Freischwinger Stuhl selber machen

Dieses Thema im Forum "Neuling fragt Profi" wurde erstellt von mkrug, 26. April 2008.

  1. mkrug

    mkrug ww-pappel

    Beiträge:
    1
    Ort:
    München
    Hallo zusammen,

    ich würde gerne einen Freischwingerstuhl selber machen. Vom Aufbau her denke ich werde ich zwei geschwungene Seitenteile aus einigen Lagen Furnier machen. Das ganze in eine Form eingelegt und dort verleimt. Für die Sitz- und Rückenfläche nehme ich evtl käufliche Stühle her. Also Holz denke ich an Eiche oder Esche.
    Vielleicht hat jemand damit Erfahrung und kann mir folgendes beantworten:


    + braucht es einen 'Vorhalt' bei den Biegungen weil nach dem herausnehmen aus der Form sich die Teile 'zurückstellen'. Wenn ja, kann man sagen wieviel ?

    + welchen Leim nimmt man. Aus dem Gefühl heraus würde ich sagen das gewöhnlicher Weissleim nicht das ideale ist da er vielleicht zu elastisch bleibt.

    + Die Form für die Seitenteile hätte ich aus 38mm Tischlerplatte gesägt. An den 'Innenseiten' (also dort wo die Furniere eingelegt werden) einen 2mm Filz zum Druck und Formausgleich eingeklebt. Könnte das funktionieren ?

    + hat jemand einen Tipp für ein selbst hergestellte Rücken- oder Sitzfläche ? Mich schreckt im Moment beim 'Formenbau' dir Grösse und wie man sauber die Kontour ausfräst und schleift. Für die Seitenteile stelle ich mir das dank der Bandsäge relativ einfach vor.

    Gruss aus München
    Markus
     
  2. garfilius

    garfilius ww-robinie

    Beiträge:
    918
    Ort:
    Leipzig
    Ich hab so etwas ähnliches für den Bootsbereich mit Epoxydharz verklebt.
    Prüfe vorher, ob Dein Furnier die geplanten Radien mitmacht!
    - es stellt sich nichts zurück
    - nur die Bandsäge reicht nicht. Jede größere Sägeecke zeichnet sich so ab, dass der ideale Bogenschwung geknickt aussieht. Zumindest schleifen solltest Du noch.
    - Du wirst eine Gegenform oder gaaaanz viele Zwingen brauchen
    - schade um die Tischlerplatte. Nagel+leim was aus zwei Lagen Brettern zusammen und säg das aus

    Zu Lehne und Sitz kann ich leider nichts sagen, bin aber auf die Antworten gespannt.

    Gruß
    Gero
     
  3. derdad

    derdad Moderator

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    Wien/österreich
    Hallo Markus!
    Vielleicht kann ich dir bei deinem Projekt behilflich sein.
    Den Freischwinger, den du auf den Fotos siehst, wurde in meinem EZA-Projekt in Uganda hergestellt. Die Idee und auch die Formen und Lehren stammten noch von meinem Vorgänger im Projekt. Ich glaub aber trotzdem einiges dazu sagen zu können.
    Die Pressschablone wurde aus Panellplatte hergestellt und bestand aus dem inneren, einteiligen Kern und einer dreitgeteilten Aussenspressform. In den Kern waren Löcher gebohrt um Zwingen ansetzen zu können. Ausgeschnitten wurde die Schablone wahrscheinlich mit der Stichsäge, da keine Bandsäge in der Werkstätte vorhanden war. (die einzelnen Platten extra, dann verleimt, und dann die Pressflächen mit der Hand gehobelt und geschliffen). Vorteilhaft ist eine Schablonendicke, die es erlaubt doppelte Wangenbreite zu verleimen, und sie nachher auseinanderzuschneiden.

    Für die Sesselwangen selbst wurden 7 Lamellen verwendet. Wie ich erfahren konnte hat man es auch einmal mit 5 Lamellen versucht, die Wange war aber dann nicht mehr stabil genug, da ja die Leimfuge die eigentliche Stabilität des "Formhaltens" erzeugt. Von Furnieren würde ich abraten. 1; ist der Leimauftrag bei so vielen Schichten sehr schwierig und 2; muss die Pressschablone dann wirklich ganz exakt passen. Bei Lamellen von 3-5mm Stärke (je nach Holzart) ist eine bessere Druckübertragung gegeben und kleine Unregelmäßigkeiten der Presse werden ausgeglichen.
    Als Leim wurde normaler Weißleim verwendet, und hat sich als sehr brauchbar erwiesen. W-Leim finde ich als zu spröde.
    -vor "meiner" Zeit in der Werkstätte wurde lange kein Sessel erzeugt, da bei einem Sessel die Verleimung aufging. Wie ich aber erfahren habe, wurde nach der Abreise meines Vorgängers aus Ersparnisgründen billiger Weissleim aus lokaler Produktion verwendet. Nachdem ich wieder den guten alten Ponal besorgt hatte, gab es keinerlei Probleme mehr-
    Bei Verwendung von 7 Schichten und langer Trockenzeit (1 Woche) gab es nach dem Ausspannen nur leichten "Rückgang" der Form. Dies ist aber sicher je nach Holzart, Leim, Trockenzeit, Schichten verschieden und bedarf eines Versuchs.
    Die Verbindung der Querzargen mit den Wangen war eingezapft. Ich persönlich wäre für eine simple Verschraubung mit jeweils 2 Schrauben per Zarge und Seite. Etwas versenkt und die Köpfe mit Dübeln ausgeleimt, so wie bei Thonetstühlen. Die Verzapfung empfinde ich als Schwächung der ganzen Konstruktion. (Mein Versuch, dies auch in Uganda einzuführen wurde aber jedesmal abgeschmettert, da Verschraubungen von meinem Vorgänger als Minderwertig "gelehrt" wurde.)

    Als Alternative des doch etwas harten Sitzrahmens (er wurde noch mit Polstern belegt) könnte ich mir einen Rahmen mit Gurtbespannung oder eingepresstes Wiener Geflecht (genau Anleitung dazu kann ich auf Wunsch liefern) vorstellen.

    Als Holz wurde in Uganda eine heimische Baumart verwendet, die vielleicht mit unserer Birke vergleichbar ist. Jedenfalls ein eher weiches Holz. Bei Variation der Lamellenstärke ist aber sicher jedes Holz denkbar.
    Die Dimension der Wangen betrug ca. 25-30mm x 50mm.

    Ich hoffe ich konnte dir etwas helfen
    gerhard
     

    Anhänge:

  4. garfilius

    garfilius ww-robinie

    Beiträge:
    918
    Ort:
    Leipzig
    Ich habe mein Projekt mit Messerfurnier in 2,5 mm Stärke realisiert. Klar, mit dem dünnen Schälfurnier leimt man sich einen Wolf.
    Das Sägefurnier mit 5 mm Stärke, dass ich gern haben wollte, konnte ich leider in den Größen nicht auftreiben.

    Gruß
    Gero
     
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