Gründerzeit Stühle

Uwe Bolik

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Hallo,

ich habe 3 Stühle erworben. Zwei davon sind noch im Urzustand. Bei einem Stuhl hat der Vorbesitzer bereits mit den Arbeiten begonnen.

Nun habe ich folgende Fragen:

Wie gehe ich am besten vor, damit am Ende alle 3 Stühle die gleiche Farbe haben?

Welche Beize verwende ich? Handelt es sich hier um Nussbaum?

Eine Flechtanleitung habe ich bereits in einem anderen Beitrag erhalten (Vielen Dank!). Wurde hier das Geflecht auch gebeizt oder ist dies Altersbedingt?

Vielleicht kann auch jemand noch etwas zu den Stühlen sagen? Handelt es sich um Stühle aus der Gründerzeit/Historismus? Die Stühle wurden einem Aufkleberrest nach in Frankfurt am Main hergestellt.

Vielen Dank und viele Grüße

Uwe
 

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welaloba

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Hallo nach Hünstetten, diese Stühle stammen wohl eher aus der Zeit um 1900 oder etwas danach, nur die Ecken am Rücken unten haben noch einen Rest "Gründerelemente". Dieses Modell Stuhl wurde gewöhnlich aus Buche hergestellt, das ist aber in Deinen Fotos so genau nicht zu sehen. Oftmals sind die Sitzrahmen dieser Stühle nussbaumfurniert, da wäre dann drauf zu achten, ob was lose ist und geleimt werden muss. Detailfoto möglich?
Ansonsten hat der Stuhl im linken Foto noch eine (Original???-) Lackoberfläche, während der rechte abgebeizt / abgelaugt (??) ist, auch das ist aus der Entfernung nicht zu erkennen. Wenn das Holz sehr fusselig ist, müsste geschliffen werden, am ehesten wohl von Hand, beginnend mit 120 oder 150, wässern, Schliff mit 150, 180. befeuchten mit Alkohol um zu sehen, in welcher Farbe das Holz mit Lack erscheint. Wenns Buche ist, muss wohl etwas gebeizt (gefärbt) werden. Nusskörnerbeize (auch Saftbraun genannt, beziehe ich von kremer-pigmente.de) trifft den Nusston meist ganz gut. Etwas experimentieren mit der Konzentration der Beize ist angesagt, Zusatz von 3 - 5 % Salmiak zur Beize erleichtert das Eindringen der (übrigens [heiß-]wasserlöslichen) Beize. Beim linken Stuhl würde ich nicht unbedingt den vorhandenen Lack abnehmen, sondern eher reinigen, zB. mit warmem Spüliwasser, gut trocknen lassen, leicht anschleifen und Lackfehlstellen in aller Ruhe mit Schnellschliffgrund pinselnderweise ergänzen. Dabei ist natürlich wieder zu prüfen, ob die Farbe hinkommt oder ob auch hier vorsichtig gebeizt werden muss. Eine andere Variante ist, mit eingefärbtem Lack zu arbeiten. Erfordert vorsichtiges Arbeiten. Bei mehr Lackierarbeit lohnt sich u.U. der Einsatz einer kleinen Lackierpistole - soweit vorhanden. Ansonsten mit nicht zu dickem Flachpinsel arbeiten. Den Lack ca. 10 % verdünnen und dünn auftragen und gut vertreiben um sicher zu sein, dass es keine Laufnasen gibt. Vorsichtig zwischenschleifen. Gut trocknen lassen. Je mehr Schichten Nitrolack, desto schwieriger zu verteilen.
Lackoberflächen für solche Stühle lassen sich auch mit Schellack herstellen, diesen kann man auch pinseln, was aber mehr Aufträge erfordert. Fertigpolieren mit wachshaltiger Schellackmattierung (eine nicht zu helle Sorte). Das alles bitte vor dem Flechten. Hoffe geholfen zu haben. Frohes Schaffen. Gruß aus Hofheim, Werner
 

Uwe Bolik

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Hallo Werner,

vielen Dank für die ausführliche Antwort und viele Grüße ins nahe Hofheim :emoji_slight_smile:.

Detailsfotos reiche ich noch nach. Soweit ich das erkennen kann ist die Stuhlfläche nicht funiert. Der Lack scheint noch Orginal zu sein, da auf der Unterseite des Stuhles noch Reste eines Papieraufklebers vom Hersteller bzw. Notizen in alter Schrift zu erkennen sind.

Ich werde wie vorgeschlagen mit dem reinigen und ergänzen der Lackfehlstellen beginnen. Die Stühle sollen ja am Ende auch nicht wie neu aussehen und Ihre "Patina" behalten.

