Bestehende Beine abnehmbar machen und Überstand angleichen?

Agon

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Ich habe einen 20 Jahre alten Vollholztisch aus Nussbaum. Seine Beine sind U-förmig und soweit ich das richtig in Errinerung habe und aus optischer Kontrolle erkennen kann, fest verleimt. Zudem stehen die Beine rechts und links leicht über, was ich störend finde. Der Schreiner, der den Tisch damals gebaut hat, sagte, das müsse so sein, weil Holz sich in Richtung mit der Maserung anders ausdehene als im rechten Winkel dazu. Und da die Maserung der Beine quer zur Maserung des Tisches läuft, müsse Überstand sein. Würde man passend anfertigen, könnte dann plötzlich das Tischplatt überstehen, was unschöner sei, als wenn die Beine überstehen. Nun konnte ich in den ganzen 20 Jahren keinerlei Veränderung des Abstands ausmachen.

Ein Zügeltermin steht an. Und damit der richtige Zeitpunkt, mich zu fragen, ob ich die Beine nicht demontierbar machen lassen will und dabei dann gleich eine bessere Angleichung vornehmen lassen soll.

Nun hat ja ein Profi die Konstruktion gemacht und sich wohl etwas dabei gedacht, die Beine nicht demontierbar und diesen Überstand zu machen. Darum möchte ich gerne mal die Frage an die Profis hier stellen, ob ihr generell von demontierbaren Beinen abratet und falls ja, wieso? Oder ob ihr hier eine sinnvolle Möglichkeit seht, die Beine nachträglich demontierbar zu machen? Gleiches zur Frage mit dem Angleichen des Überstands.

Die Beine sehen so aus:

20260208_181712.jpg 20260208_181732.jpg

Und so die Unterkonstruktion/Rahmen:

Rechtes Bein, sowohl vertikal von unten nach oben ins Tischplatt geschaubt als auch horizontal ins Bein geschraubt (sieht zumindest so aus). Ausserdem sind im Übergang zum Bein Leimspuren zu sehen.
20260208_181925.jpg

Mittelteil stirnseitig (links neben dem Foto oben) zwischen den beiden Zargen in Längsrichtung. Auch hier nach oben und in den Fuss geschraubt.
20260208_181956.jpg

Bein links. Analog der rechten Seite in beide Richtungen geschraubt.

20260208_182005.jpg

An verschiedenen Stellen ist der Leim zu sehen:
20260208_182045.jpg

Unterkonstruktion. Diese ist auf beiden Seiten identisch.
Die Längszargen des Unterbaus sind an mehreren Stellen mit Schrauben nach oben in das Tischplatt montiert.
Vom ersten Anschauen habe ich den Eindruck, die Längszargen seien nur ins Tischplatt montiert und nicht mit diesen Querhölzer an der Stirnseite verleimt.
20260208_182333.jpg
 
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Agon

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Als Folgefrage noch: ChatGPT meint, dass es bei Vollholz eine best practise ist, Zarge und Beine zu verleimen, und gleichzeitig das Tischplatt aber nicht mit dem Untergestellt zu verleimen sondern nur zu schrauben. Von dem was ich sehe, könnte das genau so gemacht worden sein. Würde das dann bedeuten, dass ich zumindest das Tischplatt demontieren könnte? Die Längszargen an der Aussenseite des TIschplatts scheinen fix mit dem Tischplatt verleimt (auf Gehrung geschnitten). Das würde bedeuten, dass sich der Tisch auf diese Weise demontiert bei einem Umzug besser transportieren liesse - zwar sind die Beine immer noch 90cm breit, aber dazwischen bekome ich dann mehr Freiraum, das könnte beim "einfädeln" in Winkeln und Türen helfen.
Ist eine solche Demontage und Remontage etwas, was auch ein Laie tun kann oder lieber Finger weg davon?
 

