Frage an die Metaller hier

uli2003

ww-robinie
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Da hier ja auch einige Metaller unterwegs sind,
versuche ich mal mein Glück mit meiner aktuellen Baustelle.
Ich habe einen Kompressor auf dem Tisch stehen, bei dem ein Zylinder aus dem Kurbelgehäuse gesprengt wurde.
Ich habe ihn jetzt zerlegt, kann aber die kausale Ursache nicht finden. Die Kurbelwelle zeigt Einlaufspuren, nach nur 20 Betriebsstunden .
Öl war augenscheinlich drauf.
Das Pleuel ist intakt, der Kolben samt Bolzen lag im Kurbelgehäuse.
Hat jemand eine Idee wie das passieren konnte?
(Bevor ich jetzt das Gehäuse schweißen lasse und die Welle erneuere..)
Bilder anbei.
 

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buckdanny

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So auf den ersten Blick erschliesst sich mir die Konstruktion nicht. War an dem ausgebrochenen Teil ne Ölleitung? Wenn das Pleuel auf der Welle gefressen hat, kann ich mir vorstellen das die Lage nicht mehr am Gehäuse vorbei kam. Das festgefressene Pleuel wurde dann beim touchieren vom Gehäuse wieder gelöst.
 

Hubraumschrauber

ww-birnbaum
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Hallo,


die Welle bzw. der Nocken (Bild 2) hat gefressen.
Wie sieht das Gegenstück/Lagerung am Pleuel aus?

Ich tippe bei den Spuren auf unzureichende Schmierung.
Reibung, Wärme, mehr Reibung, fest, Bumm.
Zwingend prüfen, ob im Betrieb ausreichend Schmierung kommt. (ZB händisch durchdrehen und mit Pressluft und Löschpapier)



Geht noch was in Richtung Gewährleistung?
Wieviel kostet die Welle neu?

(Auf den Bildern sieht man nicht genau, wie tief die Spuren sind. Abhängig wie krass, kann man sowas „polieren“ und nur die Lagerung neu machen. Das muss ein Motorenspezialist beurteilen.)
 

uli2003

ww-robinie
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So auf den ersten Blick erschliesst sich mir die Konstruktion nicht.
4 Zylinder, sternförmig, davon ist ein Sitz samt Zylinder herausgedrückt worden. Das Herausgebrochene ist der Flansch für Zylinder 3.

die Welle bzw. der Nocken (Bild 2) hat gefressen.
Wie sieht das Gegenstück/Lagerung am Pleuel aus?
Da bin ich unsicher. Im Pleuel sind Nadellager, die sind allesamt maßhaltig und intakt. Gut geölt ebenfalls, lassen sich schließend sauber mit dem Finger drehen. Durchmesser innen ca. 25 mm.
Zwingend prüfen, ob im Betrieb ausreichend Schmierung kommt.
Schwer zu sagen, da Spritzschmierung, wie bei kleinen Kompressoren üblich.

Auf den Bildern sieht man nicht genau, wie tief die Spuren sind.
4/10 mm.

Das festgefressene Pleuel wurde dann beim touchieren vom Gehäuse wieder gelöst.
Dazu müsste der Kolben schon ab gewesen sein. Das ist nicht möglich, da der Haltebolzen die Zylinderbohrung nicht verlässt. Der kann erst abgefallen sein, als der Zylinder herausgedrückt war. Der Zylinder ist absolut sauber, der Kolben auch. Keine Fraßspuren.
 
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Yggdrasil

ww-birnbaum
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Ist nur die Kurbelwelle 20 h alt, oder der ganze Kompressor? Dann Gewährleistung, oder?
Gehört denn eine der Einlaufspuren zu dem rausgesprengten Zylinder?
Nach meinem Verständnis, da weder Kolben noch Zylinder Spuren aufweisen, kann ja nnur der Luftdruck im Zylinder diesen abgerissen haben, also Materialermüdung / Produktionsfehler.
Können sich die Pleuel auf der Welle berühren? Gibt's da vielleicht Spuren? Das könnte dann möglicherweise zu starken Kräften quer zum Hub führen und das Material ermüden.
 

uli2003

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Zur Ergänzung noch, das ist vermutlich nicht klar zu erkennen - alle 4 Pleuel sitzen nebeneinander auf dieser Nocke.
 