Mich würde noch interessieren ob ich nach dem Flechten das Gefelcht noch irgendwie beizen muss oder ob bei diesen Stühlen das geflecht ursprünglich "naturfarben" war und nur mit den Jahren gedunkelt ist.

Vielen Dank und viele Grüße

Uwe
 

welaloba

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Hallo Uwe, das hatte ich vergessen. Beizen m. Wasserbeize (der Geflechte) geht nur, wenn das Rohr geschält ist. Ansonsten kann man mit Antikgrundbeize von den Jungs mit den zwei Hörnern patinieren. Ist aber nicht so dauerhaft.
Gruß Werner
 

welaloba

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Hallo Uwe, was stilecht ist, kann ich überhaupt nicht sagen. Ich vermute, dass erhaltene alte Geflechte nicht gebeizt wurden, sondern über die Jahrzehnte von allein dunkel wurden. Das sind dann aber die mit der Glanzschicht. Andererseits: Ein Korbmacher / Stuhlflechter, den ich kenne, patiniert mit Zweihorn Antikgrundbeize 9800/ Farbnr. Hab ich für Kunden auch schoin gemacht. Für mich selbst würd ichs lassen und die ungeschälten glänzenden Fäden verarbeiten (lassen).
Gruß Werner
PS Ich häng mal ein Bild an von einem Hocker, der steht bei uns in der Küche am Fenster. Das Geflecht ist vielleicht 8 Jahre alt und ungebeizt.
 

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Uwe Bolik

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Hallo Werner,

vielen Dank für die Mühe.

Dann werde ich auch so vorgehen und das Geflecht unbehandelt lassen.

Ich habe soeben angefangen die das alte Geflecht zu entfernen. Dabei ist mir aufgefallen, dass in der Lehne die hintere Seite der Lochbohrungen mit Funier überdeckt sind. Hier kann ich nur das alte Funier zerstören und dann nach dem flechten neu funieren (ich hoffe ich habe mich verständlich ausgedrückt).

Viele Grüße

Uwe
 

welaloba

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Guten Abend, das kenne ich so. Das artet dann richtig in Arbeit aus. Musst wahrscheinlich auch eine Nut freilegen, in welcher das Geflecht bzw. die Knoten verschwinden. Weiterhin erinnere ich, dass die Nut dann vor dem überfurnieren mit Gips gefüllt wurde...
Frohes Schaffen also. Gruß Werner
 

derdad

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Hallo Werner,

vielen Dank für die Mühe.

Dann werde ich auch so vorgehen und das Geflecht unbehandelt lassen.

Ich habe soeben angefangen die das alte Geflecht zu entfernen. Dabei ist mir aufgefallen, dass in der Lehne die hintere Seite der Lochbohrungen mit Funier überdeckt sind. Hier kann ich nur das alte Funier zerstören und dann nach dem flechten neu funieren (ich hoffe ich habe mich verständlich ausgedrückt).

Viele Grüße

Uwe

Hallo Uwe!
Es gibt eine Methode wie du die Hinterseite der Flechtung nicht beschädigen musst. Ist aber nur für Lehnen oder weniger belastete Geflechte geeignet. Und zwar weden da die Löcher nicht durch, sondern nur Sacklöcher gebohrt. Die Flechtfäden werden dann in das Loch gesteckt (wir nennen diese Art des Flechtens auch "Stecken") und mit einem Stöpsel gehalten. Richtig fixiert wird das Ganze dann mit dem umlaufenden Abdeckfaden. Da wird der Faden auch ins Loch gesteckt, dazu kommt dann ein kleiner Stöpsel und der Abdeckfaden wird über den Stöpsel gelegt und ins nächste Loch gesteckt.
Klingt verwirrend, ich weiß. Ich werd mal schauen ob in der Werkstatt gerade so ein Sessel in Arbeit ist oder ob in einem Buch diese Art beschrieben ist. Dann mach ich Bilder davon.
Die Nut auszuräumen und wieder zu verschließen ist eine Sch.......Arbeit. Soweit es geht vermeide ich dies immer. Auch weil es sehr viel Mehrarbeit ist.

gerhard

P.S.: Geflecht beizen oder nicht. Lass es ungebeizt. Es wird relativ bald von alleine dunkler.
Noch was. Ein geschälter Flechtfaden (also die ohne Glanzschicht) sollte nicht verwendet werden, weil er um einiges weniger belastbar ist als einer mit Glanzschicht.
 

Uwe Bolik

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Hallo,

vielen Dank für die vielen hilfreichen Tipps.

Ich habe nachgeschaut... es ist wirklich Gips hinter dem Furnier (als Laie war ich sehr überrascht).

Die Idee mit dem Stopfen finde ich gut, da es mir eigentlich widerstrebt die Orginalsubstanz zu zerstören.

Vielen Dank und viele Grüße

Uwe
 
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