Vorschlag: Anleitung Tischkreissäge einstellen

hainwerker

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Auf freundlichen Hinweis von werten Forumskollegen: Ich bin Hobbymensch und kein Profi. Folgendes ist eine Anleitung basierend auf meinen Erfahrungen. Wer sie nutzt tut das auf eigene Gefahr. Ich bin kein wandelndes Lexikon im Thema Arbeitssicherheit. Wen das abschreckt, dem empfehle ich sich ein Buch zu nehmen und nicht in einem Forum nachzuschlagen :emoji_slight_smile:

Ich habe inzwischen viel zu oft Hand an meiner Tischkreissäge anlegen müssen. Das liegt vor allem daran, dass mir immer mal aufgefallen ist, dass eine Einstellung nicht passt. Wenn ich diese dann korrigiert habe, hat sie oft Auswirkungen auf andere Dinge, die dann auch neu eingestellt werden müssen. Eine systematische Vorgehensweise um einmal die ganze Maschine einzustellen wäre hier sinnvoller gewesen.
Dewegen hier mein Vorschlag für eine vollständige Einstellung einer Kreissäge. Sinnvolle Ergänzungen würde ich direkt in diesen Post einarbeiten, dann haben alle Interessierten in Zukunft hoffentlich eine vollständige Anleitung, ohne viel suchen zu müssen.

Ergänzung: Einige der Einstellungen sind nicht an allen Sägen vorgesehen. Das ist auch okay, vieles sollte vom Werk her einfach passen. Nur leider nicht mehr unbedingt nach 50 Jahren. Bei meiner alten Frommia musste ich ein paar Löcher etwas aufbohren, hier und da mal ein kleines Blech unterlegen, wo keine Einstellmöglichkeit vorgesehen war. Das liegt einfach daran, dass nach so langer Zeit Gussteile etwas hängen, vielleicht jemand im früheren Leben mal mit dem Gabelstapler gegengefahren ist, wer weiß das schon. Wichtig ist nur, dass die angesprochenen Dinge passen.

Hier also mein Vorgehen:

1. Tischnuten am Sägeblatt ausrichten:
Je nach Säge kann der Tisch gelockert und bewegt werden, oder aber das Sägeaggregat geschwenkt werden. Wenn man zwei tischnuten hat, sollten sie 100%ig parallel zum Sägeblatt ausgerichtet werden. Dafür nimmt man am besten eine Messuhr, ein Lineal mit Tiefenstopp o.Ä geht aber auch.
@Alceste merkt an: Er würde lieber nur eine nutzen und diese nach hinten hin ganz leicht vom Sägeblatt aufgehen lassen. So verhindert man die Möglichkeit, dass das Werkstück von den aufsteigenden Zähnen nach oben/vorne geschleudert wird.
Bei einer Tischnut leicht nach hinten auf gehen lassen.

2. Neigung des Tisches für Gehrungsschnitte:
Das habe ich lange Zeit nicht gewusst und bei meiner Säge lange nach der Ursache gesucht - wenn die Neigung des Tisches (Gefälle von Vorderkante des Tisches zur Hinterkante des Tisches) nicht passt, kann es bei Gehrungsschnitten leicht zu Verbrennungen am Holz kommen. Weil das Werkstück quasi zwischen Sägeblatt und Tisch eingeklemmt wird. Das fällt bei geraden Schnitten nicht auf, da ist die Neigung irrelevant. Sägeblatt auf maximale Neigung einstellen und wieder mit der Messuhr oder einem Kobiwinkel o.Ä. sicherstellen, dass die Neigung passt.

3. Parallelanschlag ausrichten:
Entweder am Sägeblatt durch Testschnitte, oder wieder mit Messuhr, oder mit einem Stahllineal o.Ä. was zwischen Anschlag und Sägeblatt gelegt wird. Der Anschlag sollte nach hinten ganz leicht aufgehen. Das verhindert, dass Werkstücke eingeklemmt und nach vorne geschossen werden, sowie ein Ausreisen des Werkstückes durch die aufsteigenden Zähne des Sägeblattes.
Was hier noch relevant sein kann: Der Anschlag sollte für bestimmte Schnitte natürlich auch im rechten Winkel zur Fläche des Stückes stellen. Das ist zum Beispiel wichtig, wenn man die Nut für Füllungen in Rahmenteile mit der Kreissäge schneidet. Leicht mit einem Winkel zu überprüfen.

