Gründerzeitkommode - Furnier aufarbeiten, Kanten und Kratzer ausbessern?

Annett

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Hallo woodworker,

ich habe eine - wahrscheinlich - Gründerzeitkommode bzw. einen Waschtisch erworben. Dieser müsste restauriert werden.

In sehr vielen Beiträgen, welche sich mit der Thematik von Furnierarbeiten befassen, habe ich gelesen und gestöbert. Da ich aber meist nur über Ablaugen Berichte gesehen habe, ich jedoch das Gute Stück gern nur aufarbeiten möchte, frage ich doch lieber noch einmal nach, ehe ich etwas falsch mache und das gute Stück beschädige.

Es ist mir sehr wichtig, dass die Optik und der originale Zustand beibehalten bleibt.

Wie auf den Bildern zu erkennen, sind Ecken und Kanten beschädigt. Es handelt sich um ein Nussbaum-Furnier. Unrestaurierter Originalzustand.


Nun meine Fragen:

(1) Wie erhalte ich eine saubere Oberfläche und wie bekämpfe ich die kleinen Schäden und Kratzer? Muss ich ablaugen oder wird das Furnier dadurch beschädigt (dies wurde mir bisher nicht klar, da ja eigentlich durch das Laugen die Farbe gelöst wird, richtig?)

(2) Vor allem die Kanten der Schubladen machen mir Sorgen. Gibt es Mittel, diese Kanten wieder aufzufüllen oder aufzuarbeiten?

(3) Wie kann ich die Schubladen bzw. das Innenleben der Kommode aufarbeiten? Sollte dies neu geschliffen werden und eventuell mit einer neuen Lasur versehen werden? Meine Bedenken gehen dahin, dass es ein Mittel sein sollte, welches Objekte oder Textilien, welche dann darin verstaut werden soll, nicht angreift (in Hinsicht auf Geruch oder Abfärbungen). Soll es ein Klarlack sein oder gibt es andere Möglichkeiten?

(4) Wie sollte ich die Rückwand der Kommode bearbeiten bzw. pflegen? Wieder kurz abschleifen und danach mit einer Schutzlasur streichen?

(5) Da dies ein Waschtisch ist, und ich diesen eventuell auch einmal gern als solchen in einem Bad nutzen möchte (wohl erst in vielen Jahren, wenn ich ein größeres Bad zur Verfügung habe).. Eignet sich denn diese Kommode für Feuchträume?

Ich weiß, es sind viele Fragen. Aber da ich bisher keine Erfahrung in dieser Art habe, ein Stück so original wie möglich zu belassen, frage ich lieber nach. Ich finde es Schade, wenn man solche alten Stücke beschädigt oder einfach nur überlackiert. Da ich aber wegen meines Studentendaseins nicht über die Mittel verfüge, dieses Stück in professionelle Hände zu geben, würde ich es gern selbst versuchen.


Vielen Dank für Antworten und Hilfestellungen.

p.s. Ich werde wohl noch einen Artikel mit weiteren Fragen zu einem barocken Spiegelrahmen und einen alten Stuhl einstellen, bei dessen Rekonstruierung ich mir noch vollkommen im Unklaren bin. Dies wird wegen der maximalen Anzahl der Bilder in einen anderen Thema eingestellt.
 

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derdad

Moderator
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Liebe Anett!
Erstmal sag ich Bravo, dass du diesen Waschtisch im Original belassen willst.
Jetzt zu deinen Fragen:

1) Du brauchst nicht ablaugen. Kleine Kratzer und leichte Dellen würde ich lassen wie sie sind (ein altes Möbel hat nun mal genauso "Falten" wie ein alter Mensch. Gerade das macht beide ja erst interessant ). Nach den Ausbesserungsarbeiten, würde ich das Gute Stück mit Renuwell behandeln.

2) Zuerst einmal kontrollier wo lose Stellen sind und leim diese wieder nieder. Weissleim hinter die losen stellen streichen (Finger, kartonstreifen, Zahnstocher,......der fantasie sind keine grenzen gesetzt) und wenn möglich mit Zwingen und Zulagen niederleimen. An den Kanten kannst auch Klebestreifen spannen. Bei kleinen ausgebrochenen Stellen kannst du Weichwachs verwenden. das gibt es in verschiedenen Farben und ist auch im Baumarkt erhältlich."Bei größeren Fehlstellen würde ich entsprechende Furnier einleimen.

3)Im Original war das Innenleben dieser Schränke meist unbehandelt. Auch die Rückwand. In die Schubladen, und bei Schränken auf die Fächer, wurde Packpapier gelegt. Du kannst es aber mit Öl oder Wachs behandeln. Anleitung findest du hier im Forum genug. Vorher abschleifen ist empfehlenswert.

5) Ich würde es nicht ins Bad stellen. In modernen Bädern ist das Problem der Wasserdampf, der dann ins Holz eindringt. Die Oberfläche dieser Kommode ist wahrscheinlich mit Schellack behandelt und der würde rissig und rauh werden und womöglich verschiedentlich auch abplatzen. In alten Bäder, (sofern es diese gab- solche Waschtische standen oft im Schlafzimmer) herrschte nicht so eine hohe Luftfeuchte, und vor allem gab es kaum Wasserdampf.

Ich hoffe, ich konnte dir ein bisschen weiterhelfen. Für "Feinheiten" auf diesem Gebiet ist aber Kollege Ottmar (edelres) ein Spezialist.

gerhard
 

Annett

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Vielen Dank für deine Tipps, Gerhard.

Natürlich möchte ich es von der Charakteristik gern so beibehalten. Aber ich habe mir eben mehr Gedanken gemacht, dass es viel mehr Arbeit sein würde.

Zumal noch eine Anrichte in Nussbaum existiert, welche heller ist als diese. Ich hätte schon gern den selben Farbton, aber das muss nicht sein. Die beiden Stücke stehen ja nicht im selben Raum.


Gibt es eine Alternative zu Renuwell, um es wieder aufzupolieren?
 
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