Hubraumschrauber

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Kannst Du mal Bild 2 und das zugehörige Lager nebeneinander fotografieren. So dass man sieht, auf welchem Bereich der Welle was vom Lager trägt. Ich vermute nach wie vor dass es in der Mitte an Schmierung fehlt.

Edit, 4/10 mm lassen sich nicht rauspolieren.
 

uli2003

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Können sich die Pleuel auf der Welle berühren? Gibt's da vielleicht Spuren?
Ja, theoretisch schon, wenn der Kolben das Pleuel nicht ausreichend 'in der Spur hält'. Man sieht aber keine Kampfspuren.

Gehört denn eine der Einlaufspuren zu dem rausgesprengten Zylinder?
Ja.

Ist nur die Kurbelwelle 20 h alt, oder der ganze Kompressor? Dann Gewährleistung, oder?
Die ganze Maschine hat 20 h gelaufen. Das ist auch nicht verwunderlich. Gewährleistung ist lange vorbei.
 

Hubraumschrauber

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Ich bleib beim Fresser. Wie Du richtig schreibst, im Druckbereich und das einseitig - da wo die Belastung auf deine Kurbel am größten ist.
Ich würde die Welle wechseln inkl. der Nadellager. Auf jeden Fall die 2 Inneren Nadellager.
Nadellager können nach einem Fresser im kalten Zustand wieder leicht drehbar sein/werden.
Gehören die 2 mittleren Pleuel mit den schwarzen Stellen zu den 2 Stellen auf der Welle?
 

uli2003

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Ein ein einseitiger Fresser ist schon ungewöhnlich. Aber gut, gehen wir von erhöhtem Verschleiß durch Minderschmierung oder 15 Jahre altes Öl aus, denn das Teil ist so alt und das Öl vermutlich noch original.
Das erklärt nicht den abgewanderten Zylinder.
 

Hubraumschrauber

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Die schwarzen Stellen am Lager kann vom Abrieb aus dem Käfig kommen. Die Nadeln drehen sich dann trotzdem, manchmal sogar leichter als zuvor, weil das Spiel größer ist.

im Anhang noch ein Bild von meinem.
Beim Zusammenbau noch darauf achten, dass nix zugegammelt ist:
- Leitungen im Ausgang
- Kühler
- Auslass Schiebe-Mimik im Kopf

Wenn da was klemmt, gehts direkt mit Gegendruck auf die Belastung. Und wenn die nur jedes Schaltjahr einmal laufen, werden die nicht warm genug und iwo sammelt sich Wasser
 

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uli2003

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Gegendruck hat der Kolben reichlich, der Zylinder in Stufe 3 wird sicherlich schon mit 50 bar gefüllt.
Stufe 4 drückt auf 330 bar hoch.
 

Kony

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Die Kurbelwelle ist definitiv Schrott, sieht aus als das die gehärtete Oberfläche ausgebrochen ist nachdem das Lager gefressen hat. Fehlt im Nadellager eine Nadel, wie sehen die Nadeln im Lager aus? Auf alle Fälle liegt so was an der Schmierung.
Zeige mal ein Bild von der Kolbenoberfläche vom abgerissenen Zylinder.
Für mich macht der abgerissene Flansch nur Sinn, wenn der Kolben blockiert hat, oder das Auslassventil blockiert war oder was in den Zwischenraum zwischen Kolben und Zylinderkopf gekommen ist.
 

Hubraumschrauber

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Ursache kann sein:
- Falsches Material (zu wenig Kohlenstoff)
- Härten, sprich zu wenig oder ungleich...
- zu viel Härte weggeschliffen

wobei bei ausreichend Kraft und Hitze die beste Härteschicht nachgibt (Fresser)

„Reingewalzt“ ist die Verformung die man bekommt wenn das Material nicht mehr hart ist, weil die Härteschicht fehlt
 

uli2003

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Fehlt im Nadellager eine Nadel, wie sehen die Nadeln im Lager aus?
Nein, alles komplett, kein Spiel, lässt sich 'sämig' drehen.

Vermutlich dann doch fehlende Schmierung. Vom Kolben und der Laufbuchse mache ich ein Bild, schaffe ich aber erst morgen.
Da die Kolbenringe eh neu müssen da defekt (haben wohl im Kurbelraum etwas gelitten :emoji_slight_smile: , sind aber auch aus Kunststoff), kann es sein dass ein Komplettpaket rein muss.
Sind alles recht kleine Dimensionen, der Kolben wird so ca. 18 mm Durchmesser haben, der kleinste etwa 10 mm.

