Schachbrett: Nuss & Ahorn, Messing-Inlay, klappbar

MTrp

ww-robinie
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Ich möchte Euch gerne das jüngste Projekt aus meiner Holzwerkstatt vorstellen: Ein klappbares Schachbrett aus Nuss (angeblich Schwarznuss) und Ahorn mit einem Messing-Inlay. Es ist nicht perfekt geworden, aber ich habe mein Bestes gegeben. Ich versuche diesmal mehr die Bilder für sich sprechen zu lassen und mich beim Text eher nur auf die wichtigsten Infos, Hürden/Probleme sowie bestimmte mEn interessantere Details zu konzentrieren. Im ersten Beitrag präsentiere ich das fertige Ergebnis, in den folgenden Beiträgen die Herstellung - für jene, die das interessiert.

Ich spiele selber sehr viel Schach - allerdings hauptsächlich online … - und hatte daher ein paar praxisorientierte Vorstellungen an das Brett z. B. betreffend Größe und Beschriftung. Mit Feldgröße 50mm und Königshöhe 92mm erfüllt es grundsätzlich die Vorgaben eines Turnierbretts. Der Rahmen ist 70mm breit und 40mm hoch. Der Rahmen ist wie eine Schweizer Kante abgeschrägt - ich bin mir aber unsicher, ob man das Schweizer Kante nennen darf/soll, wenn es auf der Ober- statt der Unterseite ist? Das Spielfeld aus Nuss und Ahorn hat eine Stärke von 15mm und ist mit einer 9mm-MPX-Platte verleimt. Die MPX-Platte steht auf drei Seiten über und bildet eine Nut-Feder-Verbindung mit dem Rahmen. Die Gehrungen des Rahmens habe ich durch große Ahorn-Federn verstärkt. Das Inlay ist eine 3,5x3,5mm Messing-Stange. Der Klapp-Mechanismus basiert auf drei „Zysa“ Einbohrscharniere von Häfele mit 18mm Durchmesser. Bei der algebraischen Beschriftung habe ich mich nach längerem Grübeln für das Lackieren mit einer geplotterten Klebeschablone entschieden. Das Schachbrett habe ich mit einem matten Acryl-Klarlack von Mipa lackiert.
 

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ww-robinie
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Zur Herstellung

Grundsätzlich konnte ich viele Anregungen und Tipps aus dem YT-Kanal „Would U Make It“ von Mike McCrory mitnehmen, der sehr viele Schachbretter baut. Seine Videos finde ich inhaltlich als auch von der Machart sehr empfehlenswert und einen sehr angenehmen Kontrast zu denen vieler anderer „typischer“ Youtuber:

https://www.youtube.com/woodumakeit
https://www.woodumakeit.com


Für dieses Schachbrett habe ich in vielen Bereichen Neuland betreten. Wo es mir möglich war, habe ich zuerst Probestücke zum Üben gemacht. Leider ließ es sich trotzdem nicht vermeiden, dass sich der eine oder andere Rückschlag eingestellt hat und ich kleine Fehler so gut es ging kaschieren musste. Der Bau einiger neuer Vorrichtungen hat ebenfalls einiges an Planung und Zeit in Anspruch genommen. Weiters ist für mich überdeutlich zutage getreten, dass ich dringend ein Upgrade für meine Tischkreissäge (DeWalt 7492) brauche.

Der absolute Supergau war das Verleimen der ersten Bretthälfte mit den drei Rahmenteilen. Ich war etwas in Sorge, dass die Nut-Feder-Verbindung nicht stramm genug sein könnte und habe beide Teile mit Leim eingepinselt. Das Ergebnis war, dass ich die Teile zwar ein Stück zusammenstecken, dann aber weder seitlich in Position noch auseinander bekommen konnte. Ich habe mit allen möglichen Mitteln im Schweiße meines Angesichts und leichten Panikgefühlen versucht, die Teile voneinander zu lösen, mit Hammer und Schlagholz darauf eingeprügelt, konnte aber das Brett nur bedingt fixieren. Dabei habe ich dessen Unterseite leider beschädigt. Ich war schon kurz vor dem Aufgeben, als es sich doch noch gelöst hat, dabei ist aber der obere Teil der Nut abgebrochen. Ich habe dann so gut es ging mit Wasser und Bürste den Leim entfernt, alles trocknen lassen und dann von Hand noch letzte Leimreste weggeschliffen. Gott sei Dank hat sich kaum etwas verzogen und ich konnte den abgebrochenen Teil anleimen. Allerdings musste ich die Gehrungen leicht nachschneiden und der Rahmenteil war dann ca. 0,5mm zu kurz. Ich konnte das aber halbwegs kaschieren.