4. Skala Parallelanschlag:
Nun kann die Skala eingestellt werden. Dafür ein Teststück schneiden, möglichst genau messen (z.B. Messschieber) und den Anzeiger auf den gemessenen Wert einstellen. ggf. nochmal mit einem geraden Maß wiederholen und überprüfen. 10tel lassen sich ja nur schlecht ablesen und einstellen.



Damit ist eine Säge ohne Schiebeschlitten fertig. Der kommt also als nächstes. Ich habe bisher nur Tischkreissägen gehabt. Ich nehme an, die Reihenfolge ist bei Formatkreissägen ähnlich, freue mich aber über Input dazu.



1. Neigung des Verfahrweges:
Auch hier hilft wieder eine Messuhr. Der Schiebeschlitten sollte vorne am Sägetisch die gleiche Höhe im Verhältnis zum Sägetisch haben, wie hinten. Auch etwas, was mir erst später aufgefallen ist. Bei Schiebeschlitten mir Rundstangenführung bedeutet das die Stange (von vorne vorne betrachtet) hinten höher/tiefer und vorne höher/tiefer zu stellen. Für diese Einstellung sollte immer an der gleichen Stelle des Schiebetisches gemessen werden.

2. Höhe des Schiebetisches:
Die sollte je nach Geschmack entweder genau in einer Höhe mit dem Sägetisch sein, oder aber ein 10tel mm oder so höher stehen. Zweiteres reduziert die Reibung eines Werkstücks auf dem Sägetisch beim Nutzen des Schiebeschlittens. Wichtig: Mindestens an zwei Punkten (ganz vorne und ganz hinten) am Schiebetisch messen. Der Schiebetisch kann vorne auf einer Höhe mit dem Sägetisch sein, nach hinten aber abfallen oder aufsteigen, das muss korrigiert werden. Einstellung 1. misst also immer an der gleichen Stelle des Schiebetisches, einstellung zwei checkt oder Schiebetisch als ganzes mit dem Sägetisch fluchtet.

3. Neigung des Schiebetisches:
Damit meine ich die Neigung (wenn man vor der Säge steht) von rechts nach links. Dafür ein langes Lineal/Richtscheit/Wasserwaage so legen, dass es komplett auf dem Schiebetisch aufliegt und noch ein Stückchen auf den Sägetisch ragt. Diese Einstellung hat Auswirkungen auf die Einstellung 2., also muss man wahrscheinlich ein paar mal hin und her stellen und messen, bis alles passt.

4. Verfahrweg an Sägeblatt/Tischnut ausrichten:
Ähnlich wie der Parallelanschlag sollte der Schiebeschlitten nach hinten ganz leicht aufgehen. Die Gründe sind die gleichen wie beim Parallelanschlag.

5. Anschlaglineal ausrichten:
Nun kann das Anschlaglineal ausgerichtet werden. Dafür stellt man es einmal mit einem Winkel zu den Tischnuten / dem Sägeblatt im 90° Winkel ein und nutzt dann die 5-Schnitt Methode (einfach googeln/im Forum suchen)

6. Skala Anschlaglineal einstellen
Zum Schluss kann wieder die Skala vom Anschlag justiert werden. Auch hier wieder ein Teststück schneiden, messen, Anzeiger einstellen, ggf. wiederholen.


Wenn diese Einstellungen alle stimmen und wiederholgenau eingestellt werden können, sollte die Säge einwandfrei funktionieren. Wenn dann immer noch Probleme bestehen hat man entweder ein stumpfes Sägeblatt, oder die Säge ist defekt (unrunde Welle, Sägeaggregat verstellt sich beim hoch- und runterfahren, Tisch hängt extrem durch o.Ä.)

Ich hoffe das hilft dem/der einen oder anderen. Bei Fragen zu einzelnen Punkten gerne fragen.
Und ich freue mich über Input, es gibt auf jeden Fall viele mit noch viel mehr Erfahrung im Forum, ich ergänze gerne :emoji_slight_smile:

Weitergehende Literaturempfehlungen weiter unten im Faden.
 
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bello

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Wenn diese Einstellungen alle stimmen und wiederholgenau eingestellt werden können, sollte die Säge einwandfrei funktionieren. Wenn dann immer noch Probleme bestehen hat man entweder ein stumpfes Sägeblatt, oder die Säge ist defekt (unrunde Welle, Sägeaggregat verstellt sich beim hoch- und runterfahren, Tisch hängt extrem durch o.Ä.)
oder man hat einfach nur die falsche Säge gekauft.
 