Also - Welle neu, Kolben/Zylinder neu (oder falls i.O. nur die Ringe, wenn erhältlich), dann sollte der Kasten wieder laufen. Aber erst warte ich, ob sich das Gehäuse schweißen lässt.

Ich hab das Teil mit Schaden für einen Hunni gekauft, mit dem Schweißen wäre ich dann bei insgesamt ca. 360 Euro. Das ist O.K. für einen guten Atemluftkompressor mit 300 bar.
 

Kony

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Die Zylinder brauchst du nur neu, wenn die Riffen/Fresspuren haben, wenn nicht reicht ein Satz Kolbenringe pro Zylinder.
Die Lager in den Pleueln musst du aber auch ersetzen, die haben mit Sicherheit einen "Treffer", denke aber das du nur das ganze Pleuel mit Lagern bekommst.
Die Ventile sollten auch noch überprüft werden, ob die die Luft durchlassen und dann auch halten.
Ob sich das ganze dann noch lohnt?
 

Hubraumschrauber

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Wenn’s bei den Kolbenringen und Dichtungen Probleme wegen Liegerfähigkeiten gibt, sind kleine Hydraulikbuden gute Adressen. Die drehen solche Dichtungen aus dem entspr. Rundmaterial wenn sie im Schnellschuss Hydraulikzylinder abdichten müssen und auch nichts passendes im Eck liegen haben bzw. herbekommen. Mit nem verdreckten Muster kommen die klar.
 

uli2003

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Die Kolbenringe bekomme ich nur im Set mit Kolben und Zylinderfuß.
Lager scheinen Standardteile zu sein.
Ich sehe es als Hobby an, weils für das Hobby ist.
Lohnen - denke schon, neu kostet so ein Gerät über 3k Euro.
 

schrauber-at-work

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Aber erst warte ich, ob sich das Gehäuse schweißen lässt.
Aus welchem Material ist das Gehäuse?
Wenn Alu (danach sieht es aus) , dann klappt das nur mit Laserschweißen (bei jemandem der es wirklich kann).WIG bringt zu viel Wärme/Verzug und wird nur selten wirklich "dicht" (bzw. hält von der Festigkeit her nicht).
Habe da schon einiges "durch". Ob Zylinderköpfe, Rennsportfelgen, Getriebeghäuse ... Funktioniert alles nicht zufriedenstellend bis auf Laser.

Zudem wird es mit schweißen alleine nicht getan sein. Geometrie vom Gehäuse (Fläche Zylinderfuß) muss 100% zur Welle passen, ansonsten läuft es nicht lange (Kolben hat ja nur in einer Achse Freiheitsgrade).

Mein Motoreninstandsetzer (echte Choriphäe) würde vermutlich zu einem neuen (guten gebrauchten) Gehäuse raten.

Alles andere ist m.M.n. "waste time & Money"



Gruß SAW
 

uli2003

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Zudem wird es mit schweißen alleine nicht getan sein. Geometrie vom Gehäuse (Fläche Zylinderfuß) muss 100% zur Welle passen,
Da der gegenüberliegende Zylinder eine schöne große plane Fläche hat, werde ich den Block dort auflegen und den Flansch nötigenfalls wieder planfräsen. Das ist kein Problem. Der Schweißer sagte schon, dass er - weil das Teil so nah am Flansch gebrochen ist - erhöht schweißen muss.
Das werde ich nur im Bereich des runden Zylinderflansches nachfräsen.

Mein Motoreninstandsetzer (echte Choriphäe) würde vermutlich zu einem neuen (guten gebrauchten) Gehäuse raten.

Alles andere ist m.M.n. "waste time & Money"
Gebraucht gibt es da nichts am Markt. Neu schlägt der Hersteller zu und möchte etwa 500 Euro für das kleine Gehäuse haben. Also - 40 Euro für das Schweißen investieren. Es eilt ja überhaupt nicht.
 

andama

ww-robinie
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Stimme @schrauber-at-work zu, da ich mir nicht vorstellen kann, dass der Zylinderfuß in Lage und Winkel so eingeschweißt werden kann, daß er 100% an der Originalposition steht.
versuche dein Glück, gerne lasse ich mich vom Gegenteil überzeugen.
 
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