Die Messing-Inlays waren auch nicht ganz ohne. Für die Gehrungen habe ich mir eine eine Gehrungslade gebaut, das hat aber nicht so gut funktioniert. Letztendlich hat sich herausgestellt, dass es mit sehr viel einfacher und schneller geht, wenn ich den Winkel einfach am Tellerschleifer plus Winkelführung anschleife. Die Kontaktflächen habe ich mit groben Schleifpapier angeraut. Die Sichtfläche habe ich auf mit K400 geschliffen und dann mit grauem Schleifvlies mattiert. Das Einkleben mit Sekundenkleber hat sich schwieriger gestaltet als erwartet. Die Spitze der Kleberflasche war zu breit für die 3,5mm-Nut. Mit einem Stäbchen war ich zu langsam und habe zuviel gepatzt. Letztendlich habe ich den Kleber auf der Unterseite des Messingstabs aufgetragen. Das Einsetzen ging zwar besser, aber leider auch nicht ganz ohne Patzen. Um den Sekundenkleber vom Holz zu entfernen, ohne das mattierte Messing zu zerkratzen, und vom Messing mit dem Schleifvlies zu entfernen, ohne mit Schleifstaub das Holz zu versauen, hat mich einiges an Nerven gekostet, war aber mit mehrmals Abkleben dann doch zu schaffen.
 

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Erfreulicherweise ging manches aber auch sehr viel besser als erwartet, und dazu zählen die Lackierarbeiten:

Für die Beschriftung habe ich mich für geplotterte Klebeschablonen entschieden, die ich von einer Werbemittelfirma herstellen lassen habe. Dankenswerterweise habe ich dazu von verschiedenen Seiten einige hilfreiche Tipps erhalten:

  • Zuerst die Fläche 2x mit Klarlack lackieren, damit sich der Farblack nicht vom Holz aufgesaugt werden kann und die Kanten ausfransen.
  • Beim Abziehen sowohl der unteren als auch der oberen Folie muss man aufpassen, dass sich nicht kleine Teile in der Mitte von Buchstaben wie a oder e u. dgl. mit ablösen.
  • Die Schablone mit einer Lage Papier dazwischen gut anpressen und zeitnah danach lackieren.
  • Vor dem Lackieren vorsichtig mit feinem Schleifvlies etwas anrauen.
  • 2-3 sehr dünne Lackschichten aufsprühen mit 1 Minute Wartezeit zum Ablüften.
  • Danach sofort die Folie abziehen. Für die kleinen Teile in der Mitte von Buchstaben braucht man eine Cuttermesser oder Skalpell (ev. auch eine Nadel), um eine Seite etwas anzuheben und dann eine scharfkantige Pinzette zum Abziehen. Und ruhige Hände.

Wegen der Beschriftung und wegen dem Schutz des Messings vor dem Anlaufen habe ich mich gegen Ölen und für Lackieren entschieden. Ursprünglich dachte ich, dass ich seidenmatt möchte. Seidenmatt Acryl-Klarlack in der Dose ist aber gar nicht so leicht zu bekommen. Hinzu kommt, dass der erste Lack, mit dem ich Probestücke angefertigt habe, auch nach 2 Wochen noch keine gute Härte aufwies und schlicht nicht das richtige Produkt war. Der neue Lack war nicht nur bereits nach 24 Stunden deutlich härter, sondern war auch nur in matt statt seidenmatt zu bekommen. Das hat sich als Glücksfall herausgestellt, denn optisch hat mir das überraschend noch sehr viel besser gefallen! Die Optik ist relativ nahe an der von Hartwachsöl.

In Sorge war ich auch wegen der Oberflächengüte ohne Lackierkammer. Aber das hat überraschend gut funktioniert! Natürlich haben sich auf dem frischen Lack Staubpartikel abgesetzt, die zwar nicht sichtbar aber fühlbar waren. Es hat sich herausgestellt, dass ich diese Partikel aber ganz einfach mit grauem oder weißem Schleifvlies abnehmen konnte, ohne die Oberfläche zu zerkratzen. Das Ergebnis ist eine Lackfläche, die für mein Dafürhalten sowohl optisch als auch haptisch sehr gut gelungen ist. Ich kann mir gut vorstellen das bald mal wieder anzuwenden, werde aber ggf. noch in Luftfilter, Lackierpistole u. dgl. investieren. Hilfreich war übrigens auch die Trocknung des frischen Lacks mit einer Heißluft-Pistole auf kleinster Stufe etwas zu beschleunigen.

Betreffend Figuren war für mich sehr früh klar, dass ich diese nicht selber herstelle sondern kaufe. Ich habe mich für gewichtete Figuren aus ebonisiertem Buchsbaum-Holz in der klassischen Staunton-Form entschieden, Königshöhe 92mm.


Ich habe vor bei Gelegenheit auch noch ein dünnes Transport-Etui für das Schachbrett zu bauen sowie eine Kassette für die Figuren. Ursprünglich hätte ich in Erwägung gezogen die Figuren im Schachbrett zu verstauen. Es hat sich aber bald gezeigt, dass dafür der Platz nicht reicht und praktisch wäre es auch nicht sonderlich.
 

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flüsterholz

ww-robinie
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Sehr, sehr, sehr schick. Da bekommt man gleich Lust auch eines zu Bauen. Für mich war sehr interessant, dass du so ziemlich alles anders gemacht hast, wie ich es gemacht hätte. Wie unterschiedlich man doch vorgehen kann. Ganz tolles Ergebnis.
 
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