Neuaufbau Küchentisch

JeanClaude

ww-kastanie
Mitglied seit
18 August 2012
Beiträge
29
Hallo Holzwerker,

meine Freundin ist für ein paar Wochen außerhaus, was mir die Gelegenheit eröffent endlich unseren Küchentisch neu aufzubauen. Es handelt sich um folgenenden Tisch in Rahmenbauweise, der von einem Vorbesitzer mit jeder Menge Spachtel 'verkaufsfertig' gemacht wurde.
20130403_071052_k.jpg
Als angehender Hobby-Holzwerker, konnte ich die 5mm dicken Fugen nicht mehr ertragen.
20130403_071218_k.jpg
Da er mal ein Geschenk war, sind viele Emotionen im Spiel - er muss also in drei Wochen wieder perfekt aufgebaut und fertig sein. Der millimeterdicke Leim war beim zerlegen recht hilfreich. Die Teile ließen sich mit ein bisschen Dampf, Wasser und sanfter Gewalt wunderbar trennen oder sind beim lösen der Platte von alleine abgefallen.
20130702_100749.jpg

Alle Nuten, in denen eine Feder eingesetzt war, habe ich bereits gereinigt und geschliffen.
20130702_120828.jpg


Der mittlere Querfries und ein paar Kanten von den Platten sind dabei morsch zu werden. Ich würde diese morschen Milimeter gerne grade wegschneiden und den Tisch ein bisschen kleiner wieder zusammensetzten.

Fragen:
In welcher Reihenfolge baue ich den Rahmen aus?

Ich dachte daran die Längsseiten der Platten gerade abzuschneiden und zwei Platten mit jeweils einem senkrechten Mittelfries zu verleimen.
Dann die Seiten dieser neuen Platten (Platte, Mittelfries, Platte) beschneiden und mit dem Querfries zu einer Platte verleimen, die dann mit einem eingepassten, kleineren Rahmen eingefasst wird.

Habt ihr noch weitere wichtige Punkte, die ich auf keinen Fall vergessen sollte?

Danke für eure Hilfe!

Jean Claude

PS: Könnt ihr in einer Ferndiagnose feststellen aus welchem Holz er ist?
 

beppob

ww-robinie
Mitglied seit
5 Juni 2012
Beiträge
2.993
Ort
Oberallgäu
grüß dich jean claude,

die Tischplatte ist aus Ahorn.
du darfst nur die rahmenfriese verleimen, die mittleren platten (füllungen) dürfen nicht mit den rahmen verleimt sein, da sonst das holz nicht mehr "arbeiten" (quellen und schwinden) kann.
wenn das holz sich bei trockener luft etwas zusammenzieht (schwindet) können in der platte wieder fugen entstehen, die darfst du aber nicht auskitten, da das holz bei höherer Luftfeuchte wieder quillt und den platz wieder braucht.
ein sehr schöner tisch und auf jeden fall erhaltenswert,

gruß aus dem oberallgäu,
beppo
 

JeanClaude

ww-kastanie
Mitglied seit
18 August 2012
Beiträge
29
Hallo Beppo,

danke für die Antwort. Nun erinnere ich mich auch als Laie ganz dunkel daran, dass Holz arbeitet :emoji_wink:
Soll ich die Platten genau (in einem Schnitte mit den Platten) ablängen oder sollten diese einen Ticken länger sein? Der Rahmen und die Platten müssten ja eigentlich gleich arbeiten.

Danke für die Hilfe!

Jan
 

beppob

ww-robinie
Mitglied seit
5 Juni 2012
Beiträge
2.993
Ort
Oberallgäu
grüß dich jan,

in der länge können füllung und fries gleich lang sein, da sie auch gleich arbeiten, wobei das arbeiten in der länge vernachlässigt werden kann, weil es bei 0,..% liegt.

das querfries in der mitte des tisch müsste normal etwas länger sein, daß die füllungen in der breite etwas luft haben. wobei man natürlich die Tischplatte gern ohne fugen hätte. da holz im laufe der zeit meist eher schwinden als quellen wird, würde ich persönlich wenig bis keine luft lassen. aber ich kenne deine Werkstatt nicht. ich habe bei mir ein Hygrometer, wo mir die holzfeuchte anzeigt. wie gesagt, fachlich richtig wäre etwas luft. ich würde mich trauen, keine zu lassen, will dir aber nicht eindeutig dazu raten, wenn dein holz (wider erwarten) doch zu trocken ist, dann kann es beim quellen der füllungen deinen rahmen wieder auseinander drücken :emoji_frowning2:

gruß nochmal aus dem oberallgäu,
beppo
 

JeanClaude

ww-kastanie
Mitglied seit
18 August 2012
Beiträge
29
Was gestern noch geschah:

Ich habe Friese, Platten und Rahmen wieder gerade und rechtwinklig zugeschnitten. Dabei ist der Tisch 2,4/1,1cm geschrumpf.
20130702_162713.jpg

Anschließend habe ich noch die Nuten von 8 auf 10mm verbreitert und gleich noch ein paar mm tiefer gesetzt.
20130702_171958.jpg
20130702_172825.jpg

Aus einem Stück Multiplex habe ich die passenden Federn geschnitten. Alte vs. neue Federn.
20130702_192944_k.jpg

Damit ist die Platte wieder Fugenfrei und stabil.
20130702_175356.jpg


Heute möchte ich dann den Rahmen neu aufbauen. Auf den Außenfriesen ist ein 'fake' Zapfen vom Mittel und Querfries. Damit diese wieder mittig sind werde ich alle Ecke neu aufbauen müssen.