derdad

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Lösen die Schrauben die in die Platte gehen. Kann sein, dass Sie sich einfach löst. Wenn nicht, fest!!!!! von unten an die Platte schlagen, dann sollte sie sich lösen. Die Bein-U's und die beiden längslaufenden Verbindungsstreben/Zargen sind aber höchstwahrscheinlich mit den U's verübeln und verleimt. Das Gestell bleibt also fix verbunden. Die Platte lässt sich abnehmen.
LG Gerhard
 

raziausdud

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Ein Profi wird die Platte nicht mit dem Querholz verleimt haben, höchstens an einem Punkt in der Mitte. So kann sich die Platte bei (leichten) Breitenänderungen gegenüber dem Querholz (so gut wie keine Längenänderung) bewegen.

Warum schreibe ich das? Damit Du nach hoffentlich erfolgreicher Trennung beim späteren Zusammenbau daran denkst und die Schrauben nur leicht anziehst.

Auch müsstest Du erweiterte Bohrungen finden - aus dem gleichen Grund.

Rainer
 

NOFX

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Ein Profi sollte auch die Platte nicht ganz außen mit Senkkopf jeweils (längs auf quer) fest verschrauben, würde ich meinen. :emoji_wink:

Insbesondere wenn er selber auf Quellen/Schwinden und den deshalb vorhandenen Überstand hinweist. Dann sollte man aber auch keine Gehrungen nutzen, da dann die 90° auch nicht mehr stimmt.

Ich würde auch einfach die Schrauben lösen und gucken, ob es sich löst mit ein wenig Unterstützung.

Das schmaler machen des Us würde dann wohl durch einen sauberen versetzten 45°-Schnitt in der Gehrung zu machen sein, sonst ist die Oberflächenbehandlung dahin.
 

Agon

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Als kleine Rückmeldung: Das Tischplatt lässt sich problemlos demontieren, die je 4 Schrauben stirnseitig und je 4 Schrauben auf den beiden Längszargen des Unterbaus waren nur locker angezogen. Das Tischplatt liess sich problemlos anheben. Es hatte keine verleimten Stellen.

Soweit so gut. Ich werde mir jetzt in der Umgebung einen guten Möbelschreiner suchen und erstmal eine grobe Aufwandschätzung erbitten, damit ich für mich abwägen kann, ob ich mir das "Makeover" leisten will/kann oder nicht. Ich mag mich noch gut an das Glücksgefühl erinneren, als der Tisch das erste Mal in der Wohnung stand. Zusammen mit einer tiefhängenden Plexiglas-Pendellampe mit Halogenbirnen im ansonsten abgedunkelten Raum erzeugt der Nussbaum eine herrliche Atmosphäre - goldbraun, fast etwas honig, warm, heimelig. Gerade im Winter ist der Tisch sowas wie der Fondue-Treffpunkt in meinem Familien- und Freundeskreis geworden.
 
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Agon

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Ein Profi sollte auch die Platte nicht ganz außen mit Senkkopf jeweils (längs auf quer) fest verschrauben, würde ich meinen. :emoji_wink:

Die Schrauben ganz aussen war wohl aus diesem Grund nur sehr locker angezogen.
Insbesondere wenn er selber auf Quellen/Schwinden und den deshalb vorhandenen Überstand hinweist. Dann sollte man aber auch keine Gehrungen nutzen, da dann die 90° auch nicht mehr stimmt.

Das ist mir interessanterweise auch erst heute bei sehr genauen Hinschauen aufgefallen - der seitliche Überstand ist nicht gleichmässig, es sieht so aus, also ob die auf Gehrung geleimte Zarge auf der Längssseite des Tisches nicht ganz 90 Grad hat und Überstand zum Bein darum nicht ganz gleichmässig ist. Das könnte mein "Makeover" etwas in Frage stellen.

Das schmaler machen des Us würde dann wohl durch einen sauberen versetzten 45°-Schnitt in der Gehrung zu machen sein, sonst ist die Oberflächenbehandlung dahin.

Super, vielen Dank für diesen Input. Ich nehm's gerne auf und geb's "meinem" Schreiner als Vorschlag mit.
 
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