mit verschiedenen Dekors und verschiedenen Holzarten anboten.
Oma hat mit ihrem Geld auch rechnen müssen. In den Gründerjahren wurde immens viel aufgebaut, möbliert und angeschafft. Die Produktion ging mit Maschinen und mehr oder weniger ungelernten Arbeitskräften, nur selten und für wirklich Reiche noch per Hand.
Das kann aber den Charme Deines Vertikos nicht schmälern. Qualitativ war ein Fabrikmöbel dieser Zeit immer noch meilenweit oberhalb unserer üblichen blaugelben Möbelware angesiedelt.


Gruß

Michael
 

elgarlopin

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Aber Hallo,
das gezeigte Stück ist doch vollkommen anders, z.B. die Beschläge!
Gemeinsam ist ihnen lediglich, dass es sich um ein Vertiko handelt!
Franz
 

janhasse

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Die Originalität der Beschläge kann wohl an beiden Vertikos nicht garantiert werden. Allerdings scheint zwar das Motiv das gleiche, allerdings in unterschiedlichen Abmessungen, so dass es sich wohl eher nur um eine Schablone, nicht aber um eine Serie des ganzen Vertikos handelt.

lasst uns doch wieder über das praktische diskutieren.

- Wurmbehandlung: Lohnt sich eine Bekämpfung mit Stickstoff oder verwendet ihr einfach ein chemisches Mittel wie Xylamon?

- würdet ihr den alten Lack runter holen?
 
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