Alceste

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Je nach Vorliebe sollte der Anschlag parallel zum Sägeblatt stehen, oder aber nach hinten leicht aufgehen.

Das ist IMO keine Vorliebe: Ohne Freischnitt riskierst du, dass das Werkstück von den hinteren, aufsteigenden Zähnen erfasst wird und zurückgeschleudert wird.

Die Tischnuten sollten 100%ig parallel zum Sägeblatt ausgerichtet werden.

Warum? hier gilt genau das gleiche!

Es gibt Handreichungen von der BG wo steht wie so eine Maschine eingestellt werden sollte: https://www.bghm.de/fileadmin/user_upload/Seminare/Holzbranche/TSM-Web_BG_96.18.pdf

Dann gibt es noch ein Buch von Guido Henn zu dem Thema:
https://www.holzwerken.net/produkt/stationaermaschinen-formatkreissaege/
 

hainwerker

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Warum? hier gilt genau das gleiche
Meine Säge hat zwei Tischnuten, da ist ein aufgehen nicht möglich, sonst würde eine nach hinten auf und die andere zugehen. Das wäre natürlich sehr schlecht.
Bei einer Tischnut ist ein aufgehen nach hinten natürlich machbar!


Die beiden Links sind gut, die Seitenzahl schreckt aber sicher die meisten Heimwerker ab. Wenn ich es schaffe schaue ich mir das mal an und Versuche es einzufügen:emoji_slight_smile:
 

Alceste

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Die beiden Links sind gut, die Seitenzahl schreckt aber sicher die meisten Heimwerker ab. Wenn ich es schaffe schaue ich mir das mal an und Versuche es einzufügen:emoji_slight_smile:

Also zumindest in meinem Bereich ist es so, dass man sich BEVOR man Einführungen schreibt sich mit der Standardliteratur zum Thema vertraut macht!

Meine Säge hat zwei Tischnuten, da ist ein aufgehen nicht möglich, sonst würde eine nach hinten auf und die andere zugehen. Das wäre natürlich sehr schlecht.
Bei einer Tischnut ist ein aufgehen nach hinten natürlich machbar!

dann würde ich im Sinne der Sicherheit auch nur eine nutzen.
 

hainwerker

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Ich habe Probleme mit meiner Säge gehabt, sie gelöst und meine Lösung hier angeboten. Mit dem Hinweis, dass ich mich über Anregungen freue. Über den Literaturhinweis freue ich mich. Über den Hinweis die hätte ich vorher doch lesen müssen weniger. Ich bin ein Hobbyschreiner in einem Onlineforum und glaube es geht in der Realität vorbei, dass wir hier alle erstmal BG Broschüren studieren, bevor wir uns zu einem Thema äußern :emoji_grin:

dann würde ich im Sinne der Sicherheit auch nur eine nutzen.
Den Vorschlag nehme ich gerne mit auf. Aber meine Vermutung ist, dass bei zwei Nuten in den meisten Sägen in Hobbywerkstätten auch durchaus beide mal genutzt werden. Da ist man mit parallel im Zweifelsfall besser beraten. :emoji_slight_smile:
 

Alceste

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Ich bin ein Hobbyschreiner in einem Onlineforum und glaube es geht in der Realität vorbei, dass wir hier alle erstmal BG Broschüren studieren, bevor wir uns zu einem Thema äußern :emoji_grin:

Vielleicht solltest du das als Präambel in deinen Text aufnehmen. Und ja: Wo kämen wir denn da hin, wenn man sich vorher informieren müsste, bevor man seine Meinung in die Welt herausposaunt.
 

Alceste

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ich habe nicht behauptet, dass das da drin steht. Ich wollte mit diesen zwei exemplarischen Links nur zeigen, dass sich bereits Menschen mit weitaus mehr Sachverstand bemüht haben solcherlei Einführungen zu verfassen und dass jemand der dies befolgt weniger Gefahr läuft sich und andere zu gefährden.

Eine gute Erläuterung einer möglichen Einstellprozedur findet sich zum Beispiel in dieser Anleitung von Altendorf:

https://www.yumpu.com/de/document/read/2587600/betriebsanleitung-f45-altendorf/71

oder in Videoform, ein (IMO gelungener) Versuch der Firma Felder:

https://www.yumpu.com/de/document/read/2587600/betriebsanleitung-f45-altendorf/71

in Guidos Buch wird das ebenfalls en Detail erklärt.
 
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