Alter Schrank, fehlt da was?

flüsterholz

ww-robinie
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Aus restaurotirischer Sicht ist die Oberfläche dieses Schrankes absolut zu erhalten. Ein Neuaufbau ein echter Frevel.
Das würde ich auch nicht so absolut sehen. Wäre eine natürlich eine Überlegung, aber...
Einmal persönlich, weil ich diese Oberflächen nicht mag und es handelt sich hier ja auch nicht um einen kulturhistorisch erhaltenswerten Schrank, wenn er auch ungewöhnlich ist.
Zum zweiten ist hier auch nur eine in der Ausführung einfache Maserierung zu sehen. Im Vergleich zu Möbeln vom Ende des 19. Jhd ist sie nur recht einfach. Was man da an Möbeln des Historismus findet, ist nochmal ein ganz anderes Niveau. Angedeutete Nachbildungen von Bandintarsien, spezielle Werkzeuge um die Poren des Holzes zu imitieren, etc.
 

eckartz

ww-buche
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handelt sich hier ja auch nicht um einen kulturhistorisch erhaltenswerten Schrank,
Wer entscheidet das? Hier waren einige der Ansicht, dass dieser Schrank in vieler Hinsicht sehr außergewöhnlich ist. Die mittlerweile selten gewordene Maserierung auf einem Schrank ist hier auf mindestens 98% der Fläche noch intakt. Wenn ich diesen Schrank restaurieren müsste oder dürfte, würde ich versuchen die Minimalen Fehlstellen so zu retuschieren, dass sie im Gesamtbild nicht stören. Bei näherem Hinsehen darf ruhig sichtbar werden, dass hier retuschiert wurde. Ich würde das wahrscheinlich versuchen mit Leinöllack und Lasur zu machen, wenn Zeit nicht so wichtig ist.
Vorab wäre eine Reinigung absolut sinnvoll. Was nehmt ihr da?
Ich würde eine Seifenlösung probieren und habe auch gute Erfahrungen mit Mischungen aus Leinöl, Spiritus und Essig gemacht. Die muss wohl immer wieder aufgeschüttelt werden.
Abschließend die Auffrischung der gesamten Oberfläche. Da ginge mein erster Impuls Richtung Schelllack.
Hat jemand eine Idee, ob diese Oberflächen historisch manchmal auch von Hand poliert wurden?
 

Micha83

ww-robinie
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Hallo
Ich werde versuchen das mit Acryl Modellbau Farben so gut es geht zu retuschieren.
Die Nägel die unsachgemäß für die Reparatur benutzt wurden, versenken und etwas auswachsen
Möchte nicht von einer klassischen Restauration sprechen. Mit so wenig Aufwand wie möglich, wieder ansehnlich machen.
Weiß auch noch nicht ob er mal in den Wohnraum kommt, er riecht etwas streng, auf dem Unterboden unter den Schubkästen ist irgendwas ausgelaufen.
Der Oberboden hat oben ebenfalls solche krassen Hobelspuren.
Schönes Wochenende, Grüße Micha
 

flüsterholz

ww-robinie
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Wer entscheidet das? Hier waren einige der Ansicht, dass dieser Schrank in vieler Hinsicht sehr außergewöhnlich ist. Die mittlerweile selten gewordene Maserierung auf einem Schrank ist hier auf mindestens 98% der Fläche noch intakt. Wenn ich diesen Schrank restaurieren müsste oder dürfte, würde ich versuchen die Minimalen Fehlstellen so zu retuschieren, dass sie im Gesamtbild nicht stören. Bei näherem Hinsehen darf ruhig sichtbar werden, dass hier retuschiert wurde. Ich würde das wahrscheinlich versuchen mit Leinöllack und Lasur zu machen, wenn Zeit nicht so wichtig ist.
Vorab wäre eine Reinigung absolut sinnvoll. Was nehmt ihr da?
Ich würde eine Seifenlösung probieren und habe auch gute Erfahrungen mit Mischungen aus Leinöl, Spiritus und Essig gemacht. Die muss wohl immer wieder aufgeschüttelt werden.
Abschließend die Auffrischung der gesamten Oberfläche. Da ginge mein erster Impuls Richtung Schelllack.
Hat jemand eine Idee, ob diese Oberflächen historisch manchmal auch von Hand poliert wurden?
Ob er kulturhistorisch wertvoll ist, müssen wir hier nicht diskutieren. Da hat jeder sicher seine eigenen Ansichten. Ich finde es erst mal gut, dass @Micha83 es probieren möchte. Abgelaugte Schränke gibt es genug.

Zum Firnis hatte ich ja schon geschrieben, dass die Firnisse Ende des 19.Jhd entweder Dammar- oder Kollophoniumfirnisse waren. Kollophoniumfirnisse sind meistens in einem zerstörten Zustand. Die wurden eher für günstige Möbel genommen. Die Oberflächen ziehen sich so punktförmig zusammen oder bilden eine rissige Oberfläche und sind in der Regel nicht restaurierbar. Den Grund dafür kenne ich nicht wirklich. Evtl verschiedene Qualitäten, die sich nicht komplett auflösen, o.ä.
Beide Firnisse werden in Balsamterpentinöl gelöst. Denkbar wäre Anfang 19.Jhd auch noch Sandarak-, Sandarak/Mastix-, seltener Kopalfirnisse, die wie Schellack in Alkohol gelöst werden. (Kopal eher in Balsamterpentin, Alkohol geht so lala) Müsste man also ausprobieren. Ein Problem ist die nicht so hohe Abriebfestigkeit von Bierlasur und der darin enthaltenen Pigmente. Manche Maserierungen auf Schränken sind auch aus einer Kombi aus Öl- und Bierlasur, z.B. Mahagonimaserierungen. Man muss also vorsichtig agieren. Ich fange bei Firnissen zum Entfernen immer mit Schmincke Firnisentferner an.
Polierte Oberflächen kenne ich nicht auf Bierlasur. Die wurden meines Wissens nur gestrichen. Ist aber auch nicht so mein Spezialgebiet. Maserierungen erhalten war in den 80er und 90ern noch nicht so angesagt, zumindest bei Privatkunden.
Gruß Michael
 

kgb007

ww-robinie
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Bierlasur -wie der Name sagt- besteht im wesentlichen aus Bier. Da werden dann je nach gewünschtem Effekt Farbpigmente untergemischt. Das Bier sollte möglichst Zuckerhaltig sein, wie zB Malzbier. Das erzeugt die Bindung. Nach Trocknung muss natürlich Firnis drüber. Ich würde Tungöl nehmen verdünnt mit Terpentine und ein paar Flocken Bienenwachs und Carnaubawachs in die heisse Mischung. Poliert wird da nix. So kenne ich das - wird sicherlich verschiedene Praktiken geben. Man benötigt spezielle Pinsel (Schlepper).
 
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