Bei zwei Ecken hatte der Vorbesitzer schon mal die Säge angesetzt und die Verbindung mit einem 45°-Schnitt aufgetrennt. Diese möchte ich nur sauber auf 45° nachschneiden und dann eine Langholzfeder einsetzten.

Die beiden anderen Ecken sind noch geschlitzt mit der oberen Wange auf 45°. Die möchte ich auch wieder baugleich aufbauen.

Fragen heute:

Bei welcher Ecke sollte ich anfangen?

In welcher Reihenfolge baue ich die geschlizten/45°-Ecken auf? An welcher Stelle lasse ich Luft um eine Doppelpassung zu vermeiden?


Schonmal großen Dank an dieser Stelle. Ohne das Forum (und Beppo :emoji_wink: ) hätte ich grade die Zwingen von der Platte gelöst..
 

beppob

ww-robinie
Mitglied seit
5 Juni 2012
Beiträge
2.993
Ort
Oberallgäu
grüß dich jan,

sieht ja schon sehr gut aus :emoji_slight_smile: das mit den ecken und der doppelpassung verstehe ich nicht ganz :emoji_open_mouth: hast du da mal ein bild ???

die platte hat einen sehr schönen altholzcharakter, Wurmlöcher , aber nicht zu viele, farbe, Patina, genau perfekt. ABER bei den Holzwürmern kann man nie sicher sein, ob da noch welche hausen. ich würde die platte noch einer holzwurmkur unterziehen, das kannst du evtl auch wenn sie fertig ist, da werden z.t. ganze schränke (antikquitäten) gemacht. das sind Klimakammern, wo die Möbel entweder gefroren oder erhitzt werden. das geschieht so schonend, daß dem Werkstück nichts passiert, alte Möbel sind ja z.t. tapeziert, da passiert nix. aber der wurm wird abgetötet.:cool:
bevor du dir jetzt an haufen arbeit machst und der wurm nagt fröhlich weiter :mad:
vielleicht hast du ja einen Restaurator oder Antiquitätenhändler, den du mal fragen kannst. wie gesagt, das ist kein muß, es wäre nur zur Sicherheit.

gruß beppo
 

JeanClaude

ww-kastanie
Mitglied seit
18 August 2012
Beiträge
29
Habe mich einfach mal rangetastet. Trotz aller Vorsicht haben sich ein paar Fehler eingeschlichen.

Beim letzten zurechtlegen habe ich die beiden Mittelfriese vertauscht. Statt misstrauisch zu werden, habe ich dann die Palatten neu zugeschnitten. Halb so wild - passt.

Das Querfries ist leider einen Millimeter zu kurz geworden..

An den Ecken ist hie und da ein klein wenig zu viel Luft. Dafür konnte ich einige hässliche Fehlstellen wegnehmen, die genau am Rand lagen.

vorher_nachher.jpg
vorher_nachher_2.jpg
vorher_nachher_3.jpg

Bevor ich ans Leimen gehe brauche ich noch Holz für die Federn. Bis jetzt ist alles nur gesteckt. Mit den neuen Federn hällt die Platte jedoch jetzt schon besser als zuvor. Ich überlege daher nur die vier Ecken zu verleimen. Spricht da etwas dagegen? Habt ihr noch Tipps fürs Leimen?

Grüße JC
 

beppob

ww-robinie
Mitglied seit
5 Juni 2012
Beiträge
2.993
Ort
Oberallgäu
grüß dich jc,

hast du super gemacht, ich würde alle Friese verleimen, einfach vom gefühl her. halten wird es auch, wenn du nur die ecken machst.
beim verleimen beginnt die zeit zu laufen, wenn du den leim angegeben hast. deshalb solltest du vorher alles vorbereitet haben, was du an zwingen und zulagen benötigst. ich würde an den ecken beim verleimen nicht nur seitlich die Gehrungen mit zwingen spannen, sondern auch unten und oben eine zulage mit einer zwinge ansetzen, damit die feder in der stärke auch druck bekommt und daß es dir die ecken nicht verdreht. am besten sind glatte zulagen, kunststoffbeschichtete plattenreste, glatte seite der siebdruckplatte oder so, die kleben dir nicht an, wenn etwas leim aus der fuge gedrückt wird. wenn du sowas nicht hast etwas frischhaltefolie, und ein stück gehobeltes holz, tuts auch.

gruß beppo
 
Oben Unten